Kolumne: Gewusst wie?:Kaugummi entfernen

Kolumne: Gewusst wie?: Wenn die Blase platzt, landet das klebrige Zeug oft da, wo es nicht hingehört.

Wenn die Blase platzt, landet das klebrige Zeug oft da, wo es nicht hingehört.

(Foto: Dzmitry Kliapitski/Mauritius Images/Alamy Stock Photos)

Der gummiartige Stoff klebt schnell auf allerlei Oberflächen fest. Tipps, wie man die klebrige Masse wieder aus Polstern, Kleidung oder Haaren bekommt.

Von Ingrid Brunner

Ob es Ärger gab bei den frühen Nordmenschen, wenn Jugendliche eine riesige Kaugummiblase machten, diese platzte und das klebrige Zeug in Haar und Fellkleidung hängen blieb, ist nicht überliefert. Fest steht jedenfalls, dass der älteste Kaugummi zwischen 9000 und 10 000 Jahre alt ist und aus Birkenteer bestand. Zahnabdrücke in besagtem Birkenteer, die bei archäologischen Ausgrabungen in Huseby Klev im Süden Schwedens gefunden wurden, belegen, dass die Menschen von jeher gerne gekaut haben und den Kaugummi irgendwann ausspuckten - vermutlich ins Lagerfeuer, das knisterte und krachte dann schön heimelig. Der Teer diente als Kleber, etwa um Pfeilspitzen an Holzschäften zu befestigen, oder um Löcher in Tontöpfen abzudichten. Im Mund heilte das im Birkenteer enthaltene Harz Entzündungen.

Was den alten Schweden ihr Birkenteer war, war den alten Griechen das Harz des Mastixbaumes. Und die Maya nutzen Chicle, einen Naturgummi, gewonnen aus der Rinde des Sapotillbaums. Ausspucken war damals noch okay, denn die Kaumasse war ja biologisch abbaubar.

Als einer der Erfinder des neuzeitlichen Chewing Gum gilt der New Yorker Thomas Adams. Er kam 1871 auf die Idee, getrockneten Saft von besagtem Sapotillbaum in Streifen zu packen. Heute werden weltweit jährlich 580 000 Tonnen Kaugummis gekaut. Doch seit den Fünfzigerjahren wird Chicle mehr und mehr durch elastische Polymere, ein Erdölprodukt, ersetzt. Sprich die meisten Menschen kauen mittlerweile auf Plastik, angereichert mit Talk, Zucker oder Zuckerersatzstoffen und künstlichen Aromen, herum.

Für Deutschland haben Statistiker ermittelt, dass hierzulande jeder 100 Kaugummis pro Jahr kaut. Viele davon landen auf Straßen und Bürgersteigen, auf Schulhöfen und Bahnhöfen. Die Stadtreinigungen haben viel Expertise entwickelt, um die festklebenden Hinterlassenschaften abzulösen. Sie nutzen Kältesprays und scharfkantige Metallschaber, um die weißen Flatschen vom Boden zu kratzen.

Etwas herausfordernder ist es, die klebrige Masse von Polstern, Teppichen und Kleidungsstücken zu entfernen. Insbesondere Kinder vergessen zuweilen, dass sie einen Kaugummi im Mund haben, verlieren ihn beim Spielen oder im Schlaf. Oder sie machen - siehe oben - eine Riesenblase, die dann auf Klamotten und in den Haaren platzt.

Wo Kälte gut ist, hilft oft auch Hitze

Wie aber kriegt man das Zeug wieder weg? Bewährt hat sich wie bei der Stadtreinigung die Kältemethode. Ein Kleidungsstück kann man für ein paar Stunden ins Eisfach legen. Der harte Kaugummi lässt sich anschließend mit einem Messerrücken vom Stoff lösen oder einfach abbröseln. Schwieriger ist es bei Polstern oder Autositzen. Hier kann man sich mit einem Eisbeutel, einem Kühlakku oder Eiswürfeln behelfen: Die Kälte auf Sofa, Sessel oder Autositz einwirken lassen, bis der Kaugummi ausgehärtet ist. Und ihn dann vorsichtig abschaben.

Ein Kältespray erfüllt den gleichen Zweck. Besonders praktisch ist es bei Kaugummi im Haar: Einfach auf die betroffenen Haarsträhnen aufsprühen und dann mit Kamm oder Bürste vorsichtig auskämmen. So lässt sich häufig der Griff zur Schere vermeiden.

Wo Kälte gut ist, hilft oft auch Hitze: Mit Bügeleisen und Löschblatt lassen sich lästige Kaugummiflecken aus Textilien abschmelzen.

Und seit sich die "Letzte Generation" mit Alleskleber auf Asphalt festklebt, weiß man in Deutschland, dass Öle und Fette lösende Wirkung haben. Das funktioniert auch im Haar und auf Stoffen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass Fettflecken aus empfindlichen Textilien nur schwer zu entfernen sind. Wie man Fettflecken entfernt, wäre dann freilich eine andere Geschichte.

Kolumne: Gewusst wie?: Die Mutter der Autorin griff bei einem Kaugummiunfall in den Haaren rigoros zur Schere. Damit die Tochter was daraus lernte.

Die Mutter der Autorin griff bei einem Kaugummiunfall in den Haaren rigoros zur Schere. Damit die Tochter was daraus lernte.

(Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))
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