Fußball und Mode "Ein bisschen Brisanz ist das Beste, was einem Trikot passieren kann"

Ein Trikot, wie Fans es offenbar mögen: Das Leo-Muster wurde anhand von Daten aus einem Computerspiel entworfen.

(Foto: Adidas)

Wünschen sich Fans tatsächlich ein Leibchen mit Leo-Muster oder Sternen-Galaxie? Designer Jürgen Rank erklärt, warum Trikots ein so emotionales Thema sind.

Interview von Silke Wichert

Seit diesem Donnerstag gibt es eine Sonderedition der Fußballtrikots von Manchester United: mit Leo-Muster. Beim neuen Trikot von Juventus Turin schillert das Weiß in Regenbogenfarben, und das Leibchen des FC Bayern hat Sterne. Die Trikots sind aufgrund von Daten aus einem Computerspiel entstanden, es hat sich gezeigt: Viele Fans stehen offenbar auf ausgefallene Entwürfe. Jürgen Rank (48), Trikot-Chefdesigner der Sportartikelfirma Adidas, erklärt, warum das so ist.

Süddeutsche Zeitung: Herr Rank, Leo-Muster, Regenbogenfarben, Sternchen - machen Sie sich schon auf einen Fan-Shitstorm gefasst?

Jürgen Rank: Ja, das wird sicher wieder eine Hass-Liebe bei den Fans und in den sozialen Medien kontrovers diskutiert werden. Auch wenn dieses sogenannte "vierte Trikot" nicht auf dem Rasen zu sehen sein wird. Die Trikots stammen aus dem Computerspiel Fifa 19, sie werden also lediglich digital gespielt. Aber die Fans können sie jetzt erstmals in echt tragen.

Kosmisch, tierisch, eng oder eklig

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Sie haben die Daten des Spiels ausgewertet, und danach nun die Trikots hergestellt. Heißt: Die Fans von Manchester wollen tatsächlich ein Leo-Muster, und die des FC Bayern ein Leibchen mit einer Sternen-Galaxie?

Sieht ganz so aus. Aus den Daten des Computerspiels wissen wir, welche Designs am besten ankommen. Die Klassiker, also die normalen Trikots natürlich auch, aber vor allem andere Farben und auffällige Designs. Die Richtung war also ganz klar: laut, anders, jung, frisch. Für uns als Designer ein Paradies.

Weil Sie sonst immer nur eine Raute nach oben und unten verschieben und die Schriftgröße bei den Rückennummern verändern können?

Genau. Das heißt es immer. Tatsächlich arbeiten wir rund zwei Jahre an einem Entwurf. Aber wir müssen uns an den ganzen Regelkatalog von Uefa und Fifa halten.

Zum Beispiel?

Die "Spielbarkeit" muss gewährleistet sein, das Trikot eindeutig hell oder eindeutig dunkel aussehen. Designs mit vielen Schattierungen fallen sofort durch. Hinzu kommen bei den Vereinen die Sponsoren-Logos. Und jeder Verein und jede Nationalmannschaft hat natürlich Mitspracherecht. Zu weit kann man sich da als Designer nicht aus dem Fenster lehnen. Aber ein bisschen was lässt sich schon rauskitzeln.

Das Trikotdesign der spanischen Nationalmannschaft zur EM 2016 kam bei den Fans folgendermaßen an: "Sieht aus wie ausgekotzte Paella."

Ach, das Paella-Trikot. Das nennen wir selbst intern auch nur noch so. Das war schon lustig. Ein bisschen Brisanz ist das Beste, was einem Trikot passieren kann.

Wieso das?

Wenn die Meinungen auseinander gehen, bleibt der Entwurf auch am ehesten in Erinnerung. Geht es zu ruhig zu, stimmt etwas nicht. Verkauft hat sich das Paella-Trikot tatsächlich gut. In zehn Jahren wird es ein absoluter Klassiker sein.

Stimmt der Eindruck, dass die Fans rückblickend das alte plötzlich gar nicht mehr so schlimm finden, sobald ein neues Design vorgestellt wird?

Wenn die ersten Zeichnungen irgendwo geleakt werden, schreien erst mal alle. Wenn es zum ersten Mal auf dem Platz gespielt wird, sagen bereits viele: "schaut doch gar nicht so schlecht aus". Und je öfter es gesehen wird, desto mehr etabliert sich das Design.