Ladies & Gentlemen:Einer für alles

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Jumpsuits sind seit Jahren eine Geheimwaffe der Mode. Aber sind sie wirklich alltagstauglich? Zwei besonders raffinierte Modelle in der Stilkritik

Von Julia Werner und Max Scharnigg

Für sie: Das Pipi-Problem

Manchmal ist ein guter Name für den Erfolg ausschlaggebend. Seit einigen Jahren nennt man den Overall auch hier lieber Jumpsuit; entwaffnend ist das, denn welche Frau kann dem Gedanken widerstehen, in ein Outfit hineinzuspringen und fertig für den Tag zu sein? Kleider funktionieren nach dem gleichen Prinzip, aber der Jumpsuit, den es in unzähligen Varianten vom Ausgeh- bis zum Lounge-Look gibt, suggeriert einen lässigen Pragmatismus, gegen den Kleider nun mal alt aussehen. Dieser Blaumann von Frame (über matchesfashion.com) sieht noch nicht mal aus wie ein Einteiler, sondern wie ein sehr schick zusammengestellter Canadian Tuxedo (Fashion-Sprech für Denim-Outfits von Kopf bis Fuß), an dem alles am richtigen Platz ist. Von Vorteil ist natürlich, dass Overalls keine Einfallsschneise für Luftzug in den Nierenbereich bieten. Aber weil die moderne Frau hydriert bleiben will (für den Teint), muss sie heute auch ohne Blasenentzündung die ganze Zeit aufs Klo, was zur Folge hat, dass sie auf öffentlichen Toiletten regelmäßig oben ohne da steht. Das sieht zwar keiner, kratzt aber an der Würde, weil je nach Nasszellengröße plötzlich nackte Haut mit öffentlichen Bereichen in Berührung kommt, die man mit den Händen nicht anfassen würde - beim anstrengenden Akt des Jumpsuit-nach-unten-und-wieder-nach-oben-Wurschteln. Außerdem ist es ein Kunststück, die Ärmel beim Pieseln vom ja immer irgendwie nassen Boden fernzuhalten. Aber all das ist natürlich egal - "praktisch" war schon immer die charmanteste Lebenslüge von gutaussehenden Leuten.

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Für ihn: Der Casual-Kompromiss

Viel wurde zuletzt über die modische Verwahrlosung im Homeoffice geschrieben. Ist natürlich eine eher künstliche Aufregung. Falls die Welt irgendwann doch ins Büro zurückkehrt, werden sich die Betroffenen nicht nur ihrer Kantienkarte sondern auch wieder der Existenz von Bügeleisen und Scheitelfrisuren entsinnen. Was nun den schwarzen Anzug angeht, so hängt er aber bei vielen Männern ja sowieso und auch ohne Corona eher pflichtschuldig und bleischwer im Schrank, sein alltäglicher Einsatz jenseits von Dresscode und Repräsentation wird immer seltener. Dabei wäre es doch vor allem ein Outfit, das seinem Träger schmeichelt. Oder etwas drastischer ausgedrückt: Ein dunkler Anzug wäre an all den Casual-Männern endlich mal ein altersgemäßes Kleidungsstück, in dem sie also nicht aussähen, wie ein aus der Form geratener Student im Urlaub. Aber viele fühlen sich darin eben gegängelt oder nicht zivil genug. Vielleicht erreicht sie der Vorschlag der norwegischen Softwear-Spezialisten OnePiece. Dort wurde gerade eine Jumpsuit-Kollektion vorgestellt, die ihrem Namen gerecht wird: Anzüge zum reinspringen, die die Bequemlichkeit von Loungewear mit formellem Look verbinden. Gut, dass Lagerfeld das nicht mehr erleben muss. Aber zugegeben, ein recht wirkungsvolles Experiment, das durchaus ernst gemeint ist. Für das nächste Video-Personalgespräch reicht derlei bestimmt, wahrscheinlich ließe sich darin sogar die Tagesschau so moderieren. Die Frage bleibt - wenn man schon ein gebügeltes Hemd trägt, warum dann nicht gleich den ganzen Anzug aus seinem ewigen Ruhemodus erwecken?

© SZ/rff
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