Unister-Holding Ab in die Insolvenz statt "Ab in den Urlaub"

Der Online-Reisevermittler Unister hat Insolvenz angemeldet, die einzelnen Portale sollen davon jedoch nicht direkt betroffen sein.

(Foto: dpa)
  • Wenige Tage nach dem Tod des Firmengründers stellt Unister einen Insolvenzantrag. Das Unternehmen betreibt Reiseportale wie Ab-in-den-Urlaub.de oder Fluege.de.
  • Es gehe der Firma nun darum, ihre Handlungsfähigkeit zu sichern, heißt es. Eine öffentliche Begründung für den Insolvenzantrag gibt es nicht.
Von Heinz-Roger Dohms, Hamburg

Die umstrittene Leipziger Online-Firmengruppe Unister hat Insolvenz beantragt - wenige Tage nach dem Tod ihres Chefs Thomas Wagner. Das solle die Handlungsfähigkeit des Unternehmens sichern, teilt die Firma mit. Unister betreibt vor allem Reiseportale wie Ab-in-den-Urlaub.de oder Fluege.de. Eine öffentliche Begründung für den Insolvenzantrag gibt es nicht. "Die operativen Gesellschaften der Firmengruppe sind nicht von der Insolvenz betroffen", versichert der Anwalt Lucas Flöther, der als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden ist.

Seit Monaten gibt es Fragen zur finanziellen Verfassung des Konzerns. Die vielen Verdachtsmomente, die schon auf eine Schieflage hindeuteten, hatte ein Sprecher noch im April vehement zurückgewiesen. Das "operative Ergebnis" sei "sehr deutlich im Plus und wesentlich besser als in den Vorjahren", hieß es. "Etwaige Verbindlichkeiten werden noch in diesem Jahr vollständig getilgt." Es kam anders.

Der tragische Unfalltod des Chefs war vermutlich nur der Auslöser der Insolvenz. Denn die Probleme reichen weit tiefer. Auf einen zumindest hohen zweistelligen Millionbetrag sollen sich die Verbindlichkeiten der Unister Holding belaufen, sagen Insider. Allenfalls eine harte Restrukturierung kann dem Unternehmen noch weiterhelfen. Das mussten letztlich auch die drei verbliebenen Gründer und Gesellschafter anerkennen, von denen zuletzt nur noch einer in der Führungsetage tätig war. Am Sonntag hatten sie sich getroffen. Am Montag folgte der Insolvenzantrag. Der Flugzeugabsturz am vorigen Donnerstag, bei dem neben Firmenchef Wagner noch ein weiterer der ursprünglich fünf Gründer ums Leben kam, bedeute "auch gesellschaftsrechtlich und wirtschaftlich einen Einschnitt für das Unternehmen", sagt Flöther. Das vorläufige Insolvenzverfahren ermögliche es Unister, "in dieser schwierigen Phase voll handlungsfähig zu bleiben und langfristig ihre Einheit als Unternehmen zu sichern".

Für die Kunden ändert sich erst einmal nichts

Unister mit 1100 Beschäftigten könne den operativen Betrieb erst einmal fortsetzen. Das Unternehmen betreibt Informations- und Ratgeberseiten, aber auch Buchungsportale für Hotels, Reisen und andere Dienstleistungen. Die Gehälter der Mitarbeiter sind über das staatliche Insolvenzgeld gesichert. "Die vorläufige Insolvenz bietet vor allem kurzfristige finanzielle Sicherheit", so Flöther. "Auf dieser Grundlage kann sich die Unister Holding dann langfristig wieder stabil aufstellen." Schmerzhaft könnte der Konkurs vor allem für den Versicherungskonzern Hanse Merkur werden. Er gilt als größter Gläubiger.

Für die Kunden gilt unterdessen: Selbst wenn sie ihren Urlaub über eines der Vergleichsportale wie "Ab in den Urlaub" gebucht haben, ist ihr Vertragspartner nicht Unister, sondern der Reiseveranstalter. Für sie ändert sich also erst einmal nichts.

Etwas komplexer wird die Sache dadurch, dass Unister auch viele User an den hauseigenen Veranstalter Urlaubstours vermittelt hat. Geht auch der pleite, müssten sich die Reisenden darauf verlassen, dass die gesetzliche Insolvenzversicherung einspringt. Flöther betont, der Insolvenzantrag gelte nur für die Unister Holding. Die operativen Gesellschaften seien nicht betroffen.

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