Zum Tod von Starfriseur Vidal SassoonVerrückt oder gut - oder beides

Eigentlich will er Fußballer werden. Doch weil das Geld knapp ist, zwingt die Mutter Vidal Sassoon zur Friseurausbildung. Der 14-Jährige fügt sich widerwillig. Und tröstet sich damit, zumindest von hübschen Frauen umgeben zu sein. Wie aus dem Bewunderer des weiblichen Geschlechts ein Revolutionär des Haarschnitts wurde.

Weich. Weibisch. Schwul. Vidal Sassoon ist sich der Vorurteile gegenüber Friseuren bewusst, als er 1942 in die Lehre geht. Die Entscheidung für die Ausbildung fällt nicht ganz freiwillig. Seine Mutter, erzählt er Jahre später in einem Interview, habe die fixe Idee gehabt, "dass ich ein Starfriseur werden würde." Vidal selbst ist von dieser Vorstellung alles andere als begeistert, muss mit sanfter Gewalt überzeugt werden: "Sie hat mich am Ärmel gepackt und hinter sich her bis in die Whitechapel Road im East End von London geschleppt und in den Laden gezogen", erinnert er sich 2010 im Gespräch mit dem SZ-Magazin. Eine Schmach für den 14-Jährigen: "Es war demütigend, denn ich wollte eigentlich Fußballer werden."

Die Sassoons sind eine jüdische Kaufmannsfamilie, doch vom Wohlstand vergangener Tage ist nichts geblieben. Seinen Vater lernt der spätere Star-Coiffeur nie wirklich kennen: Vidal ist erst drei Jahre alt, als dieser die Familie verlässt. Betty Sassoon gelingt es nicht, ihre Söhne alleine durchzubringen, sie bringt Vidal und seinen Bruder in einem Kinderheim unter. Dennoch hat Sassoon ein enges Verhältnis zu seiner Mutter bis zu ihrem Tod 1997. "Sie hatte keine andere Wahl", sagt er einmal über ihre Entscheidung, die Kinder wegzugeben.

Vidal Sasson setzt die Schere an bei der britischen Schauspielerin Sylvia Syms (1965).

Bild: Getty Images 10. Mai 2012, 15:482012-05-10 15:48:19 © Süddeutsche.de/jobr/vs/rus