Airbnb:Ein Zimmer in Rio

Der Online-Mitwohnanbieter wird Partner von Olympia. Knapp 500 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro sind die Amerikaner mit ihrem umstrittenen Geschäftsmodell Sponsor der Veranstaltung.

Von Caspar Busse

Die Online-Mitwohnzentrale Airbnb hat so einiges im Angebot. Neuerdings werden auf der Internetseite auch drei Zimmer in der Stadt Omaha im US-Bundesstaat Nebraska offeriert - im Haus, in dem der legendäre Investor Warren Buffett aufgewachsen ist. Er wohnt zwar schon lange nicht mehr da, für Buffett-Anhänger, die jedes Jahr zum Aktionärstreffen der Buffett-Firma Berkshire Hathaway pilgern, ist das attraktiv. Interessenten müssen vorab Fragen beantworten, um sich für das Angebot überhaupt zu qualifizieren.

Einige Fragen wirft auch das jüngste Engagement von Airbnb auf. Knapp 500 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro sind die Amerikaner mit ihrem umstrittenen Geschäftsmodell Sponsor der Veranstaltung. Der Titel lautet: offizieller alternativer Anbieter von Unterkünften. "Wir sind sehr stolz", sagte Airbnb-Mitgründer Joe Gebbia in Rio bei der Verkündung des Deals. Etwa 20 000 erschwingliche Unterkünfte, also Zimmer, Apartments oder ganze Häuser, könnten in der Stadt angeboten werden, einige seien ganz in der Nähe der Spielstätten.

Airbnb steht eigentlich für "Air-Bed and Breakfast", also für Luftmatratze und Frühstück. Die Onlineplattform aus dem Silicon Valley startete 2008 und soll Anbieter von privaten Unterkünften und Reisende zusammenbringen. Die Idee hat weltweit Erfolg, stößt aber, ähnlich wie die Taxi-Alternative Uber, auch auf Ablehnung. Eine Reihe von juristischen Fragen sind in verschiedenen Staaten ungeklärt. Es gibt Auseinandersetzungen mit Stadtverwaltungen (etwa in New York), mit Steuerbehörden und Streit um regionale Wohnungsgesetze, die eine Untervermietung zu kommerziellen Zwecken nicht immer erlauben.

Die Reputation hat jedenfalls arg gelitten. Nun soll die Zusammenarbeit den Veranstaltern der Olympischen Spiele das Image offenbar wieder polieren. Die Partnerschaft sei ein Beispiel, wie Airbnb Städten helfen könne, den Tourismus weiter nach vorne zu bringen, teilte das Unternehmen stolz mit. Airbnb hatte einst als hoffnungsvolles Startup begonnen - auch mit dem Anspruch, die Welt durch die Idee des Teilens besser zu machen. Inzwischen ist daraus ein Unternehmen geworden, das zu einer Gefahr für die etablierte Hotelindustrie geworden ist. Inzwischen werden rund eine Million Unterkünfte in 34 000 Städten und 190 Ländern vermarktet, die Firma ist viele Milliarden wert. Seit der Gründung haben rund 30 Millionen Menschen Übernachtungen gebucht.

Airbnb zahlt für die Kooperation in Rio eine nicht genannte Summe an die Veranstalter. Auf der offiziellen Olympia-Seite soll es einen Hinweis auf die Angebote geben. Die Infrastruktur von guten und mittleren Hotels in Rio de Janeiro galt zuletzt nicht als die Beste. Bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien haben im vergangenen Jahr viele Zuschauer Angebote von Airbnb genutzt, heißt es, Das Unternehmen spricht von 100 000 internationalen Gästen.

Wie beim Fußball-Weltverband Fifa existiert auch beim Olympischen Komitee ein sorgsam austariertes System verschiedenen Sponsoren. Dazu zählen weltweite Olympia-Partner wie Samsung, Mc Donald's, Omega, Coca-Cola oder Visa, die für das exklusive Engagement rund um Olympia sehr viel Geld zahlen müssen. Daneben gibt es für die Spiele in Rio Sponsoren wie Embratel oder Nissan und Unterstützer wie Ernst & Young oder Cisco.

© SZ vom 31.03.2015
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