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Mode im Königshaus:Mrs. Makel

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Wenn Meghan Markle öffentlich auftritt, schießen die Verkaufszahlen für die von ihr getragenen Kleidungsstücke in die Höhe.

Geht es nach der englischen Boulevardpresse, macht die Herzogin von Sussex nie etwas richtig. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der "Meghan-Effekt" ist vor allem modisch ziemlich erfolgreich.

Die Frage war eigentlich nicht, ob, sondern nur wie. Royaler Leger-Look wie bei Kate vor drei Jahren? Oder eher Dianalike, mit ein paar Kronjuwelen und Abendrobe? Ach was, Meghan Markle würde sich auf ihrem ersten Vogue-Cover natürlich ganz anders zeigen, so wie bei der Frau von Prinz Harry ja alles etwas anders abläuft, als man es bislang von der königlichen Familie gewohnt war. Dass es allerdings so ganz anders kommt, hätten sich nicht einmal die englischen Boulevardblätter ausdenken können: Denn Meghan ist zwar in Vogue, aber nicht auf der Vogue.

Die Herzogin von Sussex wirkte bei der gerade erschienenen Septemberausgabe der britischen Vogue - der wichtigsten im Jahr - als "Guest Editor" mit, verzichtete aber offensichtlich bewusst darauf, auch auf dem Titelbild zu erscheinen. Laut Chefredakteur Edward Enninful sei ihr das "anmaßend" vorgekommen. Lieber wollte sie den bemerkenswerten Frauen den Vortritt lassen, die sie für die Ausgabe ausgesucht haben. Darunter die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern, die Klimaaktivistin Greta Thunberg, die muslimische Boxerin Ramla Ali oder Schauspielerin Jane Fonda - insgesamt 15 starke Frauen, "Forces for change", wie es zu ihren Porträts auf dem Cover heißt. Ein hübscher Coup für das Heft wie für die Herzogin.

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Nach Beyoncé gestaltet nun die britische Herzogin Meghan eine "Vogue"-Hochglanzausgabe. Das sorgt nicht bei allen für Begeisterung.   Von Cathrin Kahlweit

Aber natürlich konnte man die Uhr danach stellen, bis es die erste Kritik aus der heimischen Presse hagelte. Viel zu elitär das Blatt und überhaupt solle sich die Herzogin um Wichtigeres kümmern, als über "die Korridore des Vogue-Hauses zu flitzen und Journalistin zu spielen", sondern "ein fleißiges Mitglied der Familie Windsor sein", wetterte die Daily Mail. Als solches hält man offensichtlich fleißig die Klappe.

Zur Erinnerung: Kate Middleton ließ sich ebenfalls schon mit dem Elite-Blatt ein, allerdings beschränkte sie sich 2016 darauf, sehr wohl auf dem Cover und in einer mehrseitigen Hochglanzstrecke zu erscheinen, statt darüber hinaus mitwirken zu wollen. Das entsprach nicht nur dem bisherigen Prozedere mit Prinzessinnen, First Ladies und dergleichen auf Magazintiteln, sondern offensichtlich auch mehr dem öffentlichen Protokoll. Jedenfalls fiel das Echo damals deutlich positiver aus.

Eine halbe Million Pfund für die Garderobe in einem Jahr

Wurde Meghan Markle zu Anfang noch als herrlich modern und erfrischender Neuzugang fürs Königshaus gefeiert, werde, so schrieb gerade der Guardian, die 37-Jährige nun zunehmend als "keine von uns" empfunden. Meghan "Antoinette" Markle nannte sie das Blatt The Sun kürzlich, weil sie mit Geld für Kleidung, Einrichtung, Baby Shower nur so um sich werfe. Allein 2018 soll sie fast eine halbe Million Pfund für ihre Garderobe ausgegeben haben - das Hochzeitskleid von Givenchy nicht eingerechnet - während Kate sparsam mit 68 000 Pfund auskommt. Damit propagiere Markle einen Lifestyle, der das Volk "in Rage" versetze. Kritisiert wird sie für fast alles, was sie tut: Kurz nach der Hochzeit warfen "Fans des Königshauses" ihr in der Daily Mail vor, "schreckliche Strumpfhosen zu tragen"; als sie Anfang Juli in Jeans das Wimbledon-Turnier besuchte, machte die Mail auch daraus einen Skandal. Das Outfit sei ein "Albtraum".

