WM-Qualifikation:Torwart Hart ist noch der Beste

Es ist Zeit, die jetzt auch England benötigt: um die Leistung gegen Slowenien zu verkraften. "All Hart . . . no soul", titelte die Sun. Besagter Joe Hart rief sich mit seinen Reaktionen auf der Torlinie zurück ins Gedächtnis der Menschen auf der Insel. Seit Sommer spielt der Torhüter ja beim FC Turin. Pep Guardiola hatte ihn aus dem Kader von Manchester City gejagt, weil Harts Spieleröffnung mit den Füßen nicht der Qualität seiner Paraden mit den Händen entspricht. Am Dienstag durfte Hart sich auszeichnen, auch weil sein Trainer mit der Aufstellung eher danebenlag. Southgate vermutete im gegnerischen Mittelfeld eine Raute; und aus Furcht vor Unterzahl im Zentrum berief er in Jordan Henderson und Eric Dier zwei eher destruktive Profis vor die Abwehr. Dort geriet Englands Aufbauspiel dann ins Stocken; Henderson und Dier spielten lieber zurück als nach vorne. Zwei Großchancen der Slowenen leiteten sie so ein. "Ich möchte kein Team haben, das sich Dinge mühsam erkämpft. Wir wollen den Ball passen. Manchmal ist uns das schwer gefallen", sagte Southgate.

Wayne Rooney will Rekordspieler werden - trotz Demütigungen

Im Angriff hielten sich die Spieler weit voneinander entfernt auf - als wären sie gleichgepolte Magneten. Viel Interaktion ging so verloren. In der 56. Minute schoss England zum ersten Mal aufs Tor. Die Darbietung erinnerte die Times an eine Sonntagsmannschaft, die nach einer langen Nacht hastig auf einem Dorfwiesen-Parkplatz zusammengestellt wurde.

Eine Seele, etwa in Form einer Spielidee, hat dieses mit Talent und Perspektive gesegnete Team derzeit tatsächlich nicht. Die Three Lions brüllen geradezu nach einem respektierten, mitreißenden Verbesserer am Seitenrand. Immerhin bleibt England mit dem 0:0 weiter Tabellenführer der Gruppe F.

Auch Rooney bleibt auf Kurs: Bald wird er zu Rekord-Nationalspieler Peter Shilton aufschließen. Nach seinem 118. Einsatz für England trennen Rooney, der in zwei Wochen 31 wird, nur noch sieben Spiele von diesem sehr persönlichen Ziel. Dafür ist er bereit, die öffentlichen Demütigungen mit Gleichgültigkeit über sich ergehen zu lassen.

© SZ vom 13.10.2016/jbe
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