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Ab-in-den-Urlaub.de und Fluege.de:Zukunft vieler Reiseportale plötzlich ungewiss

Am John Ford's Point im Monument Valley posieren Navajo-Reiter für Touristen, das sieht gut aus auf den Urlaubsfotos. Aber wie dort hinkommen? Viele Menschen buchen ihre Reisen im Internet.

(Foto: Mladen Antonov/AFP)

Eine Zerschlagung des Reiseanbieters Unister wird wahrscheinlicher. Beim Verkauf der Einzelteile könnte der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 ins Spiel kommen.

Von Heinz-Roger Dohms, Hamburg

Noch kurz vor Schluss gab es einen letzten Rettungsversuch, doch aus ihm sprach bereits die Verzweiflung. Einer der drei verbliebenen Gründer des Online-Reisevermittlers Unister - besser bekannt unter dem Namen seiner Plattformen wie Ab-in-den-Urlaub.de oder Fluege.de - glaubte, einen Investor aufgetrieben zu haben. Doch die anderen Partner wollten davon nichts mehr wissen. Nach dem Unfalltod von zwei Gründungspartnern, darunter Firmenchef Thomas Wagner, Ende vergangener Woche, war die Bereitschaft, einen neuen Sanierungsversuch zu wagen, nicht mehr groß. Zu hoch war auch die Schuldenlast. So zogen die Partner die Reißleine - und stellten für den größten deutschen Online-Vermittler von Pauschalreisen und Flügen Insolvenzantrag.

Kann das Unternehmen nun noch gerettet werden? Seit sich das deutsche Insolvenzrecht vor ein paar Jahren dem amerikanischen angenähert hat, werden Unternehmenspleiten nicht mehr als sofortiges Ende gesehen, sondern bieten die Chance für einen Neuanfang. Ein Beispiel ist der Windkraftbauer Prokon. Da verzichteten Tausende von Kleingläubigern nach der Insolvenz auf einen Teil ihrer Ansprüche, schlossen sich zu einer Genossenschaft zusammen und führen das Unternehmen gemeinsam fort. Fast so, als wäre nie etwas gewesen.

Theoretisch ist ein ähnliches Szenario nun auch im Fall Unister denkbar. So beschwor der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther in einer ersten Stellungnahme die "Einheit des Unternehmens". Es gelte, Unister langfristig wieder stabil zu machen. Dass es so kommt, ist eher unwahrscheinlich.

Die Probleme von Unister reichen tief

Auch Flöther scheint inzwischen zu ahnen, dass er einen besonders schwierigen Fall übernommen hat. Während es zunächst geheißen hatte, die operativen Töchter seien von der Pleite nicht unmittelbar betroffen, meldete Flöther am Dienstagabend auch für das erste Tochterunternehmen Insolvenz an: Die Urlaubstours GmbH ist in Schieflage geraten.

Die Probleme von Unister reichen tief. Unter dem Dach der insolventen Holding verbirgt sich ein Geflecht von sehr unterschiedlichen Tochtergesellschaften, die Internetportale betreiben, denen aber vor allem eines gemein sein dürfte: Sie arbeiten mutmaßlich defizitär. Hinzu kommt: Die technische Ausrüstung gilt als überholt. Und die Belegschaft - auch wenn sie bereits von fast 2000 auf gut 1100 Mitarbeiter geschrumpft ist - noch immer als vergleichsweise überdimensioniert.

Die Suche nach werthaltigen Unternehmensteilen wird dadurch erschwert, dass Unister sich in den vergangenen Monaten bereits von einigen wertvollen Teilen getrennt hatte. Um frische Liquidität zu generieren, wurde die Finanzsparte names Geld.de ebenso veräußert wie ein großes Grundstück in Leipzig, auf dem ursprünglich eine schicke neue Firmenzentrale entstehen sollte - eines der vielen Unister-Projekte, die mit viel Tamtam angestoßen, aber nie umgesetzt wurden.

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