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Sitzordnung bei Fashion Shows:Kampf um jeden Stuhl

Edun - Runway - Mercedes-Benz Fashion Week Fall 2014

Sitzen ganz vorne bei einer Fashion Show: Colin Farrell, Model Petra Nemcova, die Schauspielerinnen Trudie Styler, Mickey Sumner und America Ferrera, Bono und Chelsea Clinton.

(Foto: AFP)

Sie ist die harte Währung der Modehäuser: die Sitzordnung bei einer Fashion Show. Um die Platzvergabe zu organisieren, gibt es inzwischen eine eigene Software. Die kann viel, aber das Wichtigste nicht.

Die elegante Meute ist wieder unterwegs, denn es sind Modewochen: New York ist gerade vorbei, London in Kürze, von nächster Woche an dann Mailand und zum Schluss Paris. Es geht darum, die neue Mode zu sehen. Und natürlich ums Gesehenwerden. Schauenprofis würden sich allerdings niemals etwas auf die neue Handtasche einbilden, das wäre provinziell. Für sie gibt es vor allem ein Statussymbol: den richtigen Sitzplatz, und zwar möglichst weit vorn.

Wer ihn hat, lässt sich mit demonstrativer Nonchalance auf ihm nieder, als sei er sein angestammtes Grundrecht. Den Psychokrieg, der für diesen halben Quadratmeter Bank hinter den Kulissen ausgetragen wurde, lässt sich keiner anmerken. Wir haben es schließlich mit Profis der Eleganz zu tun!

Der Sitzplatz bei Prada oder Louis Vuitton ist die harte Währung der Modehäuser: So drücken sie aus, wie wichtig ihnen der Eingeladene ist. Hat eine Einkäuferin bei Dolce & Gabbana in der vorangegangenen Saison zu wenig geordert, findet sie sich hinter einer Glasscheibe am Ende des Laufstegs wieder. In Social Sibiria also. Dass Journalisten nach einem Verriss gar nicht mehr kommen dürfen, ist zwar selten - aber schon passiert: Die Modekritikerin der New York Times, Cathy Horyn, erzürnte Saint-Laurent-Designer Hedi Slimane einmal so sehr, dass er sein Hausverbot für sie sogar öffentlich machte. Sie verfolgte die Show dann im Internet.

Reise nach Jerusalem

Nichteingeweihte müssen sich die zwei Wochen vor einer Fashion Show vorstellen wie die Reise nach Jerusalem: Nie sind genug Stühle da, aber Hunderte Journalisten, Einkäufer, reiche Privatkunden und Freunde von Freunden des Designers umkreisen sie. Dass man Schauen-Einladungen für kein Geld der Welt kaufen kann, ist bekannt. Dass Hollywood-Stars, It-Girls und Vogue-Chefinnen in der ersten Reihe sitzen, auch. Aber wie genau - und an wen - werden die restlichen Plätze vergeben? Und wie entwirft man einen Sitzplan mit bis zu 2000 Gästen, ohne den Notstand ausrufen zu müssen?

Fashion Week Paris

Alles prima, Ballerina

Den Verantwortlichen, also den großen PR-Teams der Labels, bereitet das nicht selten schlaflose Nächte. Es geht darum, Hierarchien in Form von Sitzplatzlisten abzubilden. Und trotzdem niemanden vor den Kopf zu stoßen, was so gut wie unmöglich ist. Diese Kunst, die die Modebranche nahezu perfektioniert hat, nennt man Seating.

Früher saßen die PR-Teams stundenlang vor gezeichneten Sitzordnungsplänen und schoben bunte Sticker hin und her. Pink stand dann etwa für Medienleute, gelb für VIP-Kunden. Heute machen immer mehr Modehäuser diese Planung digital. 2006 gründete der IT-Berater Eric Mullon "Fashion GPS" und entwickelte speziell für Mode-Events die passende Software. Zuvor saß er wochenlang mit Branchen-Insidern von Donna Karan und der PR-Agentur KCD zusammen. Fashion GPS hat einen Vertrag mit dem Luxuskonzern Kering, außerdem verwendet Dior das weltweit einzigartige System. So können Einladungen digital verschickt werden, der Computer erledigt auch den RSVP-Prozess, also die Zu- und Absagen.