Interessant deshalb, dass die Herzogin das Volk trotz all der heftigen Kritik nicht nur in Rage, sondern auch in Kauflaune versetzt. Was auch immer Meghan Markle anzieht, wird sofort massenhaft nachgefragt. Als sie in einem sandfarbenen Mantel der kanadischen Marke Mackage in Belfast auftrat, zählte das kleine Label innerhalb der ersten 24 Stunden 1,6 Milliarden Erwähnungen online, ihre Handtasche der schottischen Marke Strathberry war sofort ausverkauft, statt sechs Millionen macht das Label jetzt zwölf Millionen Pfund Umsatz. Eine Sonnenbrille von Finlay & Co., die sie bei den "Invictus Games" 2017 trug, ist noch immer der Bestseller der Brand. Offensichtlich wollen also sogar ziemlich viele im britischen Volk und anderswo genau diesen Lifestyle haben. Die "Firma" hat schon schlechteres Marketing erlebt.

Noch schlimmer für Traditionalisten: Der "Meghan-Effekt" ist größer als der "Kate-Effekt". Wie die Mode-Suchmaschine Lyst herausfand, führt die Modewahl von Herzogin Kate durchschnittlich zu einem Online-Nachfrageanstieg von 119 Prozent in der darauffolgenden Woche. Die Garderobe von Herzogin Meghan hingegen lässt die Nachfrage im Durchschnitt locker verdreifachen (216 Prozent). Mag sein, dass Herzogin Kate für ihren klassischen, "nahbaren" Stil gelobt wird - modisch weiter vorne ist eindeutig ihre Schwägerin.

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Auch wenn die Herzogin für viele modisches Vorbild ist: Ihr Outfit wird oft kritisiert, zuletzt die Jeans, die sie in Wimbledon trug.

(Foto: Action Press)

Nicht nur trägt Markle modernere Schnitte - etwa ein cremefarbenes Givenchy-Cape-Dress, das ein bisschen an diese Flaschenkühler zum Überziehen erinnerte. Sie baut auch Botschaften in die Wahl ihrer Labels ein, nachhaltige Sneaker von Veja, ökologisches Denim von Outerdenim. Es war sicher kein Zufall, dass sie für das erste offizielle Babyfoto ein Kleid der aufstrebenden britischen Designerin Grace Wales Bonner wählte, die wie Markle schwarze und weiße Vorfahren hat.

Archies Babydecke wurde wohl nicht zu fairen Löhnen produziert

Auch ihre Vogue ist "bang on trend" wie die Engländer sagen, modisch voll auf den Punkt. Vielfältiger sah ein Cover sicher noch nie aus; obgleich die "Forces of Change" zwar hübsch inszeniert sind, aber leider kaum zu Wort kommen. Inhaltlich ist von Michelle Obama bis zu Dichterinnen, paraolympischen Sportlerinnen und Ingenieurinnen, die ihre Protegés vorstellen, ebenfalls alles ziemlich "diverse". Sogar Prinz Harry ist mit an Bord und traf die legendäre Schimpansenforscherin Jane Goodall zum Gespräch. Wer sich dann noch über Semi-Aktivistinnen wie Salma Hayek aufregt, die zwar für ihren "Me Too"-Essay über Harvey Weinstein großen Respekt erntete, aber vor allem als Schauspielerin und Ehefrau von Luxusmagnat François-Henri Pinault bekannt ist, guckt offensichtlich sonst nie in die Vogue. Vielleicht nicht unbedingt ein Elite-, aber immer noch das bekannteste Glamour-Blatt.

Aber natürlich wäre das keine normale Meghan-Markle-Woche gewesen, wenn bei ihr am Ende nicht noch ein Makel entdeckt worden wäre. Einen Tag nach der Vogue-Ankündigung kamen die Reporter der Daily Mail von einer Indienreise zurück: auf den Spuren der "Royal Blanket", der gelb-weißen Decke, in die Baby Archie gerade vorzugsweise gewickelt wird. Das 33-Pfund-Modell ist natürlich längst ausverkauft und kann lediglich vorbestellt werden.

Das Design stammt von der Marke "Malabar Baby", die mit ökologischem "luxury for littles" wirbt - aber offensichtlich nicht unter ähnlich luxuriösen Bedingungen produziert. Die Daily Mail zeigte einen heruntergekommenen Sweatshop in Rajasthan und fotografierte die Arbeiter, die zwar hocherfreut waren, dass ihre Decken einen kleinen Royal wärmen, aber lediglich 37 Penny die Stunde verdienen. Bei einer 48-Stunden-Woche kommen sie damit auf umgerechnet 70 Pfund im Monat - oder auf das, was zwei Royal Blankets im Verkauf kosten. Keine gute PR. Hätte das die sonst so nachhaltig denkende Herzogin nicht vorher überprüfen lassen müssen? Baby Archie wird jetzt in jedem Fall eine andere Decke brauchen.

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