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Aldi:Und jetzt China

Chinesin beim Einkaufen: Irgendwann eröffnet Aldi vielleicht auch richtige Läden in der Volksrepublik.

(Foto: AFP)

Der Discounter hat schon so manches Land aufgerollt. In der Volksrepublik soll das jetzt per Online-Handel gelingen.

Von Christoph Giesen und Michael Kläsgen, Peking/München

Man hört das immer wieder, und zwar von diversen Leuten im Einzelhandel, wie stolz sie darauf sind , wie die deutschen Discounter das Ausland aufrollen: die USA, Australien, Großbritannien, andere europäische Länder und jetzt erstmals auch ein sogenanntes Schwellenland. Nicht irgendeines. Sondern China. Ein riesiger Markt. Aldi wird dort noch im März einen "digitalen Flagship-Store" eröffnen.

Die Aldi-Gesellschafterfamilien hatten bereits im Februar 2013 im Grundsatz beschlossen, nach China zu expandieren. Jetzt ist es so weit. Aldi Süd soll es machen und modifiziert im gleichen Zug weltweit sein Firmenlogo. In einem ersten Schritt wollen die Mülheimer nur online verkaufen und keine physischen Läden betreiben. Der Markt in China scheint mehr als reif dafür zu sein.

In den großen Städten der Volksrepublik wimmelt es längst von Supermärkten, die importierte Lebensmittel aus westlichen Industrieländern anbieten. Die Nachfrage danach ist groß, auch wenn der Joghurt, die Kekse oder das Deo zu horrenden Preisen angeboten werden. Ein Liter H-Milch aus Deutschland kostet in Peking umgerechnet zwei Euro. Frischmilch gibt es auch. Aus Korea. Für knapp fünf Euro die Flasche.

Wer es sich leisten kann, zahlt es trotzdem. Denn in China jagt ein Lebensmittelskandal den nächsten. Viele Hersteller panschen, strecken den Inhalt und scheren sich nicht um Grenzwerte. Immer mehr Chinesen aus der neu gewachsenen Mittelschicht treibt deswegen die Frage um, welche Lebensmittel noch sicher sind. Ob man den Honig wirklich essen kann? Ob die Milch belastet ist? Und was genau im Frühstücks-Müsli steckt?

Die Nische, die sich da für Aldi auftut, könnte zum Milliarden-Geschäft werden. Importierte Ware zu vertretbaren Preisen ist genau das, wonach sich die Menschen in China sehnen. "Die Eigenmarken von Aldi genießen seit Jahrzehnten den Ruf, ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten", sagt Christoph Schwaiger, Aldi-Landesgeschäftsführer China. "Wir sind davon überzeugt, dass auch chinesische Kunden ein großes Interesse an der Qualität und den günstigen Preisen haben, die wir ihnen bieten können."

Zunächst will Aldi "Wein, Snack- und Frühstücksprodukte" anbieten. Die Produkte werden allesamt aus Australien geliefert, wo Aldi selbst gerade ein ziemlich modernes Filialnetz ausrollt. Seinen Online-Auftritt stellte Aldi dagegen 2016 nach nur drei Jahren in Down Under wieder ein. In China nur online durchstarten zu wollen, überrascht auch insofern, als Aldi im Ausland bisher immer mit stationären Märkten aufwartete. Nach Australien ist Aldi Süd zudem jetzt nur in Großbritannien mit einem Internet-Shop präsent.

Trotzdem soll der Start in China nun andersherum gelingen. Der Online-Verkauf soll über Tmall erfolgen, eine Webseite von Alibaba, dem großen chinesischen Internet-Handelsplatz. Etliche Marken vertreiben bereits ihre Waren über Tmall. Alibaba stellt die Webpräsenz und regelt die Bezahlung, den Rest übernehmen die Unternehmen selbst. Sie entscheiden, welche Produkte sie wann und wie teuer verkaufen und sie organisieren auch den Versand.

Insider gehen davon aus, dass der Start auf der Online-Plattform nur der erste Teil eines Zwei-Stufen-Plans ist, der auch Filialen beinhaltet. Ein Grund, erst mal nur online zu starten, soll sein, dass es schwierig sei, in China Personal für das Filial-Management zu rekrutieren. Darum buhlen viele andere Konkurrenten, unter anderem auch aus Deutschland. Die Drogeriemarktketten dm und Rossmann sind längst in China ebenso präsent wie der Düsseldorfer Handelskonzern Metro oder die Markenartikler Henkel und Beiersdorf. Für einen reinen Online-Start spricht, dass der Trend in China klar zum E-Commerce geht. Aldi kann sich so in dem großen Land erst einmal bekannt machen und mit weniger Aufwand eine größere Personenanzahl versorgen, als das durch die Eröffnung einzelner Filialen möglich wäre. Zudem ist der Online-Handel in China weit entwickelt. Amazon kündigte erst am Mittwoch an, dort seinen Prime-Lieferdienst zu starten. Auf den Straßen wimmelt es nur so vor Kurieren, die mit ihren Elektrorollern die Einkäufe ausfahren.

Es wäre daher verwunderlich, wenn es auf Dauer nur beim Angebot von "Wein, Snack- und Frühstücksprodukten" bliebe. "Bei deutschen Produkten besteht in China eine sehr hohe Nachfrage", sagt Alibaba-Deutschland-Chef Terry von Bibra. Gefragt seien vor allem Produkte wie Kosmetika, Babynahrung, Beauty- und Pflegemittel, Gesundheitsprodukte und die erwähnte H-Milch. Möglich, dass bald in China ein Preiskampf deutscher Prägung entbrennt.

© SZ vom 03.03.2017

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