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Alexander Zverev:Ein folgenreicher Doppelfehler

ATP Finals

Aus der Traum von der Titelverteidigung: Alexander Zverev verliert im ATP-Halbfinale gegen den Österreicher Dominic Thiem mit 5:7, 3:6.

(Foto: Tony O'Brien/Reuters)
  • Am Ende einer durchwachsenen Saison hoffte Alexander Zverev, bei den ATP-Finals in London ins Endspiel einzuziehen.
  • Doch Dominic Thiem ist zu stark - und der deutsche Tennisspieler wackelt mal wieder.

Ein Doppelfehler. Natürlich. Fast 400 waren Alexander Zverev in diesem Jahr unterlaufen, doppelt so viele wie 2018. Und im Halbfinale der ATP-Finals am Samstagabend unterlief dem deutschen Tennisspieler mal wieder ein folgenschwerer. 5:6 und 15:40 lag Zverev im ersten Satz gegen Dominic Thiem zurück, einen Satzball hatte er abgewehrt, doch dann wackelte der Arm beim Aufschlag wie in dieser Saison so oft. Der 22-Jährige schritt mit hängendem Kopf zurück auf die Bank, setzte sich - und schleuderte seinen Schläger auf den Boden. Er flog bis zur Grundlinie. Keine halbe Stunde später war Zverev ausgeschieden. Der Traum der Titelverteidigung war zerplatzt, 5:7 und 3:6 hatte er gegen den starken Thiem verloren.

Im Vorjahr hatte Alexander Zverev beim Turnier in London noch mit einem Sieg im Finale gegen Novak Djokovic triumphiert - es war sein erster großer Titel. Die Erwartungen an ihn in der Saison 2019 waren dementsprechend groß gewesen. Doch Zverev konnte sie in den vergangenen Monaten meist nicht wirklich erfüllen. Im Mai gewann er das Turnier in Genf - es blieb jedoch sein einziger Turniersieg in diesem Jahr. Bei den French Open erreichte er immerhin das Viertelfinale, in Wimbledon dagegen scheiterte er bereits in der ersten Runde an dem Qualifikanten Jiří Veselý. Zverev hatte auf dem Platz Probleme, aber auch abseits davon. Die Trennung von seinem Manager uferte in einen monatelangen Rechtsstreit aus, sein Vater, der auch sein Trainer ist, musste im Sommer ins Krankenhaus, und die Zusammenarbeit mit Ivan Lendl endete im Juli jäh wegen persönlicher Differenzen.

Gegen Ende der Saison jedoch steigerte sich Zverev. Sein Aufschlag kam wieder zuverlässiger, die Schläge wurden präziser, das Selbstvertrauen stieg endlich. Beim Masters-Turnier in Shanghai im Oktober erreichte Zverev das Finale und qualifizierte sich doch noch für die ATP-Finals, bei denen die besten acht Spieler der Welt teilnehmen dürfen. "Das ist ein spezieller Ort für mich, hier spiele ich mein bestes Tennis", sagte Zverev nach seinem Einzug ins Halbfinale am Freitag.

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Auch wenn im Halbfinale Thiem nun zu stark für ihn spielte, war das Jahresabschluss-Turnier dennoch ein Erfolg für Zverev. Schon vor Beginn der Partie war klar, dass es für ihn eine knifflige Aufgabe werden würde. Thiem hat sein Spiel in den vergangenen Monaten umgestellt, er spielt aggressiver und feiert nicht mehr nur auf Sand große Erfolge. In London fegte er in der Vorrunde erst Roger Federer, dann Djokovic vom Platz. Er spielte brillant.

Thiem trifft auf Tsitsipas

Im Halbfinale begannen beide Spieler vorsichtig. Zverev hatte früh zwei Breakbälle, konnte sie aber nicht nutzen. Als der erste Satz dann in die entscheidende Phase ging, unterliefen Zverev zu viele einfache Fehler. Beim Stand von 4:5 strauchelte er schon, beim Stand von 5:6 schlug er eine Vorhand ins Nirgendwo und gab seinen Aufschlag schließlich mit dem ärgerlichen Doppelfehler ab. Im zweiten Satz gelang es Zverev, der in der Vorrunde den Weltranglistenersten Rafael Nadal besiegt hatte, sich zunächst wieder zu fokussieren. Doch beim Stand von 2:2 zog Thiem unaufhaltbar davon. Zverev erlaubte sich zwar keinen Doppelfehler mehr, aber der erste Aufschlag wackelte. Der Deutsche hatte noch einmal die Chance zum Re-Break, doch Thiem drosch die Bälle zu platziert über den Platz. Nach eineinhalb Stunden jubelte Thiem ausgelassen, Zverev blickte an die Hallendecke.

Im Finale am Sonntagabend (19 Uhr) trifft Thiem auf Stefanos Tsitsipas. Der 21-jährige Grieche, der erstmals bei den ATP-Finals dabei ist, gewann im Halbfinale gegen den 17 Jahre älteren Federer mit 6:3 und 6:4. Zu Beginn des Jahres war Tsitsipas lediglich Weltranglisten-15. gewesen, er machte jedoch mit seinem abwechslungsreichen Spiel, seinen Erfolgen und seiner aufgeschlossenen Art schnell auf sich aufmerksam. Bei den Australian Open im Januar scheiterte er nach einem Sieg gegen Federer erst im Halbfinale an Nadal. Tsitsipas gewann 2019 zwei Titel in Estoril und Marseille, in Dubai, beim Masters in Madrid und in Peking erreichte er das Endspiel.

Es dürfte ein interessantes Finale werden. Thiem und Tsitsipas sind die beiden Spieler, die zwar keinen der großen Titel in diesem Jahr geholt haben, in dieser Woche in London aber den stärksten Eindruck hinterlassen haben.

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