Ladies & Gentlemen Die Politik hat den Strand erreicht

Kapitänin Carola Racketes schlichtes Outfit in der ZDF-Talkshow Dunja Hayali.

(Foto: dpa)

Kreuz vor nacktem Bauch - so versucht es der italienische Minister Matteo Salvini. Kapitänin Carola Rackete setzt lieber auf gesunden Menschenverstand und ist damit ein echtes Stilvorbild.

Von Julia Werner und Max Scharnigg

Auf Kurs: Die Kapitänin

Was tragen Stilvorbilder im Sommer? Ganz sicher keine Bikinis auf Booten im Mittelmeer. Auf denen schippern sie zwar rum, aber eben nicht zum Vergnügen, sondern zum Beispiel um bei der Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge zu helfen. Deshalb saß auch Carola Rackete, die ehemalige Kapitänin der in Italien festsitzenden Seawatch 3, vor einigen Tagen in einer Talkshow und enttäuschte das Publikum damit, dort nicht allzu emotional zu werden. Sondern mit Fakten und Statistiken ihre Entscheidung zu unterstreichen: Leben retten, wo Leben in Gefahr sind.

Stilistisch gesehen ist diese nüchterne Tränentrockenheit natürlich ein Wagnis. Denn um eine Botschaft ans Volk zu bringen, muss man sie heutzutage eigentlich unbedingt emotional aufladen. Noch besser: gleich mit ein bisschen Pathos zur eigenen Marke werden. Modelabels wissen das und drucken heute deshalb regelmäßig gesellschaftspolitische Bonmots auf T-Shirts, um so zu tun, als seien sie nah am Geschehen. Wenn man wirklich an das glaubt, was man so tut, ist die Sache aber natürlich noch viel authentischer: Haare waschen, das Shirt der "Extinction Rebellion"-Bewegung anziehen, die sich mit Mitteln des zivilen Ungehorsams gegen das Aussterben von Tieren und Pflanzen einsetzen möchte, und ab geht's vor die Kamera.

Racketes Outfit ist gewiss kein Showgranaten-Look, wirkt aber doch, weil es unterstreicht, was ihr eigentlich wichtig ist. Halten wir fest: Die Mode ist tot, und auf dem Sofa von Dunja Hayali saß eine wunderschöne Frau. Was trägt man diesen Sommer? Gesunden Menschenverstand. Julia Werner

Auf Krawall: Der Minister

Matteo Salvini im Kajak während seiner "Italienischen Sommertour".

(Foto: dpa)

Der Bilderdienst der Deutschen Presse-Agentur sah sich letzte Woche zu folgender Berichtigung veranlasst: Bei den gesendeten Bildern "Salvini im Urlaub" ist die Überschrift nicht korrekt. Salvini befindet sich nicht im Urlaub, sondern auf Sommertour als Chef der rechten Lega. Dieser Fehler ist verzeihlich. Denn die Wonne mit der der mutmaßlich nächste Ministerpräsident Italiens Sandburgen baute, im seichten Wasser ebensolche Parolen verteilte und seinen nackten Männerbauch für Selfies mit Bikini-Damen zur Verfügung stellte, hätte jeder Spitzenpolitiker Europas wohl lieber als Urlaub deklariert.

Nicht so Herr Salvini, der die "Das Boot ist voll!"-These selbst im prallvollen Kajak untermauerte und seine Körperlichkeit offenkundig genoss. "Platz da, ich bin der Landvogt!", sagte Bud Spencer einst, wenn er an die Theke trat, und genau mit diesem breiten Selbstverständnis rumpelte der Minister dort entlang, womit er in den letzten Monaten Politik machte: an den Stränden Italiens.

Man bedenke nur, was los wäre, wenn eine Frau mit ähnlichem Amt und Umfang auf diese freizügige Art Wahlkampf gemacht hätte - Salvini wäre vermutlich der Erste gewesen, der hämische Bemerkungen verstreut hätte. Nein, das ist sehr männliches Getue und eines, das nur durch ein übermäßig geschwollenes Selbstbild zu erklären ist. Gibt's auch noch modische Details zu erwähnen? Nun, das große Holzkreuz, das oben auf Salvinis Abdomen aufliegt, ist vermutlich als stilistisches Accessoire zu verstehen. Ein Bekenntnis zu christlicher Nächstenliebe kann es ja eher nicht sein. Max Scharnigg

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