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Adidas:Ganz nah am Puls

Hinein in die Schuhe und los geht's, das allein genügt nicht mehr. Viele wollen auch wissen, wie viele Kalorien sie gerade verbrauchen.

(Foto: Marcio Jose Sanchez/AP)
  • Für 220 Millionen Euro kauft Adidas die österreichische Runtastic GmbH, einen Anbieter von Apps für die Datenanalyse von Sportlern.
  • Das Medienhaus Springer hielt bislang 50,1 Prozent der Runtastic-Anteile und kassiert nun das Zehnfache dessen, was es im Oktober 2013 beim Einstieg in das Unternehmen bezahlt hat.

Philosophen sagen, ein gutes Geschäft sei nur dann ein gutes Geschäft, wenn alle Beteiligten damit zufrieden, im Idealfall sogar glücklich sind. So gesehen scheint es ein gutes Geschäft zu sein, das Adidas am Mittwochabend nach Börsenschluss bekannt gab: Für 220 Millionen Euro kauft der fränkische Sportartikelhersteller die österreichische Runtastic GmbH, einen Anbieter von Apps für die Datenanalyse von Sportlern. Am Donnerstag feierte Konzernchef Herbert Hainer den Deal regelrecht und auch bei der Axel Springer SE reibt man sich die Hände.

Das Medienhaus hielt bislang 50,1 Prozent der Runtastic-Anteile und kassiert nun das Zehnfache dessen, was es im Oktober 2013 beim Einstieg in das Unternehmen bezahlt hat. Zufrieden dürften auch die Dritten im Bunde sein: die Runtastic-Gründer, denen noch 49,9 Prozent der Firma gehörten. Sie machen ebenfalls ordentlich Kasse. Außerdem landet ihr Unternehmen in einem starken Verbund mit entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten.

Während von ihnen und aus der Springer-Zentrale am Donnerstag kein öffentliches Jubelgeschrei wahrnehmbar war, freute sich Adidas-Vorstandschef Hainer umso lauter. Er sprach von einer "extrem guten Kombination", wo Adidas doch besonders viel über Sportler als solche und deren Bedürfnisse im Besonderen wisse, und Runtastic wiederum darin erprobt sei, Sportlern Daten für ihr Training oder über ihre gesundheitliche Verfassung zu liefern. Vor allem aber nutzen bislang 70 Millionen Menschen die Runtastic-Apps und zu diesen potenziellen Kunden verschaffe sich Adidas nun direkten Zugang, freute sich Herbert Hainer.

Wohlwissend, dass der Wettkampf der Sportartikelmarken längst nicht mehr nur in Turnhallen, auf Fußballplätzen, Laufstrecken oder in Arenen ausgetragen wird, sondern immer stärker in der digitalen Welt. Nike, Adidas, Puma, Under Armour und wie sie alle heißen, baggern die jugendliche Zielgruppe immer heftiger im Internet an, bevorzugt in sozialen Netzwerken. Und dann gibt es immer mehr Sportler, die nicht einfach in Schuhe und Shirt schlüpfen und losrennen oder loskicken, sondern die wissen wollen, wie sie ihre Energie beim Training am besten einteilen, wie ihre Herzfrequenz sich dabei entwickelt, wie viele Kalorien sie verbrauchen oder wie gut, respektive schlecht, sie gegen den Ball treten oder schlagen. Darüber möchten sie mit Gleichgesinnten kommunizieren oder sich sogar mit ihnen messen. All das ermöglichen Apps wie jene von Runtastic.

Der Kauf kommt spät, wenn auch noch nicht zu spät. Branchenführer Nike gilt auch in Sachen Fitness-Apps als führend. Die US-Sportartikelmarke Under Armour hat den kleineren Runtastic-Konkurrenten My Fitness Pal geschluckt, für knapp eine halbe Milliarde US-Dollar. Es war an der Zeit, dass auch Adidas aktiv wurde.

Die Golfsparte wird für Adidas zunehmend zum Handicap

Konzernchef Hainer kommt die Übernahme von Runtastic ohnehin gerade recht. Im März 2017 will der 61-Jährige nach dann 16 Jahren als Vorstandschef in den Ruhestand wechseln. Vorher muss er noch den Nachweis erbringen, dass Adidas nach einem Jahr voller Rückschläge 2014 tatsächlich "Creating The New" beherrscht, wie der im März verkündete Fünfjahresplan verspricht. Der Konzern soll demnach bis 2020 nicht nur kräftig wachsen und profitabler werden, sondern auch schneller und effektiver arbeiten. Erste Fortschritte sind erkennbar.

Die Geschäfte der Hauptmarke Adidas wachsen stetig; der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um währungsbereinigt acht Prozent. Auch Reebok, 2006 für 2,3 Milliarden Euro teuer gekauft, scheint nach Jahren voller Rückschläge nun endlich auf dem Rückweg nach oben; mit einem Zuwachs um währungsbereinigte sechs Prozent legte die US-Tochter im achten Quartal in Folge merklich zu.

Doch die Erfolge werden getrübt durch massive Einbrüche bei der Golfsparte. Bei der US-Tochter Taylor-Made brachen die Umsätze zwischen April und Juni währungsbereinigt um dramatische 26 Prozent ein. Vor allem Metallhölzer und Eisenschläger verkauften sich miserabel. Das fällt insofern auch auf Herbert Hainer zurück, da er für 2015 einen Aufschwung, zumindest aber die Konsolidierung der Taylor-Made-Geschäfte versprochen hatte.

Tatsächlich taumelt das im kalifornischen Carlsbad angesiedelte Unternehmen schon länger. Nach ersten drastischen Einschnitten und spürbarem Arbeitsplatzabbau im vergangenen Jahr steht Taylor-Made nun vor einer weiteren Rosskur. Anzeichen dafür, dass sich der Golfmarkt bald erholen dürfte, gibt es nicht.

Das Management bei der Konzernmutter Adidas sucht daher nach Auswegen aus der Krise. Es hat die New Yorker Investmentbank Guggenheim beauftragt, "künftige Optionen für das Golfgeschäft des Unternehmens zu analysieren", wie es offiziell heißt. So soll wohl in erster Linie ein Verkauf der Taylor-Made-Schwestermarken Adams und Ashworth geprüft werden. Ob auch Taylor-Made selbst zur Disposition steht, darauf mochte sich Konzernchef Hainer auf Nachfrage nicht festlegen. Erst im Laufe des Jahres will er Details des Sanierungsprogrammes für Taylor-Made bekannt geben.