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Airbus:Des einen Krise, des anderen Boom

In diesem Jahr könnte Airbus den US-Konkurrenten Boeing als größter Flugzeughersteller der Welt ablösen. Die Geschäfte der Europäer laufen gut, doch der neue Chef hat auch einige Probleme zu lösen.

Während der amerikanische Konkurrent Boeing infolge der Abstürze zweier 737-Maschinen mit einer der schlimmsten Krisen seiner Unternehmensgeschichte kämpft, läuft es für den europäischen Flugzeughersteller Airbus erstaunlich gut: Die Umsätze zogen im ersten Halbjahr 2019 um fast ein Viertel auf rund 31 Milliarden Euro an. Zugleich legte der Gewinn aus der normalen Geschäftstätigkeit, bereinigt um Sondereffekte, um 72 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro zu - mehr als von Fachleuten erwartet. Das gelang auch dank der höheren Schlagzahl in der Produktion: 389 Maschinen wurden von Januar bis Juni an Kunden ausgeliefert, 86 mehr als ein Jahr zuvor. Damit ist Airbus bislang auf gutem Weg, Boeing in diesem Jahr als weltweit größter Flugzeughersteller abzulösen. Fast 300 der ausgelieferten Maschinen waren Flugzeuge der A320-Familie gefolgt von denen des Langstrecken-Flieger A350 (53 Jets). Und auch wenn die Zahl der Neubestellungen deutlich abnahm, hat Airbus noch immer Aufträge für knapp 7300 Maschinen in den Büchern. Doch wie geht es weiter? Airbus-Chef Guillaume Faury äußerte leise Zweifel an dem Plan, in diesem Jahr insgesamt 880 bis 890 Verkehrsflugzeuge auszuliefern.

Er nannte das zweite Halbjahr eine "Herausforderung". Ein Grund für die Skepsis ist das Hamburger Werk, das Probleme mit der Produktion der neuen Kabinen vor allem für die Langstreckenversion des A321 neo hat. Die Probleme wiegen umso schwerer, als auf der Luftfahrtschau in Paris gerade diese Modelle sich prächtig verkauften. "Wir brauchen mehr A321", sagte Faury. Zuletzt holte Airbus wohl bereits Mitarbeiter aus dem Ausland nach Hamburg, möglicherweise wird das Unternehmen künftig auch auf Kapazitäten zurückgreifen, die durch die Einstellung des A380-Programms frei werden. In Hamburg findet die Endmontage des Großraumflugzeugs statt.

Der Riesenjet kostet derweil Airbus immer noch viel Geld: Allein im ersten Halbjahr legte das Unternehmen 136 Millionen Euro für Kosten im A380-Programm zurück. Gerade erst hat Air France-KLM angekündigt, das Großflugzeug schon ab 2022 und damit überraschend früh auszumustern. Einem Bericht der französischen Zeitung La Tribune zufolge könnten die Maschinen durch die deutlich kleineren Boeing 787 oder Airbus A330 neo ersetzt werden. Auch die Lufthansa verkleinert den Bestand ihrer A380. Für Airbus ist das schmerzlich, weil nun womöglich auch Air France das Modell wählen könnte, für das sich schon die deutsche Konkurrenz entschieden hat: Die A380 werden für neu georderte Maschinen in Zahlung gegeben.

Daneben sorgt sich Airbus auch um die Weltpolitik. Der Streit zwischen den USA und der EU könnte den Konzern empfindlich treffen, vor allem, wenn die USA wie angedroht Zölle auf Flugzeuge und Hubschrauber erhöben, heißt es im Bericht des Unternehmens. Aber auch den drohenden harten Brexit sieht Faury mit Sorge. Europa sei darauf nicht genügend vorbereitet. Airbus, das unter anderem die Tragflächen von Flugzeugen in Großbritannien baut, habe sicherheitshalber Lagerbestände für einen Monat aufgebaut. "Die Kosten des Brexit sind von geringerer Bedeutung, aber das Management ist sehr abgelenkt davon", sagte er.

© SZ vom 01.08.2019
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