bedeckt München
vgwortpixel

Anglo Irish Bank:Sie betteln um Geld, schlagen eine Fusion vor - vergeblich

Willie McAteer hatte vor der Krise beim Konkurrenten, der Bank of Ireland, einen Kredit in Höhe von 8,25 Millionen Euro aufgenommen. Das Darlehen war abgesichert mit 3,5 Millionen Aktien von Anglo Irish. Eigentlich kein Problem. Doch im Vertrag steht, dass der Wert der Aktien mindestens 1,4 mal höher sein muss als das Darlehen. Nach den Turbulenzen der vergangenen Tage, ist die Grenze unterschritten, ein Notverkauf steht bevor. Doch was wäre das für ein Signal, wenn der Finanzvorstand seine Aktien verkaufen würde? Das Ende der Bank, das wissen sie im dritten Stock. Also stellen sie McAteer einen Kredit aus. Sie, die sie eh kein Geld mehr haben. Und was nun?

Drumm und Fitz-Patrick rufen die Konkurrenz an, die Vorstandschefs der Bank of Ireland und der AIB. Vor allem Sean Fitz-Patrick kostet das Überwindung, schließlich war er es, der aggressiv die Anglo Irish auf Kosten der Wettbewerber hatte wachsen lassen. Drumm und Fitz-Patrick setzen sich schließlich ins Auto und fahren in die nahe Baggot Street, wo die Bank of Ireland ihre Zentrale hat. Sie bettelten um Geld, schlagen eine Fusion vor - vergeblich.

4. Akt: Dublin bewilligt Hilfe

29. September 2008: Am Abend tagt erneut das Kabinett, und ringt sich dazu durch, für die irischen Banken zu bürgen, für Kredite in Höhe von bis zu 440 Milliarden Euro wird der Staat nun gerade stehen. Nach der Kabinettssitzung informiert Finanzminister Brian Lenihan seine französische Amtskollegin Christine Lagarde und EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Anglo Irish ist vorerst gerettet. Die Zentralbank genehmigt noch in der Nacht einen raschen Überbrückungskredit.

Am nächsten Tag, einem Dienstag, informiert die Regierung das irische Parlament. Die Garantie wirkt. Die Geldabflüsse sind vorerst gestoppt. In der Bank ist die Stimmung sogar ein wenig gelöst. In den Telefonmitschnitten wird man später hören wie sich David Drumm und sein Kapitalmarktchef darüber amüsieren, dass wieder Investoren, vor allem aus Deutschland, bei Anglo Irish einsteigen. "Diese Scheißdeutschen", entfährt es Drumm. "Deutschland, Deutschland über alles", intoniert sein Adjudant wenige Tage nach der vorläufigen Rettung.

5. Akt: Die Chefs treten zurück

18. Dezember 2008: Sean Fitz-Patrick nimmt als Chairman seinen Hut. Er hatte sich verspekuliert. In jeder Hinsicht. 2003 hatte er sein Aktienpaket für 27 Millionen Euro verkauft und das Geld in Immobilien investiert: in ein Golfressort in Ungarn, ein Casino in Macau, in Bürogebäude in München. Weil das üppige Renditen versprach, nahm er dafür auch Kredite bei der eigenen Bank auf, insgesamt 122 Millionen Euro. Nach außen erfuhr dies niemand.

Und das ging so: Immer kurz vor Ende des Geschäftsjahres schuldete Fitz-Patrick um, die Konkurrenz von Irish Nationwide übernahm die Verbindlichkeiten für ein paar Tage. Im Geschäftsbericht von Anglo Irish tauchten seine Darlehen deshalb unter "Kredite für das Management" nie auf. Im Herbst 2008 findet sich jedoch keine andere Bank zum Umschulden. Einen Tag nach Fitz-Patrick tritt auch David Drumm zurück, er hatte Kredite in Höhe von acht Millionen bei der Bank. Wenig später muss Anglo Irish teilverstaatlicht werden. Anfang 2009 kommt dann heraus, dass die Bank bei der Bilanz getrickst hat.

Epilog: Abgewickelt

Fitz-Patrick und Drumm haben Privatinsolvenz angemeldet. Sie konnten ihre Kredite nicht zurückzahlen. Die Aktienpakte, mit denen sie die Darlehen abgesichert hatten, waren nichts mehr wert. Und die Bank? Die Einlagen der Kunden hat ein Rivale übernommen, der traurige Rest soll binnen zehn Jahren abgewickelt werden. Insgesamt hat Anglo Irish, die ehemals beste Bank der Welt, den irischen Staat mehr als 30 Milliarden Euro gekostet.

© SZ vom 02.07.2013/sks/rus
Zur SZ-Startseite