Rezepte im Netz:"Toast Hawaii, bist du total verrückt?"

Lesezeit: 6 min

Mit ihrem Blog wollten sie ursprünglich ein Gegenwicht zu der aufgehübschten, überästhetischen Kochwelt auf Instagram oder in Food-Blogs schaffen, sagen sie. Dort, wo selbst Spaghetti mit Tomatensoße wie ein Gemälde wirken. Die beiden Studenten haben mit ihrem ironischen Rezeptprojekt den Preis der "Food Blogger 2017" gewonnen. Dafür hat es gereicht, dass sie selbst "ganz okay " kochen können. Bei den Leseshows von "Worst of Chefkoch" dürfen die Zuschauer verkosten, was Diestel und Löffelbein aus ihrer schrulligen Mikrowelle holen. Und so ironisch wie sie sieht die Rezepte längst nicht jeder ihrer Gäste. Ein Zuschauer, so erzählen sie, sagte ihnen nach der Show: "Dieser Nufleika schmeckt einfach geil, den muss ich mal nachkochen."

Ist ein gutes Rezept am Ende doch nur eine Geschmacksfrage?

Worst of Chefkoch:

Nufleika heißt dieses schwer verdauliche Rezept aus der Sammlung "Worst of Chefkoch": Toast mit Fleischwurst und Nutella, überbacken mit Scheibletten-Käse.

(Foto: Stefanie Preuin)

Brigitte Berghammer-Hunger urteilt diplomatisch über den Nutella-Fleischwurst-Käsetoast: Etwas Gewöhnung sei bei Geschmack schon im Spiel, "früher hat ja auch jeder gesagt: ,Toast Hawaii, bist du total verrückt?' Und heute wird's immer noch gegessen." Der frühere Sternekoch Andi Schweiger ist beim Nufleika-Rezept strenger: "Das klingt mir nach irgendwas planlos Zusammengewurschteltem." Denn Geschmacksregeln gibt es natürlich schon. Ein Rezept brauche eine gewisse Harmonielehre, sagt Schweiger. Die Kombination aus süß und salzig sei oft gut, aber Süße, Säure, Salzigkeit ideal aufeinander abzustimmen, sie "rund zu machen", das sei der wahre Weg zu einem guten Rezept.

Eine Königsregel kommt schließlich von Eckart Witzigmann, einem Mann, der nicht nur als einer der besten Köche überhaupt bekannt ist, sondern auch dafür, dass viele seiner Rezepte trotzdem als nachkochbar und präzise gelten. "Die Frage nach dem guten Rezept ist eine unendliche Geschichte", sagt Witzigmann. Es gehe ja immer weiter mit der Entwicklung am Herd. Am Ende helfe nur: genau und mehrfach lesen und sich über alle Rahmenbedingungen klar werden. Denn die Gleichung "Ein gutes Rezept macht ein gutes Gericht" gehe nur dann auf, wenn zwischen Verfasser und Ausführer "Waffengleichheit" herrsche.

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