Fashionspießer: der Polohemd-Kragen Wovor soll der Kragen schützen?

Den Kragen seines Polohemdes hochzuschlagen ist in etwa so naheliegend, wie seine Hosenträger in den Ohren einzuhängen: theoretisch zwar möglich, aber nicht so gedacht.

Gedacht war das Piqué-Shirt, als es Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals in Indien in Erscheinung trat, als Sport-Trikot. Das war lange bevor der französische Tennisspieler René Lacoste es in Europa auf den Markt brachte und seinen Spitznamen "Krokodil" zum Markenzeichen machte. Damals trug man die Shirts zum Polospiel noch langärmlig, um sich vor der sengenden Sonne zu schützen. Durchaus denkbar, dass man dann auch mal den Kragen hochstellte, um sich den Nacken nicht zu verbrennen.

Wogegen aber versucht sich ein deutscher BWL-Student im Hörsaal schützen? Gegen Spickversuche oder gehässige Blicke seiner Kommilitonen? Gegen Papierkügelchen, die aus der hintersten Reihe angeflogen kommen? Sicher, die Zeiten sind hart. Doch selbst wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, hilft es nicht, den Kragen hochzuklappen.

Abseits des Poloplatzes gibt es nur zwei gute Gründe, warum ein Mann den Kragen hochschlägt, obwohl er nicht vorhat, sich im nächsten Moment eine Krawatte umzubinden. Entweder er heißt Humphrey Bogart und muss sich am Flughafen von Casablanca von der Liebe seines Lebens verabschieden, während ihm Regentropfen in den Nacken plätschern. Oder er ist die Reinkarnation von Eric Cantona, jener United-Legende mit dem abschätzigen Blick und dem gockelhaften Gang, dem man nachsagte, er sei vom Größenwahn besessen.

Den Kragen eines Polohemdes hochzuschlagen, dafür kann es ansonsten nur einen Grund geben: um sich gegen einen Shitstorm zu wappnen. Weitaus effektiver in diesem Fall wäre es jedoch, ihn einfach unten zu lassen. So kommt niemand zu Schaden - und dem nächsten Kunden schmeckt sein Eis wieder.