Gespräch mit Gucci-Chefdesigner "Die Mode ist ein Gefängnis mit dicken Mauern geworden"

Alessandro Michele in seinem Büro in Rom. An seinen Fingern trägt er acht "Trauerringe": "Sie sind für mich wie magische Polaroids."

(Foto: Rahi Rezvani)

Der Designer Alessandro Michele hat Gucci zur begehrtesten Modemarke der Welt gemacht. Sein Geheimnis sieht er darin, dass es ihn nicht kümmert, was man von ihm erwartet.

Interview von Michael Ebert und Sven Michaelsen, SZ-Magazin

SZ-Magazin: Die vollmundigsten Sätze Ihrer Karriere lauten: "Die Mode ist wie eine alte Dame, die auf dem Sterbebett liegt. Ich denke, wir sollten sie sterben lassen." Warum begrüßt ein Modedesigner den Tod der Mode?

Alessandro Michele: Um sie wiederauferstehen zu lassen. Die Mode ist ein Gefängnis mit dicken Mauern geworden, und ich gebe ihr die kreative Freiheit zurück. In den Neunzigerjahren wurde großartige Mode gemacht, sogar die Anzeigenkampagnen waren Meisterwerke. Nach 2000 wurde dann nur noch Mode produziert, die den ...