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Wohngeschmack:Was Männer durch ihre Einrichtung verraten

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Bildband "Men's Homes"

Wie Männer wohnen

Wohnen Männer anders? Wenn man sie lässt, schon. Entgegen des verbreiteten Klischees ist Wohngeschmack keineswegs weiblich. Er wird nur anders genutzt, wie dieser Bildband zeigt - zum Beispiel zur Selbstdarstellung.

  • Das Klischee, dass Männer kein Interesse an Einrichtung haben, hält sich hartnäckig. Es trifft aber nur auf einen bestimmten Typ Mann zu.
  • Wer Frauen beeindrucken will, sollte durch seine Wohnungseinrichtung signalisieren, dass er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Medien und Umfragen vermitteln oft den Eindruck, Wohngeschmack sei weiblich. Männer haben angeblich weder Interesse noch Ahnung, wenn es um Einrichtungsfragen geht. Doch ist es ihnen wirklich gleichgültig, ob sie auf einem Vintagesofa oder einer Loungelandschaft sitzen? Uwe Linke hat schon viele Wohnungen von innen gesehen. Der Wohnpsychologe weiß, dass das Klischee nur auf bestimmte Männer zutrifft. Allerdings nutzen Männer ihre Inneneinrichtung, im Gegensatz zu Frauen, die damit ihre Emotionen ausdrücken, vor allem zur Selbstdarstellung. Im Gespräch mit Süddeutsche.de erklärt der 49-Jährige, was die Einrichtung eines Mannes über seine Einstellung und seinen Charakter aussagt.

Herr Linke, darf man fragen, wie Sie wohnen?

Es ist eine Mischung aus Wohnung und Büro mit offener Küche. Der Esstisch hat eine Steinplatte, gleich in der Nähe befindet sich eine Couch, wo ich meine Klienten empfange.

Ihr Lieblingsstück?

Ein thailändischer Türbogen aus Holz geschnitzt, in bunten Farben, der an der Wand über meinem Esstisch hängt. Es ist ein Erbstück von meiner Mutter.

Klingt nicht gerade nach typischer Junggesellenbude mit eingestaubtem Gummibaum und Pokalsammlung vom Turnverein. Gibt es die klassische Männerbude wirklich?

Definitiv ja, das stelle ich immer wieder fest. Allerdings trifft das nur auf einen bestimmten Typ Mann zu: Heteros auf der Suche nach einer Partnerin, die ein bestimmtes Beziehungsmuster vorziehen. Oft kümmert sich die Mutter noch um die Wäsche - und der Sohn hofft, dass er einen ähnlich mütterlichen Frauentyp bekommt. Seiner Ansicht nach hat die Frau das bessere Händchen für Stilfragen. Sie soll sich auch um Routine-Angelegenheiten wie Kochen und Haushalt kümmern - er will seinen Spaß haben und seine Karriere verfolgen.

Die Autorin Alexa von Heyden schreibt über die Junggesellenbude: "Nichts ist so abtörnend wie ein guter Typ auf einem Bett mit Borussia-Dortmund-Bettwäsche" - ein echter Albtraum. Wie vermeide ich so ein Erlebnis beim ersten Date?

So etwas wird einer gestandenen Frau vermutlich nicht passieren, die haben einen differenzierten Geschmack und würden sich mit so einem Mann nicht verabreden. Das sind eher Jungs, die nie erwachsen geworden sind. Die tragen vielleicht Anzug und arbeiten in einem großen Unternehmen, aber sie verfügen nicht über einen persönlichen Horizont oder wagen sich auf unbekanntes Pflaster. Glauben Sie mir, ein Mann, den Sie interessant finden, hat so eine Bettwäsche nicht zuhause.

Wie können Sie sich da so sicher sein?

Einer, der über viele verschiedene Themen charmant plaudern kann, interessiert sich für die Gestaltung seiner Welt. Wer jeden Abend Fußball schaut, hat keine Zeit, sich mit so etwas zu beschäftigen, so was lähmt jede Aktivität in der Hinsicht. Für eine schöne Wohnung muss man sich für Kunst und Kultur interessieren, entsprechende Magazine lesen, das merkt man im Gespräch.

Wie wohnt der moderne Mann - da gibt es ja sicher Unterschiede, die über das Designer-Sofa und den Billardtisch hinausgehen?

Wenn Männer sich eine gute, stimmige Einrichtung zusammenstellen, tun sie das selten nur aus Selbstzweck - es geht immer auch um Selbstdarstellung, sie wollen einen Status repräsentieren. Bestimmte Berufsgruppen orientieren sich an Vintage - wer etwa Geschichte studiert hat, spürt eher einen Bezug zur guten alten Zeit. Wer ein Faible für Garten und Blumen besitzt, fühlt sich mit dem Landhausstil wohler. Wer ein glattes Image vermitteln möchte und seine Gefühle nicht zeigen, aber etwas repräsentieren will, richtet sich puristisch ein.

Couch mit Charakter

Exklusive Kooperation mit dem Inneneinrichter Domicil Möbel GmbH

Ein gemütliches Sofa, eine Lampe, Vorhänge - dieser Raum dürfte auch Frauen gefallen.

(Foto: obs)

Das klingt, als könnte man von einer Couch auf den Charakter des zugehörigen Mannes schließen.

