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Fashion Week Berlin:Das Büfett ist eröffnet

Modewoche Berlin - Kauffeld & Jahn Couture Show

3000 Marken zeigen ihre neuen Kollektionen, rund 200 000 Besucher werden erwartet. Die Berliner Fashion Week eröffnet an diesem Dienstag.

(Foto: ZB)

Nachwuchsdesigner, Streetwear, noble Massenmarken und Laufsteg-Schauen: Die Berliner Fashion Week will wieder alles unter einen Hut kriegen. Manche in der Szene sagen, das ist beliebig.

Von Anne Goebel, Berlin

Mode in Berlin, das ist eine wankelmütige Angelegenheit. Die Sommerausgabe der Fashion Week steht bevor, an diesem Dienstag startet der Reigen aus Shows und Messen, 3000 Marken zeigen ihre neuen Kollektionen, rund 200 000 Besucher werden erwartet bis kommenden Freitag. Und obwohl die Welt der Mode sonst stets eine Aura der Leichtigkeit umgibt, mit der Huldigung an das Schöne, der Eleganz der Entwürfe, dem mühelosen Gang der Mannequins: Die deutsche Modewoche besitzt eher einen Hang zum dramatischen Auf und Ab. Mal wandern große Namen davon, in der nächsten Saison wird daraufhin die Kraft der Newcomer beschworen, dann wiederum heißt in der Branche, die Chance auf ein bisschen internationale Bedeutung werde achtlos verspielt.

Diesmal startet die Hauptstadt aber vergleichsweise entspannt ins Juli-Defilée: Keine niederschmetternden Absagen, der vor einem halben Jahr etablierte "Berliner Salon" als Plattform hochkarätiger Labels geht planmäßig in Runde zwei und mit nach hinten verschobenen Terminen gibt es auch kaum Überschneidungen mit der Haute Couture in Paris.

Wobei man es auch übertreiben kann mit dem Beschwören der guten Stimmung. "Bread & Butter schreit vor Glück" titelte die Berliner Zeitung vor ein paar Wochen, als klar war, dass die insolvente Messe für hippe Alltagskleidung nach der Übernahme durch einen Onlinehändler an der Spree bleibt. Die Schau im alten Flughafen Tempelhof gehört zu den Magneten der Fashion Week und soll sich ab Herbst in eine Publikumsveranstaltung, eine einzige große Streetstyle-Party wandeln.

Der Berliner Weg? Ein bisschen Glanz für alle Genres

Das macht umso deutlicher, welchen Spagat Berlin da jede Saison versucht: Von den coolen Sneaker-Jungs der "B&B" über die Messe "Premium" als Revier nobler Massenmarken bis zur Mercedes Benz Fashion Week mit den Laufsteg-Schauen im Zelt am Brandenburger Tor - ein bisschen Glanz der Modewelt für alle Genres. Das ist eine erstaunliche Bandbreite, manche in der Szene finden: Das ist beliebig.

Was die Hauptstadt als Hort junger Talente betrifft, so entwickelt sich der "Berliner Salon" zu einer Art Design-Zentrale während der Modewoche. Der PR-Fachmann Marcus Kurz hat die Plattform gemeinsam mit Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, im Januar gegründet. "Wir wollen einen Ort des Austauschs schaffen, an dem junge und etablierte Designer mit einem internationalen Fachpublikum zusammenkommen", sagt Arp.

Junge Aufsteiger der Branche wie Dawid Tomaszewski, Michael Sontag oder Perret Schaad zeigen im Kronprinzenpalais Unter den Linden wieder neben arrivierten Modegrößen wie Odeeh oder Talbot Runhof ihre Entwürfe. Die Designerin Malaika Raiss hält die Gespräche über Marketingstrategien für fruchtbar, "wir lernen uns gegenseitig kennen, der Salon bringt frischen Wind in die Szene". Auch Leyla Piedayesh, mit ihrem Label Lala Berlin erfolgreich, zeigt sich überzeugt. "Der Berliner Salon ist eine hochwertige Bereicherung der Fashion Week."

Strengere Töne kommen nur von Melissa Drier, Berliner Korrespondentin des Fachmagazins Women's Wear Daily. Sie gilt als eine der angesehensten Modejournalistinnen des Landes und mahnt, dass Berlin erst eine Modestadt werden kann, wenn die Deutschen mehr Liebe zur Mode entwickeln. Sie komme gerade aus London, erzählt Drier, "und viele experimentieren dort mit ihrer Kleidung. Das kann der Queen-Mom-Stil sein oder Punk, und es sieht auch nicht immer gut aus. Aber die Leute spielen dieses Spiel." Die Deutschen dagegen, findet sie, "spielen dieses Spiel nicht".

© SZ vom 07.07.2015/olkl
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