Mario Testino in Berlin Mit Kate Moss auf der Toilette, mit Jennifer Lopez am Pool

Privat auf der Toilette: Kate Moss, 2006 in London.

(Foto: Mario Testino)

Hauptsache, schön und überlegen: Mario Testino ist für seine auffallenden und provokanten Bilder berühmt. Nun sind einige seiner Aufnahmen in Berlin zu sehen. Sie zeigen Prominente - und sagen auch etwas über den Fotografen selbst.

Von Felicitas Kock, Berlin

Jetzt sind sie doch alle da, auf der Fashion Week in Berlin. Lady Gaga, Madonna, Rihanna, die Moss, die Campbell, die Schiffer. Starfotograf Mario Testino hat sie mitgebracht, 125 an der Zahl, auf Fotopapier, hinter Glas, in großen Rahmen.

"In your face" heißt die Ausstellung, die der gebürtige Peruaner an diesem Dienstag in der Hauptstadt eröffnet. Und sie heiße so, weil er sich in seinen Bildern zeige, sagt Testino über den Titel der Präsentation. Er sei da, ehrlich und unverstellt - und die Leute könnten dann selbst entscheiden, ob sie das gut finden oder nicht.

Tatsächlich ist in der Berliner Kunstbibliothek die ganze Bandbreite der Testino-Fotografie zu sehen. Da sind die riesigen Porträts, überlebensgroße Inszenierungen für Hochglanzmagazine und Werbekampagnen. Sienna Miller in einem weißen Prinzessinnenkleid in einem Museum in Rom, Gisele Bündchen mit entblößtem Po am Strand, Josh Hartnett mit Lippenstiftverschmiertem Mund. Die Fotos in grellen Farben knallen dem Zuschauer von der dunklen Wand nur so entgegen.

Rote Lippen - von Josh Hartnett, 2005 in New York.

(Foto: Mario Testino)

Und dann gibt es die "persönlichen Bilder", wie es in der Ausstellung heißt: Party-Schnappschüsse, die aufgenommen wurden, als die Musik- und Filmbranche zusammenkam und die er vor einigen Jahren bereits unter dem Motto "Let me in!" gezeigt hatte. Mariah Carey, Donatella Versace und Beyoncé Knowles trinken gemeinsam Sekt; Adrien Brody, Kate Hudson, Nicole Kidman und Stella McCartney lachen. Auf einem anderen Bild trägt Robbie Williams einen BH.

So läuft das eben auf Parties: Testinos "At Mr. Chow's", 1998 in New York.

(Foto: Mario Testino)

"Menschen packen andere Menschen in Schubladen", sagt Testino in Berlin, "und ich will, dass meine Schublade geräumig und aufregend ist". Er will Platz haben für alles, was ihm Spaß macht. Das ist mal mehr, mal weniger aufwändig. Bei den inszenierten Aufnahmen gebe es viele Vorgaben, Stylisten, Visagisten, ein riesiges Team. Bei den Schnappschüssen hingegen sei er einfach nur da und fotografiere vollkommen spontan. Eines seiner berühmtesten Bilder, Kate Moss und Naomi Campbell auf der Toilette, sei entstanden, weil auf der Party so viel losgewesen sei, dass man in Gruppen das Klo benutzen musste. Wie er Hollywoodschauspieler und Supermodels auf Parties dazu bekomme, sich von ihm ablichten zu lassen? "Ich bin Mario Testino", sagt der Mann und lacht. Das muss als Erklärung reichen.

Aber ob inszeniert oder spontan, sein Anliegen ist stets dasselbe: "Ich will die Person im besten Licht zeigen", sagt der 60-Jährige. Er wolle die Schönheit der Menschen einfangen. Zumindest bei den inszenierten Bildern kommt noch ein weiteres Element dazu: Überlegenheit. Ob Naomi Campbell zur Tür hereinkommt und von allen Anwesenden angestarrt wird, ob Jennifer Lopez neben ihrem Pool ein paar Kampfhunde an der Leine hält oder Demi Moore nackt am geöffneten Fenster steht - Testino inszeniert seine Modelle wie Königinnen. Vielleicht nennen ihn deswegen viele einen "Hoffotografen" (Testino wird tatsächlich auch regelmäßig von den britischen Royals engagiert). Auf dem Titelbild der Ausstellung zeigt er Claudia Schiffer fast nackt und in herausfordernder Pose.

Aufreizend herausfordernd oder herausfordernd aufreizend? Claudia Schiffer 2008 in Paris

(Foto: Mario Testino)

Nach Boston, Buenos Aires und São Paolo ist die Retrospektive zum ersten Mal in Europa zu sehen. Und dann ausgerechnet Berlin, was nicht ohne Grund geschehen ist. Er liebe die Kreativität der Stadt, sagt Testino beinahe bescheiden. Wenn er im Sommer da sei, fahre er gern mit dem Fahrrad durch die Straßen, besuche Künstler und Galerien. "Was Künstler hier machen, ist beeindruckend", sagt der Fotograf, der seit 20 Jahren zeitgenössische Kunst sammelt. "Diese Freiheit, die sie sich nehmen - das ist bei mir nicht möglich. Ich male keine Bilder, ich mache ja nur Fotos."

Mario Testino: In your face, läuft noch bis 26. Juli 2015 im Berliner Kulturforum