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Design aus Deutschland:German Style

Moderne Eleganz: Pendelleuchte von Formagenda

(Foto: Kilian Blees)

Sharon Berkal will mit der Plattform "Haus Glanz" an die Bauhaus-Tradition anknüpfen: Sie verkauft gutes Design aus Deutschland.

Deutsches Design zu feiern, fällt nicht immer leicht. Weil es so viel schlechtes deutsches Design gibt. Und weil ein positiver Bezug auf deutsche Kulturleistungen überhaupt Überwindung kosten mag - in Zeiten, in denen deutsche Kultur und Identität wieder stark von rechts instrumentalisiert werden.

Erscheint es da nicht, wenn man einmal ein paar Euro für ein hochwertiges Designprodukt übrig hat, viel lohnender, gleich über den nationalen Tellerrand zu schauen, nach Paris oder Italien, und so noch etwas Savoir-vivre oder Grandezza mit einzukaufen - statt der befürchteten hiesigen Piefigkeit und Tümelei? Sharon Berkal findet das falsch: "Warum hat in Deutschland nicht jeder mindestens eine Tasse von Meissen in seiner Wohnung stehen?", fragt sie. "Das ist Unternehmenshistorie, die uns über die Jahrhunderte geprägt hat. Meissen, gegründet 1710, ist die älteste Luxusmarke Europas - das muss man sich einmal vorstellen!"

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Hinter dieser unschönen und sinnfreien Kreation steckt der Designer Matt Benedetto. Und er hat noch mehr Absurdes im Angebot.

Sharon Berkal ist Initiatorin und Sortiment-Gestalterin von Haus Glanz, einem - schnöde gesagt - Onlineshop für qualitativ hochwertige Designprodukte aus Deutschland, oder, das klingt gleich verlockender, einem "Heim für die schönen Seiten Deutschlands". Deutsche Designprodukte in einem Rahmen anzubieten, der modern und unpiefig ist, selbstbewusst, vielleicht sogar ein bisschen stolz, aber nicht im übertrieben nationalistischen Sinn: Das ist ihr Ziel. Im Sortiment von Haus Glanz gibt es die wunderschönen, perlenkettenartigen Leuchtobjekte der Firma Formagenda aus München, die im Schlaf wirkenden Beautyprodukte der Hamburger Kosmetikmarke Bynacht, die luxuriös-lässigen Ledertaschen der Marke PB 0110, entworfen von Ayzit Bostan. Und vieles mehr.

Wie wird man zur Unternehmerin, die mit ihrem Shopkonzept auch an komplexen Fragen des nationalen Selbstverständnisses rührt? Nicht auf direktem Weg. Berkal stammt aus München, studierte Modejournalismus am Royal College of Fashion in London. 1999 kam sie nach Berlin und arbeitete zunächst als Musikvideo-Regisseurin. Eines ihrer Videos, für die Band Beatsteaks, war 2008 für einen Echo nominiert.

Danach wurde sie Mitarbeiterin der Deutschen Welle, produzierte Beiträge für deren Lifestyle-Format "Euromaxx". Design, Mode, Reisen: "Ein netter Job, da habe ich Europa neu kennengelernt", schmunzelt sie. Und eben dort, im Ausland, fiel ihr auf, was für einen exzellenten Ruf deutsches Design und deutsche Marken außerhalb Deutschlands genießen. Bei Weitem nicht nur das Bauhaus. Auch Meissner Porzellan. KPM. Die Füllfederhalter der Nürnberger Firma Kaweco, gegründet 1883. "Da dachte ich: Es fehlt jemand, der sagt: Das ist auch schön, guck dir das an, das ist toll. Jemand, der das immer wieder - steter Tropfen höhlt den Stein - den Leuten zeigt."