bedeckt München
vgwortpixel

Vetements-Jeans:Die begehrteste Hose der Modewelt

Gucci - Arrivals - Milan Fashion Week  FW16

Die Modebloggerin Miroslava Duma trug auf der letzten Fashion Week in Mailand die begehrte Vintage-Jeans.

(Foto: Getty Images Entertainment/Getty Images)

Eine umgenähte Levi's 501 kostet jetzt 1150 Euro - die Geschichte eines blauen Wunders.

So wie frisch gewaschene Jeans beim Tragen langsam ausleiern, scheint sich auch die Schmerzgrenze für Jeans-Preise nach und nach zu dehnen. Nach 99 Euro, dann 160 Euro und schließlich 500 Euro liegt der aktuelle Spitzenwert bei stolzen 1150 Euro - für ein gebrauchtes Paar, wohlbemerkt.

Natürlich geht es hier nicht um irgendein Modell. Es geht um die Jeans, von Vetements, dem französischen Label, das zwar erst seit zwei Jahren existiert, aber in Modekreisen bereits semi-religiös verehrt wird. Die Sachen sind so irrsinnig begehrt, dass irgendwer im Designteam wahrscheinlich gewitzelt haben muss, sie könnten selbst DHL-T-Shirts für 250 Euro unter die Leute bringen. Und genau das machen sie jetzt auch bei Vetements.

Besagte Hosen sind jedenfalls nur auf den ersten Blick irgendwelche gebrauchten Jeans. Bei genauerer Betrachtung sind es zwei gebrauchte Jeans, klassische Levi's-501, die perfekt aufeinander abgestimmt, komplett dekonstruiert und aufwendig von Hand wieder zusammengesetzt wurden. Inklusive modernisiertem Schnitt, asymmetrischem Bund oder Saum, und hübschem, meilenweit identifizierbarem Patchwork-Hintern. Die Vetements-Jeans ist also extrem individuell, und deshalb zurzeit die wichtigste Währung in der Mode. Dafür kann man schon mal 1150 Euro hinlegen.

Mode Shoppen ist langweilig geworden
Mode

Shoppen ist langweilig geworden

Junge Kundinnen horten Unmengen von Skinny-Jeans und T-Shirts in ihren Schränken. Ein großes Problem für die Modebranche.   Von Kathrin Werner

Viel Minus ergibt irgendwann ein klares Plus

Dummerweise ist die Vintage-Hose allerdings so schnell erfolgreich geworden, dass sie in gewissen Kreisen schon wieder nicht mehr ganz so individuell ist. Bei den letzten Modenschauen in Paris zählte man ein halbes Dutzend alleine in der Front Row. Dabei ist es gar nicht so einfach an die Veredel-Jeans zu kommen. Die Hose wird fast ausschließlich online verkauft (wer so viel Geld für Mode ausgibt, hat längst aufgehört, Dinge anzuprobieren) und ist bei Internet-Shops wie Net-A-Porter oder Stylebop meistens vergriffen. Selbst Second Hand, also quasi doppelt gebraucht, sind die Hosen auf Online-Portalen wie Vestiaire Collective so gesucht, dass der Preis nahezu genauso hoch ist. Als gäbe es auf der Welt keine andere Jeans mehr.

Manche Frauen sehen das allerdings genau so: Die nicht totzukriegenden Skinny-Jeans können Trendsetter schon lange nicht mehr ertragen. Baggy-Jeans aber machen keinen guten Hintern, Schlaghosen bleiben lieber bis zum nächsten Siebziger-Themenabend unter Verschluss. Die alte Levi's-Ästhetik dagegen - hoher Bund, kein Stretch-Anteil, klassisch verwaschen - war so lange "bäh", dass man sie jetzt unbedingt wieder toll finden darf. Das klassische Umkehr-Phänomen der Mode also: Viel Minus ergibt irgendwann ein klares Plus.

Obendrein passt der Trend natürlich auch perfekt ins aktuelle 90er-Jahre-Revival. Damals erlebten gebrauchte Levi's-501 ihre erste große Wiederauferstehung. Horden von Kreisstadt-Jugendlichen fuhren in die nächstgelegene Metropole, um in irgendwelchen Army-Shops 99 Mark für ein gebrauchtes und oft durchlöchertes Paar hinzulegen. Rückblickend erscheint es geradezu niedlich, dass schon dieser Preis so manche Mutter auf die Barrikaden brachte.

Trend Hosen runter!

Entblößte Knöchel

Hosen runter!

Der Modetrend "entblößte Knöchel" hat selbst den Winter überdauert. Wichtiger als die Frage, was die Träger damit sagen wollen, ist die Frage, ob man alt ist, wenn man sich wundert.