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Ladies & Gentlemen:Das politische Claim-Shirt ist passé

SI2702 Ladiesandgentlemen

Politische Botschaften auf T-Shirts sind out. Diesen Sommer sollen wieder Gaga-Botschaften auf der Brust vom ewigen Ernst der Lage ablenken.

Von Julia Werner & Max Scharnigg

Für sie: Frittierte Lebenslust

Nichts macht so glücklich wie ein gutes fritto misto bei Sonnenuntergang.

(Foto: matchesfashion.com)

Es ist noch nicht lange her, da waren T-Shirts hochpolitisch. Die Frau musste sich unbedingt mit todernsten Botschaften brüsten und als Feministin oder Umweltaktivistin enttarnen. Dass aber nicht immer drinsteckt, was draufsteht, ist nichts Neues - und zeigt sich in schwachen Momenten. Zum Beispiel, wenn ein Mann einem das Gekauft-Schild an den Finger steckt (Diamant). Oder wenn Corona ist, und die Temperaturen steigen. Denn jetzt quellen die Mülleimer in den Grünwählervierteln wieder vor lauter Coffee-to-go-Cups über, als hätte es nie Plastiksorgen gegeben. Überzeugungen kann man sich eben nur leisten, wenn alles unter Kontrolle ist. Damit ist das politische Claim-Shirt passé, nicht aber der Brustprint an sich. Teens tragen heute gerne das Logo der uralten Kultserie "Friends". Und all die, die sie schon in Erstausstrahlung gesehen haben, versuchen den Anschluss nicht zu verlieren, indem sie sogenannte Band-Shirts bei Zara kaufen. Obwohl sie noch nie eine Platte von Led Zeppelin gehört haben. Aber es gibt Hoffnung in Sachen authentischer Überzeugungsmode, und sie kommt hier von Dolce & Gabbana. Man erinnere sich: Nichts macht so glücklich wie ein gutes fritto misto bei Sonnenuntergang, gereicht zu einem kühlen Weißwein. Krevettenköpfe auslutschen, Tintenfischringe kauen, mit den Fingern essen, nicht an Kohlenhydratdiktate und Cholesterinwerte denken - bei aller öligen Schwere ist das fritto ein Snack der Leichtigkeit des Lebens. An die wir unbedingt weiterhin glauben müssen.

Für ihn: Bitte recht simpel

Erste Hochphase der witzigen Shirts waren die unbedarften Neunzigerjahre.

(Foto: Aires)

Lustige T-Shirts sind traditionell Männersache. Vor allem vermutlich, weil das Prinzip so bequem ist: Man hat den Humor damit outgesourct und kann via Brustbein der Welt zeigen, was für ein lockerer Typ hier kommt. Auch wenn man selber noch nie was wirklich Originelles von sich gegeben hat. Erste Hochphase der witzigen Shirts waren die unbedarften Neunzigerjahre, als man das Brandt-Zwieback-Kind oder ähnlichen Ironie-Quatsch vor sich hertrug. Aus den USA dürfte damals auch das "I'm with stupid"-Shirt zu pandemischer Verbreitung gekommen sein. Als Therapie zu diesem Fun-Infarkt folgten in den Nullerjahren die völlig unbedruckten, nahezu sterilen Shirts von American Apparel, danach kamen die eher naturalistischen Shirts, die einen Ausschnitt bis zum Nabel hatten, dann kehrten Aufdrucke auf die Baumwolle zurück - erst als kleines Logo, dann als übergroßes Logo, dann als politisch korrekte Botschaft. Und jetzt? Jetzt sind alle so genervt von der kränkelnden Lebenswelt, dass wieder banale Codes hermüssen. So wie dieses sagenhaft quarkige "No Problemo"-Shirt des hippen Londoner Labels Aries. So was hätte man ja früher nicht mal zum Schlafen angezogen. Jetzt aber schwingt in dem schlappen Spruch und der betont lieblosen Aufbereitung etwas ganz anderes mit: Sehnsucht nach simpler Fröhlichkeit, nach Spaßhaben ohne Mundschutz, nach Lachen bei "Alf" und Popcorn beim "Terminator". Aber auch nach einer Zeit ohne Postironie und Shitstorms, in der es nur zwei Schriftarten gab und man mit einem Spruch wie "No problemo!" durchaus noch eine Weile szenetauglich war.

© SZ/kar
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