Wenn man seinen Stil erst einmal gefunden hat, ist dieser auch Ausdruck einer bestimmten Sehnsucht. Landhaus ist zum Beispiel Ausdruck für die Sehnsucht nach einer heilen Welt, der nordische Stil repräsentiert das Bedürfnis nach Einfachheit, er hat aber auch mit Echtheit zu tun. Solche Menschen schätzen Holz als Gestaltungsmittel, lieben es authentisch und kernig. Die wollen nicht perfekt sein, sondern wünschen sich, dass man sie so nimmt, wie sie sind.

Wenn Magazine oder Bildbände geschmackvoll eingerichtete Lebensräume von Männern zeigen, handelt es sich bei den Besitzern fast immer um Designer, Artdirektoren oder Architekten. Müssen Männer kreative Berufe ausüben, um Geschmack zu haben?

Im Grunde genommen nicht, die Erfahrung zeigt jedoch, dass Männer aus dieser Kategorie sich mit dem Thema Wohnen, also im Leben ankommen, mehr beschäftigen. Dass sie an sich den Anspruch haben, nicht nur nach außen, sondern für sich selbst eine Welt zu schaffen, in der sie sich wohl fühlen. Die Kreativen haben die Idee: Das kann ich nicht anderen überlassen. Und sie haben auch Lust dazu.

Ich hätte da noch ein Klischee: Man hört oft, dass Schwule einen guten Geschmack haben. Sind heterosexuelle Männer unfähig, sich eine Wohnung schön einzurichten?

Es gibt natürlich Männer, die nicht schwul und dennoch in der Lage sind, Geschmack zu entwickeln. Das sind eher Typen, die ins Yoga gehen oder meditieren, die etwas tiefer gehen und dafür sorgen, dass sie sich in ihrer Haut wohlfühlen. Ich glaube, dass sich viele Männer in ihrer Freizeit einfach nicht kreativ betätigen, sie beschäftigen sich meist nicht mit diesen Dingen. Und sie finden den Zugang auch nicht. Zeitschriften mit Einrichtungsthemen sind zu 90 Prozent Frauenmagazine.

Wie und wo informiert der Mann sich am besten über Wohntrends?

Die meisten holen sich lieber Inspiration als konkrete Anleitung, etwa in Kunstausstellungen, bei Architekten, in Design-Museen. Männer, die sich für Interiordesign interessieren, wollen eher etwas Individuelles, suchen nach einem bestimmten Stil. Auch bestimmte Interior-Design-Magazine wären geeignet, weil sie sich nicht am Trend orientieren, sondern außergewöhnliche Wohnräume von Menschen zeigen - der Künstler, der sich ein Loft gestaltet, der Architekt, der sich seinen Traum vom Hausboot erfüllt oder sich ein Refugium in einem Baumhaus eingerichtet hat. So etwas fasziniert Männer, weil es aus dem Rahmen fällt und der Selbstinszenierung dient.

Gutes Stichwort. Womit kann man Frauen beeindrucken?

Liebevolle Accessoires machen viel aus, aber auch einladende Möbelstücke, die signalisieren, dass ich nicht nur mit mir leben will, zum Beispiel eine Couch oder ein schöner Esstisch. Blumen sind der Knaller. Es ist Quatsch, dass Männer etwas gegen Pflanzen haben. Wenn, dann nur, weil sie sich darum kümmern müssen. Bei Design gilt: kein Fake, lieber länger sparen. Frauen finden es immer toll, wenn sich ein Mann für etwas begeistern kann, an dem sein Herz hängt.

Welche Bedeutung hat die Küche eines Mannes?

In diesem Bereich geht es darum, Gastlichkeit und Genussfähigkeit zu verkörpern - und die Fähigkeit, sich Zeit zu nehmen für ein sinnliche Erlebnis. Hier kann man erkennen, ob jemand bereit ist, ins tägliche Leben zu investieren, sich etwas Gutes zu tun und etwas mit Liebe zuzubereiten - nicht nur irgendeinen Mist in sich hineinzustopfen.

Welche Details verraten mir: Finger weg?

Ich habe Wohnungen gesehen, in denen nur ein Stuhl am Tisch stand, obwohl der Bewohner auf Partnersuche war - das fiel dem gar nicht auf. Auch vertrocknete Pflanzen können unter Umständen ein Hinweis sein. Wenn es jemand schafft, selbst einen Kaktus verdursten zu lassen, dann sollte sie sich zumindest fragen: Ist das ein Mensch, der lieber keine Verantwortung übernimmt? Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, spiegelt sich auch in anderen Dingen, die wertvoll sind - wie zum Beispiel ein hochwertiger Esstisch, ein Ledersessel oder ein Pullover aus Cashmere.

Dann ist die Wohnung also ein Indikator für die Basis einer Beziehung?

Durchaus. Es scheitert oft am Zusammenziehen. Schöne Dinge wie den ersten gemeinsamen Urlaub kriegt jeder noch hin. Doch wie läuft es, wenn der Alltag gemeistert werden muss, wenn die Routine kommt? Frauen achten auf solche Details, um zu erkennen, wie sich der Partner bewährt: Schafft er es, sich ein gemütliches Zuhause einzurichten? Muss ich ihn unterstützen, damit er sein Leben auf die Reihe kriegt? Auch wenn sie es nicht zeigen wollen, verraten sich Männer durch ihre Einrichtung. Daran denken sie eigentlich viel zu selten.