Volleyball:Den Fluch besiegt

Volleyball: Vom Zuschauer zum Hauptdarsteller: Herrschings Zuspieler Lenny Graven (Mitte) freut sich über den Einzug ins Pokalfinale.

Vom Zuschauer zum Hauptdarsteller: Herrschings Zuspieler Lenny Graven (Mitte) freut sich über den Einzug ins Pokalfinale.

(Foto: Steffen Eirich/oh)

Herrschings Volleyballer frohlocken nach ihrem ersten Einzug ins DVV-Pokalfinale - der zugleich der größte Erfolg in ihrer Vereinsgeschichte ist. Am 3. März spielen sie nun gegen die Übermannschaft aus Berlin. Und haben nichts zu verlieren.

Von Sebastian Winter

Es war fast schon ein Fluch, der auf Herrschings Volleyballern lastete. Fünfmal waren sie seit ihrem Erstligaaufstieg vor neun Jahren ins DVV-Pokalhalbfinale eingezogen, fünfmal scheiterten sie dort: 2016 und 2019 erwartungsgemäß beim Überklub Berlin Recycling Volleys, 2017 eher überraschend bei den Bisons aus Bühl, 2020 und 2021 dann jeweils im fünften Satz an Königs Wusterhausen und Lüneburg. Vor allem die Niederlage gegen Königs Wusterhausen, als die Herrschinger nach ihrem vermeintlich verwandelten Matchball schon wild umhersprangen und sich im Finale wähnten, hat sich in ihre Seele eingebrannt. Denn der Unparteiische nahm ihren Siegpunkt zurück - am Ende verloren die Oberbayern die Partie, obwohl sie viele weitere Matchbälle hatten.

Von einem Fluch wollen sie nun nichts mehr wissen, denn am Mittwoch ist es Herrsching gelungen, ihn zu besiegen. Mit einem so leichten wie glanzvollen 3:0-Erfolg beim eher als Favorit eingestuften Bundesliga-Tabellenvierten Helios Grizzlys Giesen ist den Volleys endlich der Einzug ins DVV-Pokalfinale geglückt. Es ist zugleich der größte Erfolg in ihrer Vereinsgeschichte.

Am 3. März spielt Herrsching in Mannheim vor bis zu 12 000 Zuschauern um den Pokaltitel, Gegner ist dort kein Geringerer als der deutsche Dauermeister Berlin, was Volleys-Trainer Thomas Ranner aber überhaupt nicht nervös macht: "Ich will dieses Ding gewinnen, auch wenn sie so viel besser sind auf dem Papier. Es wird unser Highlight des Jahres werden."

Graven bringt die Giesener Angreifer mit akrobatischen Abwehraktionen zur Verzweiflung

Die Herrschinger hatten sich dieses Finale mit ihrer besten Saisonleistung verdient, alles passte zusammen an diesem Abend, an dem der 19-jährige Libero Lenny Graven über sich hinauswuchs und die Giesener Angreifer mit akrobatischen Abwehraktionen zur Verzweiflung brachte. Und an dem die Aufschläge der Gäste wie Tomahawks ins gegnerische Feld prasselten - einmal gelang es Herrschings Außenangreifer Daniel Gruvaeus dabei, sieben Punkte in Serie zu machen. Graven war kurz nach dem Spiel dermaßen beseelt vom Gedanken an sein erstes Pokalfinale, dass er bei Dyn bezüglich des Ligenbetriebs, der am 3. März zum Pokalfinale traditionell ruht, sagte: "Einfach keiner spielt Volleyball an diesem Tag, wegen uns!"

Graven war mit seinen Kollegen mit dem Reisebus um sechs Uhr morgens aus Giesen in die Heimat zurückgekehrt, es dämmerte schon, Zuspieler Severin Brandt steckte auf dem Weg ins Bett dann auch noch im Münchner Berufsverkehr fest. Alkohol gab es keinen im Bus, die Stimmung war eher feierlich als ausgelassen, "wir waren alle so platt, um halb zwei habe ich geschlafen", sagt Graven. Der MVP des Giesen-Spiels konnte selbst am Freitag noch nicht wirklich realisieren, was er und seine Mitspieler da geschafft hatten zwei Tage zuvor: "Die Tragweite wird mir wohl erst in Mannheim bewusst." 2022 war er schon einmal dort, mit ein paar Freunden hatte er sich in den Zug gesetzt, um als Zuschauer dabei zu sein. Stuttgarts Frauen gewannen, und Friedrichshafens Männer - mit dem Co-Trainer Ranner. Er ist der einzige Herrschinger, der schon einmal den DVV-Pokal in den Händen gehalten hat.

Volleyball: Das erwartet die Herrschinger in Mannheim: Szene vom Pokalfinale 2023.

Das erwartet die Herrschinger in Mannheim: Szene vom Pokalfinale 2023.

(Foto: DVV/VBL/Conny Kurth)

Einige Spieler standen bereits im Finale, Zuspieler Eric Burggräf (mit Düren), Mittelblocker Magloire Mayaula (mit Bühl) oder Außenangreifer Theo Timmermann. Letzterer hatte Herrsching mit Königs Wusterhausen die so bittere Niederlage im Halbfinale beschert. Gewonnen hat das Endspiel aber keiner von ihnen.

Der Klub vom Ammersee wird sich wieder etwas Besonderes einfallen lassen für Mannheim, oft verbrüdern sich ja die Fanlager der Frauen und Männer aus dem Süden und dem Norden. Und wer weiß, vielleicht qualifiziert sich in Vilsbiburgs Frauen ja noch ein zweites bayerisches Team fürs Finale. Für Herrsching geht es aber erst mal am Sonntag zum Ligaspiel nach Bitterfeld - und zwar im Regenbogen-Trikot, anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember. Das passt irgendwie in diese Wochen, in denen alles rosarot ist.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: