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Airbus:Der Verkaufsschlager macht Ärger

FILE PHOTO:   An Airbus A320neo aircraft and a Bombardier CSeries aircraft are pictured during a news conference to announce a partnership between Airbus and Bombardier on the C Series aircraft programme, in Colomiers

Der A320neo kommt eigentlich gut an bei den Kunden. Doch die anhaltenden Triebswerkprobleme könnten weitere Auslieferungen gefährden.

(Foto: Regis Duvignau/Reuters)

Airbus-Flugzeuge vom beliebten Typ "A320neo" müssen teilweise am Boden bleiben. Neue Auslieferungen sind gefährdet, wenn die Probleme nicht behoben werden. Schuld sind die Triebwerke - schon wieder.

Als Airbus vor sieben Jahren beschloss, seinen Verkaufsschlager für Kurz- und Mittelstrecken mit neuen Triebwerken ausstatten zu lassen, hatten die Manager eine klare Vorstellung, woher die Aggregate kommen sollen. Der langjährige Verkaufschef John Leahy wollte unbedingt, dass neben CFM International, einem Zusammenschluss von General Electric und dem französischen Unternehmen Safran, auch der britische Hersteller Rolls-Royce neue Flugmotoren für die A320-Familie baut.

Aus Leahys Plänen wurde allerdings nichts, Rolls-Royce verzichtete zugunsten anderer Projekte. Die Triebwerke ließ Airbus deshalb beim dritten großen Hersteller Pratt & Whitney bauen. Ein Wagnis, das, wie sich heute zeigt, allen Beteiligten viel Nerven und noch viel mehr Geld kostet - und dessen Ende nicht absehbar ist.

Am vergangenen Freitag hat die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA in einer sogenannten "Notfall-Lufttüchtigkeitsdirektive" strenge Auflagen für den Betrieb von A320neo-Flugzeugen mit Pratt-Triebwerken angeordnet. Sie gelten für Motoren ab einer bestimmten Seriennummer (Maschinen der Lufthansa haben das Problem nicht). Flugzeuge, bei denen beide Triebwerke betroffen sind, dürfen nur noch drei Flüge durchführen und müssen anschließend abgestellt werden. Wenn nur ein Triebwerk in die betroffene Serie fällt, sind zumindest lange Flüge ohne nahe Ausweichplätze untersagt.

Laut Airbus sind bisher 33 Flugzeuge betroffen. Und die Probleme könnten noch weitere Konsequenzen haben: Bis auf Weiteres werden keine Pratt-Motoren mehr abgenommen. Damit kann Airbus vorerst auch keine A320neo mit den entsprechenden Triebwerken ausliefern.

Mit ihrer Anordnung reagiert die EASA auf eine auffällige Häufung von Pannen in den vergangenen zwei Wochen. Viermal mussten Piloten von A320neo-Jets während des Fluges ein Triebwerk abstellen oder den Start abbrechen. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher liegen, womöglich sind noch nicht alle Fälle gemeldet. Im schlimmsten Fall könnten im Flug beide Triebwerke kaputtgehen, warnt die EASA.

Pratt & Whitney hatte an den Motoren eine Modifikation am sogenannten Hochdruckverdichter vorgenommen, die nun offenbar als Ursache für die Probleme identifiziert worden ist. Die Modifikation war auch bei den zuletzt noch ausgelieferten Motoren der Standard. Daher kann weder Pratt noch Airbus sagen, bis wann das Problem behoben ist. Hinziehen kann sich so etwas jedenfalls: Je nach Ausmaß der nötigen Veränderungen dauert es Wochen oder Monate, bis die Triebwerksingenieure eine technische Veränderung entwickelt haben. Diese muss danach auf Zuverlässigkeit getestet werden, Behörden wie EASA und die amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) müssen sie anschließend genehmigen. Wenn sie sich nicht doch als schnell lösbar erweisen, könnten die Problem also gravierende Folgen für die A320neo-Auslieferungen in diesem Jahr haben, und damit für Umsatz und Gewinn von Airbus. Am Donnerstag legt der Konzern seine Bilanz für 2017 vor und muss dabei auch über den aktuellen Stand bei der A320neo informieren.

Im vergangenen Jahr standen bis zu 60 Maschinen herum und warteten auf Motoren

Die Einführung neuer Triebwerke hatte Airbus im Jahr 2010 unter wachsendem Druck der Kunden beschlossen. Die Pratt-Motoren verbrauchen bis zu 20 Prozent weniger Kerosin. Ihre Markteinführung war allerdings von immer neuen technischen Problemen geprägt. Zunächst weigerte sich Qatar Airways, die mit Pratt-Triebwerken ausgerüsteten Jets abzunehmen, weil die Triebwerke minutenlang gekühlt werden mussten, bevor sie gestartet werden konnten. Dieses Problem ist mittlerweile mehr oder weniger gelöst.

Später gab es Schwierigkeiten mit Dichtungen und anderen Komponenten. Die Fluggesellschaften mussten ständig Triebwerke tauschen, gleichzeitig kam Pratt mit der Produktion nicht nach. Bei Airbus standen Mitte 2017 bis zu 60 A320neo vor den Werken in Hamburg und Toulouse und warteten auf Motoren.

© SZ vom 13.02.2018

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