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Würzburger Kickers:Wieder im Alltag

Deutschland, Wuerzburg, Flyeralarm Arena, 22.02.2020, emspor, emonline, despor, deonline, FC Wuerzburger Kickers vs. Ei

„Rote Karte dem Rassismus“: Trainer Schiele und die Spieler haben sich T-Shirts bedrucken lassen.

(Foto: Heiko Becker / imago)

Das 3:1 gegen Eintracht Braunschweig zeigt die spielerische Konstanz der Würzburger Kickers. Trainer Michael Schiele hat seiner Mannschaft die Launen ausgetrieben. Er fordert ein rastloses Spiel: angreifen, Druck aufbauen, rennen.

Von Sebastian Leisgang

Nachdem Schiedsrichter Asmir Osmanagic am Samstagnachmittag zum letzten Mal in seine Pfeife geblasen hatte, ging es wieder um jene Themen, um die es nach Fußballspielen für gewöhnlich geht. Um Tore, um Taktik, um Ein- und Auswechslungen, um nichts jedenfalls, das den Lauf der Welt von Grund auf ändern wird. Eine Woche zuvor war das noch anders gewesen, als die Würzburger Kickers in der dritten Liga Fußball gespielt hatten.

In Münster hatte Leroy Kwadwo, Würzburgs linker Verteidiger, rechte Parolen über sich ergehen lassen müssen. Es war einer jener Momente, die betroffen machen, er wirkte aber auch ermutigend, weil die Zuschauer den Täter stellten und ihn nicht in der Anonymität der Masse davonkommen ließen. Nach dem Spiel ging es nur am Rande um Tore, um Taktik, um Ein- und Auswechslungen - es ging um grundlegende Dinge, um gesellschaftliche, um soziale. Für ein paar Tage änderte sich der Lauf der Welt, zumindest jener rund um den Dallenberg. Kwadwo äußerte sich in den sozialen Medien, dann trat er im Sportstudio auf, und schließlich organisierten die Kickers eine Kampagne gegen Rassismus.

Am Samstagnachmittag dann also Spiel eins nach den Vorfällen von Münster, Kwadwo stand im Würzburger Fanblock, er war gesperrt und deshalb nicht einsatzberechtigt. Aus der Kurve sah er, wie die Kickers gegen Eintracht Braunschweig 3:1 (2:0) gewannen und wie sein Trainer Michael Schiele am Spielfeldrand mit einem T-Shirt auf und ab lief, darauf der Schriftzug: "Rote Karte dem Rassismus". Am Tag nach dem Spiel betonte Schiele: "Es war nötig, dass wir über Münster gesprochen haben und dagegen vorgegangen sind." Nun hoffe er, dass sich das nicht wiederhole und der Fußball jetzt wieder in den Mittelpunkt rücke.

Schiele, 41, spricht momentan gerne über Fußball. Es sind angenehme Tage für ihn, schließlich hat er seiner Mannschaft die Launen ausgetrieben und sie auf Konstanz getrimmt. In der Vorrunde hatte man sich bei seiner Mannschaft ja bloß auf eine Sache verlassen können: dass sie bestimmt wieder ein Gegentor bekommen würde. Jetzt aber: zuverlässig gute Spiele, zuverlässig gute Resultate. Sieben Punkte aus drei Dezember-Spielen - und nun also, nach dem unglücklichen 1:2 Ende Januar gegen die SpVgg Unterhaching, zehn Punkte aus vier Februar-Spielen. "Die Überzeugung ist jetzt da", erklärte Schiele am Sonntag. Und: "Es ist auch beim Letzten übergegangen, wie wir im Kollektiv Fußball spielen wollen."

Schiele steht für ein rastloses Spiel. Angreifen, Druck aufbauen, rennen, als gäbe es kein Morgen - das ist sein Ansatz. "Es freut mich, dass wir jetzt unter den ersten Zehn sind", sagt Schiele, "da gehören wir hin." Zufrieden gibt er sich damit aber nicht - es gibt ja doch immer wieder ein Morgen.

© SZ vom 24.02.2020

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