Sonnenschutz Mit Haut und Handy gegen Sonnenbrand

UV-Schutz per Pflaster: In Kombination mit einer speziellen App kann "My UV Patch" vor Sonnenbrand schützen.

(Foto: Christian Kettiger)

Sonnencreme war gestern: Ein Sensor für die Haut soll vor Sonnenbrand schützen - gemeinsam mit dem Smartphone.

Von Valentina Finger

Es gibt Sonnenschutz zum Cremen und Sprayen, als Öl oder Lotion, kühlend, duftend und sogar zum Trinken. Das Angebot ist so gewaltig, dass man meinen müsste, der Markt sei längst übersättigt - ist er aber wohl nicht: La Roche-Posay vermarktet gerade die Weltneuheit "My UV Patch". Das herzförmige Wearable soll durch die Verbindung von Haut und Handy vor UV-Strahlung warnen.

Wie ein Pflaster klebt es bis zu fünf Tage lang auf der Haut. Es besteht aus einem Sensor mit photosensitiven Farbstoffen, der auf einem 50 Mikrometer dünnen Film angebracht ist. Diese speichern Informationen zur Sonneneinstrahlung, unter Berücksichtigung der individuellen Hautpigmentierung. Wer das Patch mit seinem Smartphone scannt, erfährt über eine dazugehörige App, ob akute Sonnenbrandgefahr besteht, oder alles in bester Ordnung ist.

Mode- und Sportmarken sagen Wearables schon länger eine große Zukunft voraus. Sieht man mal von den Fitness-Trackern ab, ist von ihnen bislang aber nicht viel in der breiten Masse angekommen. Das UV-Patch könnte für viele Menschen tatsächlich eine Bereicherung werden. Auf Sonnenbrand oder ständiges Eincremen kann schließlich jeder gern verzichten.

Dafür muss aber zunächst mal die App eingerichtet werden: Mit einer Selbstauskunft zu Haut-, Haar- und Augenfarbe erstellt man ein Profil als Grundlage für die Messungen. Per Standortbestimmung wird danach der Aufenthaltsort ermittelt, weil selbst die tagesaktuellen Wetterdaten berücksichtigt werden. Von da an heißt es: immer schön im grünen Bereich bleiben!

Also direkt zum Joggen in die Mittagssonne. Wegen des Sonnenstands ist der sonst schattige Waldweg lichtdurchflutet. Das ist anstrengend - aber augenscheinlich nicht gefährlich: Der Scan meldet kein Risiko. Auch nicht nach einer Runde mit offenem Verdeck im Cabrio. Wenn aber der Handrücken mit dem Sensor nicht direkt zur Sonne ausgerichtet ist, wie es bei den meisten Alltagsbeschäftigungen nun mal der Fall ist, tut sich das Patch eben schwer damit, die UV-Belastung korrekt zu erfassen.

Die Technik ist aktuell aber auch noch in der Pilotphase. Das Patch ist nur kostenlos über ausgewählte Apotheken oder im Rahmen einer Verlosung auf der Internetseite des Herstellers zu bekommen. Entwickelt wurde es als erster flexibler Hautsensor im Labor "Connected Beauty Incubator" des Mutterkonzerns L'Oréal. Es befindet sich im Silicon Valley und ist auf technologische und digitale Anwendungsformen im Kosmetiksektor spezialisiert.

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Auch "Make Up Genius" stammt von dort. Mit der 2014 berühmt gewordenen App kann man sich fotografieren und seinem Abbild danach Lippenstifte, Lidschatten und Eyeliner zum Ausprobieren auftragen.

Als Teil der Aufklärungskampagne "Skin Checker", womit man bei La Roche-Posay das Bewusstsein für die Hautkrebsvorsorge stärken will, ist "My UV Patch" vor allem als ein edukatives Tool gedacht. "Das Patch soll uns die Schattenseiten der Sonne aufzeigen. Es schützt uns jedoch nicht vor Sonneneinstrahlung - dafür sind wir selbst verantwortlich", sagt René Baaring, General Manager von La Roche-Posay Deutschland.

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Im Test schneiden die günstigen Produkte besonders gut ab - und schlagen die Premium-Creme für 36 Euro. Von einer Lotion wird jedoch abgeraten.

Den Härtetest besteht die Erfindung jedenfalls: Nach einer Viertelstunde in der prallen Nachmittagshitze warnt die App vor starker UV-Strahlung und empfiehlt, in den Schatten zu wechseln. Sie verweist danach, als Entwicklung eines wirtschaftlich ausgerichteten Megakonzerns, auch noch auf nützliche Lichtschutz-Produkte des Herstellers.

Braucht man "My UV Patch" also? Im Gegensatz zu UV-Strahlen kann es sicherlich nicht schaden. Viel wichtiger ist aber die Frage, ob man so eine kleine Alltagsherausforderung wie das Sonnenbad unbedingt an neue Technologien auslagern sollte. Spätestens, wenn der Handy-Akku leer ist, hat man keine andere Wahl und muss zwischendurch ja sowieso wieder den gesunden Menschenverstand einschalten.

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