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Amazon-Gründer Bezos kauft Washington Post:Schwerreich, geduldig und etwas verrückt

Amazon-Gründer Jeff Bezos

Amazon-Gründer Jeff Bezos

(Foto: REUTERS)

Weltraum-Tourismus, eine Uhr für die nächsten Jahrtausende - und jetzt noch die renommierte "Washington Post": Jeff Bezos gehört zu den reichsten Menschen Amerikas und leistet sich einige Extravaganzen. Zehn Fakten über den Amazon-Gründer.

Von Matthias Huber

Amazon kauft die Washington Post? Nein. Jeff Bezos kauft sie. Der 49-jährige Gründer und Chef des weltgrößten Online-Versandhandels hat die 250 Millionen Dollar Kaufpreis aus seinem üppigen Privatvermögen gestemmt. Es ist nicht das erste Mal, dass Bezos mit ungewöhnlichen Investitionen auffällt. Zehn Fakten über den Amazon-Gründer.

  • Wie der Rollkragenpullover von Steve Jobs: Jeff Bezos ist dafür bekannt, bei seinen öffentlichen Auftritten immer das Gleiche zu tragen - Jeans, ein hellblaues Hemd und darüber ein dunkles Jacket. Angeblich, weil er sich morgens keine Gedanken darüber machen will, was er anziehen soll.
  • Auch die Produkte seiner Frau Mackenzie Bezos finden sich im Sortiment von Amazon: Ihre Romane "The Testing of Luther Albright" und "Traps" sind allerdings bei traditionellen Verlagen in gedruckter Form erschienen - und nicht im Eigenverlag ihres Mannes.
  • Der Amazon-Gründer genießt den Ruf, sich nicht von wirtschaftlichen Zwängen unter Druck setzen zu lassen, sondern geduldig in die Zukunft seines Unternehmens zu investieren. Es dauerte Jahre, ehe Amazon erstmals schwarze Zahlen schrieb. Und selbst 2012 fuhr der Konzern trotz Milliardenumsätzen nur eine Rendite im niedrigen einstelligen Prozentbereich ein. Beobachter hoffen nun, dass Bezos auch für die Washington Post eine ähnliche Strategie verfolgt.
  • Aus dem Tagesgeschäft bei der Washington Post will sich Bezos heraushalten. Das sagt er zumindest selbst. Typisch für ihn wäre diese Zurückhaltung aber nicht. So können sich Amazon-Kunden mit Fragen oder Beschwerden per E-Mail auch direkt an den Firmengründer wenden - und erhalten nicht selten auch eine persönliche Antwort. Laut Aussagen ehemaliger Mitarbeiter soll Bezos auch bisweilen selbst nachforschen, warum ein einzelnes Paket erst mit einem Tag Verzögerung beim Kunden angekommen ist.
  • Der Amazon-Gründer hat seine Finger in einigen großen Namen der Internet-Branche: Bezos hat beispielsweise Millionen in Twitter, AirBnB und Makerbot gesteckt, auch in das Wirtschaftsblog Business Insider hat er bisher etwa fünf Millionen Dollar investiert. Doch nicht nur Start-ups liegen Bezos und seiner Frau am Herzen. Das Ehepaar spendete jeweils zweistellige Millionenbeträge für verschiedene Bildungs- und Forschungsprojekte, zum Beispiel zehn Millionen Dollar für das Museum für Geschichte und Industrie in Seattle, oder 15 Millionen für die Gründung eines neurowissenschaftlichen Forschungszentrums an der Universität von Princeton.
  • Aus politischen Kampagnen hält sich das Ehepaar Bezos dafür weitgehend heraus - mit einer Ausnahme: Vergangenes Jahr spendeten Jeff und Mackenzie 2,5 Millionen Dollar für eine Initiative, die sich dafür einsetzte, im Bundesstaat Washington gleichgeschlechtliche Ehen zu legalisieren.
  • Seine größte Leidenschaft dürfte aber die Raumfahrt sein. Als Fünfjähriger habe Bezos den Start von Apollo 11 begeistert am Fernseher verfolgt. Und deshalb später, als Milliardär, beschlossen, dass diese Rakete nicht einfach auf dem Grund des Atlantiks verrosten soll. Stattdessen will Bezos das Wrack bergen lassen und einem Raumfahrt-Museum zur Verfügung stellen - damit es weitere Fünfjährige inspirieren kann.
  • Raumschiffwracks sind dem Amazon-Gründer aber nicht genug. Mit seiner Firma Blue Origin möchte Bezos in naher Zukunft selbst Raketen ins All schießen und damit die Raumstation ISS versorgen - oder sogar Touristen in den Weltraum schicken. Ein unbemannter Testflug im Jahr 2011 ging allerdings schief. Das Raumschiff musste wegen Triebwerksproblemen in etwa 14.000 Metern Höhe gesprengt werden.
  • Sein kuriosestes Hobby betreibt Bezos in unterirdischen Gängen tief in einem Berg in Texas. Dort lässt er für mindestens 42 Millionen Dollar eine 60 Meter hohe Uhr errichten. Die "10.000 Year Clock" soll einmal im Jahr ticken, ihr Jahrhundert-Zeiger sich nur alle hundert Jahre um eine Position vorwärts bewegen. "Menschen sind mittlerweile technologisch so weit fortgeschritten, dass wir nicht nur außerordentliche Wunder erschaffen können, sondern auch weltumspannende Probleme", beschreibt Bezos seine Motivation hinter dem Projekt. "Wir müssen wahrscheinlich lernen, längerfristig zu denken."
  • Der Kauf der Washington Post, seine Raumfahrtprojekte und die Jahrtausend-Uhr: Leisten kann sich Bezos das. Das Forbes-Magazin führt ihn auf Rang elf der Liste der 400 reichsten Amerikaner - mit einem geschätzten Privatvermögen in Höhe von 23,2 Milliarden Dollar.
© Süddeutsche.de/hgn/bavo
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