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Tattoo-Trends:Schriftzeichen, Sprüche und Kindernamen

Asiatische Schriftzeichen

Der Wunsch nach mystisch aufgeladener Symbolik war mit Tribals nicht befriedigt. Ende der Neunzigerjahre kamen asiatische Schriftzeichen dazu. Doch der Trend ist ein westliches Phänomen, in Asien trägt niemand Zeichen auf dem Körper. Dabei hat gerade Japan eine lange Tattoo-Tradition. Motive wie Glücksdrachen und Kois tauchten auch im Westen auf, sind aber eher selten. Und wer sich an fremde Schriften traut, sollte genau recherchieren und dem Tätowierer vertrauen. Pannen sind vor allem für Betrachter witzig, die Anekdoten über Fehler zahllos. Der Fußballer David Beckham ließ sich im Jahr 2000 den Namen seiner Frau Victoria auf die Innenseite seines linken Unterarms stechen, doch sein Tätowierer pfuschte und schrieb in Sanskrit "Vihctoria". Der chinesische Sinnspruch auf seinem Bauch ist fehlerfrei, gestochen in Hongkong.

Sprüche

Vor zehn Jahren wurde der Körper zum Poesiealbum für Erwachsene: Gedichte, Sinnsprüche oder Lebensweisheiten kamen in Mode. Statt abstrakter Motive wie Tribals war Schrift gefragt. Tattoos wurden damit noch stärker zum Kommunikationsmittel, zum Anreiz nachzufragen. Gedichte sind bis heute beliebt, in den letzten Jahren kamen allerdings sogenannte "Gaga-Text-Tattoos" hinzu, wie Hofmeister das nennt. Lindsay Lohan und Rihanna ließen sich als Erste "Shhh" auf den Zeigefinger tätowieren. Der englische Nationalfußballer Wayne Rooney trägt "just enough education to perform" unter der Haut. Nicht nur ein Zeichen von Selbstironie, er ist auch Fan der Rockband Stereophonics, deren Album diesen Namen trägt.

Actress Lindsay Lohan attends a progress report hearing in Beverly Hills

Lindsay Lohan bittet um Ruhe - mit ihrem "Shhh"-Tattoo.

(Foto: REUTERS)

Filigrane Stellen

Vor etwa acht Jahren kamen kleine Motive an filigranen, versteckten Körperstellen in Mode. Die Sängerin Rihanna trägt einen Sternenregen im Nacken, noch beliebter sind Himmelskörper wie Monde, Sterne oder Planeten am Handgelenk, in der Ellenbeuge oder hinter dem Ohr. Der Versuch, anders zu sein, ist wieder in einem Massenphänomen aufgegangen. Der Klassiker unter den filigranen Tattoos ist heute der Delfin am Fußknöchel. "Wer dazugehören möchte, aber nicht den Mut für große Motive hat, wählt eben versteckte Stellen", sagt Hofmeister.

Große Flächen

Seit spätestens diesem Sommer gilt: je größer, desto besser. Das sieht man derzeit nicht nur bei vielen Fußballern. Immer mehr Menschen gestalten ihren Körper mit Geschichten und Symbolen oder lassen sich mit komponierten Bilderzyklen eine komplette Körperseite verzieren. Technik und Farben haben sich weiterentwickelt. Tätowierer können detaillierte Motive stechen, die vor Jahren unmöglich gewesen wären. Eine paar wenige Tattoo-Fans wünschen sich sogar echte Kunst und warten monatelang, bis ein bestimmter Artist Zeit hat, um ihm dann für teures Geld freie Hand zu lassen. Der Schweizer Tim Steiner hat es auf die Spitze getrieben: Er ist das erste lebende Kunstwerk, der belgische Konzeptkünstler Wim Delvoye verewigte sich auf Steiners Rücken. 2008 kaufte der Hamburger Kunstsammler Rik Reinking das "Tim-Projekt". Wenn Reinking Teile seiner Sammlung ausstellt, sitzt Steiner mit nacktem Oberkörper daneben.

Tätowierung

Großflächige Tattoos sind spätestens seit diesem Sommer ein Trend - nicht nur bei Fußballern.

(Foto: dpa)

Kindernamen

Besondere Momente verarbeiten Menschen in Tattoos, und kaum etwas berührt so sehr wie eine Geburt. Namen, auch Portraits von Kindern sind seit einem halben Jahrzehnt immer öfter auf den Armen und Beinen ihrer Eltern zu sehen. Eine sinnvolle Weiterentwicklung des tätowierten Liebesschwurs. Liebe kann vergehen, Kinder bleiben. Der Schriftzug "Seal" auf Heidi Klums Unterarm verblasst langsam, vier Sterne für die Kinder bleiben. Schauspieler Johnny Depp war pragmatischer: "Winona forever" überarbeitete er zu "Wino forever". David Beckham macht alle Moden mit, auch diese. Er trägt die Namen seiner vier Kinder, seine Söhne sind als Engel verewigt. Ehefrau Victoria posiert auf dem Unterarm. Angelina Jolie hat sich besonders originell die Koordinaten der Geburtsorte aller Kinder tätowieren lassen. Das funktioniert allerdings nur, wenn man so viel herumreist wie sie.

David Beckham

Die Namen seiner Kinder trägt David Beckham auf dem Rücken.

(Foto: imago sportfotodienst)
© SZ vom 04.07.2014
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