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Abgasaffäre:Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen gegen Winterkorn aus

Automanager vor Abgas-Untersuchungsausschuss

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn.

(Foto: dpa)
  • Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat im VW-Abgasskandal ihre Ermittlungen deutlich ausgeweitet.
  • Jetzt steht auch der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn unter Verdacht, an diesem Betrug mitgewirkt zu haben.
  • Es gebe "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" dafür, dass Winterkorn früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von Software-Manipulationen hatte.

Von Max Hägler und Klaus Ott

In der VW-Abgasaffäre hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig bei einer Razzia zahlreiche Wohnungen und Büros durchsucht und ihre Ermittlungen wegen Manipulation von Schadstoff-Messungen deutlich ausgeweitet. Jetzt steht auch der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn unter Verdacht, an diesem Betrug mitgewirkt zu haben. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass Winterkorn früher als von ihm öffentlich behauptet von der Manipulations-Software gewusst haben könnte, erklärten die Ermittler. Das habe sich aus Vernehmungen von Zeugen und durch die Auswertung beschlagnahmter Dateien ergeben.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt inzwischen 37 Personen des Betruges von Autokäufern. Bei den meisten von ihnen dürfte es sich um heutige oder ehemalige Mitarbeiter und Manager von VW handeln. Der Autokonzern hatte über Jahre hinweg weltweit die Schadstoffwerte von mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen manipuliert, um die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide bei den offiziellen Messungen im Labor einzuhalten. Auf der Straße hingegen wurden weit mehr Schadstoffe in die Luft geblasen, als gesetzlich erlaubt.

Winterkorn beteuert seine Unschuld

Um zu klären, wer für den Betrug verantwortlich ist oder zumindest davon gewusst hat, durchsuchte die Staatsanwaltschaft Braunschweig diese Woche 28 Büros und Wohnungen. Ein Ende der Ermittlungen ist derzeit noch nicht absehbar.

Gegen Winterkorn hatte die Braunschweiger Staatsanwaltschaft bereits Mitte 2016 ein erstes Verfahren eingeleitet. Hintergrund war ein Anfangsverdacht auf Marktmanipulation bei Volkswagen-Aktien. Der Konzern habe die Anleger möglicherweise zu spät über drohende finanzielle Folgen der Abgas-Manipulationen Diesel-Pkw informiert.

Winterkorn hatte vor einer Woche bei einer Zeugenaussage im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestages seine Unschuld beteuert. Der ehemalige VW-Chef bleibt bei seiner Darstellung, bis zum Bekanntwerden des Diesel-Skandals im September 2015 von illegalen Abgas-Manipulationen nichts gewusst zu haben. Er habe die Einleitung eines weiteren Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen ihn "zur Kenntnis genommen", erklärten seine Anwälte am Freitag. Er werde sich bei den Ermittlungsbehörden äußern, sobald er die ihn "angeblich belastenden Umstände", also die betreffenden Aussagen und Dokumente, genauer kenne.

© SZ.de/jps
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