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VW-Abgasskandal:Drei Millionen Euro fürs Schweigen

Volkswagen AG Automobiles Stockpiled Ahead Of Emissions Testing

VW-Tarifangestellte haben derzeit nichts zu befürchten, falls sie in den Dieselskandal verstrickt gewesen sein sollten. Dennoch ist die Unruhe in der Belegschaft groß.

(Foto: Bloomberg)
  • Volkswagen zieht zunehmend Konsequenzen aus dem Abgas-Skandal. "Wir handeln ohne Rücksicht auf Hierarchien", sagt der Personalvorstand.
  • Arbeitsrechtliche Konsequenzen gibt es bislang kaum. Jedoch sollen Dutzende Anstellungsverhältnisse überprüft werden, es drohen Kündigungen.
  • Der Fall eines bereits entlassenen Audi-Motorenentwicklers zeigt: Das harte Vorgehen ist nicht ohne Risiko.

Es ist eine ungewöhnliche Meldung im Volkswagen-Intranet. Wo sonst über neue Wagen informiert wird, lesen die Mitarbeiter seit Mittwoch: "Volkswagen zieht personelle Konsequenz aus der Dieselkrise". Gegen mehrere "Volkswagen-Manager" habe man wegen schwerer Verfehlungen arbeitsrechtliche Maßnahmen eingeleitet, heißt es in der Nachricht, die nur Mitarbeitern zugänglich ist und bestätigt, was schon kursierte. Betroffen seien Mitarbeiter, die in den Dieselskandal in den USA verstrickt sind.

"Wir haben immer gesagt, dass wir die Aufklärung konsequent vorantreiben", lässt sich Hiltrud Werner, Vorstand für Integrität und Recht, zitieren. Das klingt nach klarem Ablauf. Und doch ist das Auftreten nun eine Änderung in der Strategie.

Zwar wurde seit dem Auffliegen des Dieselskandals eine zweistellige Zahl an Mitarbeitern der Marken Audi, VW und Porsche beurlaubt. Aber gegen die wenigsten wurden bislang arbeitsrechtliche Konsequenzen ergriffen, von einigen Ausnahmen abgesehen, wie dem in den USA wegen Dieselbetrugs verurteilten VW-Manager Oliver S. Jetzt allerdings sollen dem Vernehmen nach mehrere Dutzend weitere Anstellungsverhältnisse überprüft werden, bis hin zur Kündigung. Der frühere VW-Vorstandschef Martin Winterkorn ist übrigens nicht darunter. Über sein Schicksal will das Unternehmen erst entscheiden, nachdem alle Strafverfahren beendet sind.

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Weil der Kreis der Betroffenen ansonsten jedoch nicht ganz klar ist, ist die Unruhe in der Belegschaft groß. Und so erklärt Personalvorstand Gunnar Kilian im Intranet einerseits: "Wir handeln ohne Rücksicht auf Hierarchien." Zugleich beteuert er, dass "die derzeitigen Maßnahmen" ausschließlich Manager beträfen. Tarifmitarbeiter, die im Rahmen eines unternehmensinternen Amnestieprogrammes zur Aufklärung beigetragen hätten, würden nicht gekündigt.

Wie sehr der Konzern die Strategie im Umgang mit verstrickten Managern nun zu ändern scheint, zeigt der Fall Ulrich Weiß, ehedem Chef der Dieselmotorenentwicklung bei Audi. Die Volkswagen-Tochter aus Ingolstadt hatte Weiß fristlos gekündigt, unter anderem mit den Vorwürfen, er habe bei der Aufklärung der Dieselmanipulationen unwahre Angaben gemacht und Unterlagen vernichtet. Weiß wehrte sich dagegen vor dem Arbeitsgericht Heilbronn - und verlangte sechs Millionen Euro Abfindung. Das müsse, hatte Audi wiederum bei Gericht vorgetragen, als "zwielichtiges Angebot für ein Schweigegeld" verstanden werden.

Und doch gibt es jetzt eine Menge Geld für Weiß. Der Diesel-Experte bekommt nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR von seinem ehemaligen Arbeitgeber nach und nach mehr als drei Millionen Euro. Darauf haben sich Audi und Weiß bereits im vergangenen Jahr verständigt, dies aber geheim gehalten.