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Ackermann verzichtet auf Aufsichtsratsvorsitz:Es macht ihm überhaupt nichts aus

Verzichtet Josef Ackermann, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen möglicher Falschaussage ermittelt? Seit der Deutsche-Bank-Chef überraschend vom umstrittenen Wechsel in den Aufsichtsrat absieht, gibt es Spekulationen. Doch der 63-Jährige deutet intern öfter an, dass er es gerne ruhiger angehen würde.

Paukenschlag in Frankfurt: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verkündete am Montagabend überraschend, dass er für das Amt des Aufsichtsratschefs im nächsten Jahr nicht mehr zur Verfügung steht. Er begründete dies damit, dass "die extrem herausfordernden Verhältnisse auf den internationalen Finanzmärkten meine volle Aufmerksamkeit verlangen". Sie ließen keinen Raum für die "dazu erforderlichen vielen Einzelgespräche mit Aktionären". Aufsichtsratschef der Deutschen Bank soll nun im Mai nächsten Jahres Paul Achleitner werden, der Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz.

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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Mit den Ermittlungen gegen ihn hat die Entscheidung angeblich nichts zu tun.

(Foto: dapd)

In Frankfurt gab es sofort Spekulationen, Ackermanns Rückzug könnte damit zu tun haben, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen möglicher Falschaussage ermittelt. Nur wenige Stunden davor war bekannt geworden, dass deswegen in der vergangenen Woche auch seine Büroräume durchsucht wurden. In Finanzkreisen hieß es jedoch, dass es keinen unmittelbaren Zusammenhang gebe. Ackermanns Entschluss habe schon vorher festgestanden. Auch hätte man Achleitner nicht innerhalb weniger Tage als Nachfolge-Kandidat bekommen können. Die Ermittlungen dürften Ackermann aber darin bestärkt haben, dass der Rückzug von der Deutschen Bank der richtige Schritt ist.

Die Deutsche Bank hatte den direkten Wechsel Ackermanns vom Vorstands- auf den Aufsichtsratsvorsitz Ende Juli nach drei chaotischen Wochen verkündet. Der Schritt war von Anfang an stark kritisiert worden, weil er gegen die Prinzipien der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) verstößt. Danach soll ein Vorstandsmitglied erst nach einer "Abkühlungszeit" von zwei Jahren in den Aufsichtsrat eintreten. Der Grundgedanke dahinter: Ein neuer Vorstand hätte keine Chance für einen wahren Neuanfang, wenn sein Vorgänger ihn gleich anschließend kontrolliere.

Kodex ist nur eine Empfehlung

Der Corporate-Governance-Kodex ist aber für Unternehmen nicht gesetzlich bindend, sondern nur eine Empfehlung. Das deutsche Aktiengesetz erlaubt eine Ausnahme für einen direkten Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat: dann, wenn der Vorstand 25 Prozent der Anteilseigner findet, die sein Vorhaben unterstützen. Sie können einen Antrag stellen, dass die Hauptversammlung dies mit Mehrheit beschließt. Das hätte nach dem bisherigen Plan auf dem nächsten Aktionärstreffen im Mai 2012 sein sollen.

Um die 25 Prozent der Aktionäre hinter sich zu bekommen, hätte Ackermann in den nächsten Wochen bei den Anteilseignern für sich werben müssen. Das ist zwar kein leichtes Unterfangen, weil die Aktionärsstruktur bei der Deutschen Bank zersplittert ist. Ackermann hätte also viele Einzelaktionäre auf seine Seite ziehen müssen. Dennoch wirkt die Begründung vorgeschoben: Wenn er es darauf angelegt hätte, hätte er die 25 Prozent ohne großen Zeitaufwand organisieren können. Es gab gerade auf der Kapitalseite viele, die den Rollenwechsel befürworteten. Sie argumentierten, dass es schade wäre, wenn ein Mann mit einem solchen Wissen und so guten weltweiten Beziehungen der Deutschen Bank künftig nicht mehr zur Verfügung stünde.