Werder Bremen Die Harmlosen

Ein Hauch von Dynamik: Bremens Fin Bartels (rechts) beim Dreikampf mit den Freiburgern Alexander Schwolow (Torwart) und Philipp Lienhart.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Die Norddeutschen setzen ihre Serie an sieglosen Spielen gegen Freiburg fort: Saisonübergreifend haben sie nunmehr seit neun Ligaspielen nicht mehr gewonnen.

Von Jörg Marwedel, Bremen

Im Grunde hätte nur noch gefehlt, dass die beiden Trainer die Anstoßzeit am Samstag um 15.30 Uhr gelobt hätten - ganz traditionell also, wie es die Fans am liebsten mögen. Denn sowohl Alexander Nouri vom SV Werder Bremen als auch Christian Streich vom SC Freiburg haben - wie bei im Abstiegskampf erfahrenen Fußballlehrern üblich - neben ein paar kritischen Anmerkungen vor allem das hervorgehoben, was trotz des insgesamt trostlosen 0:0 auf der Plusseite stand.

Nouri hat erwähnt, dass es immerhin ein "zu Null" gab und dass man es nach der Pause zu "acht Toraktionen" gebracht habe. Zudem bedankte er sich bei den Anhängern "für den großen Support von den Rängen", so als habe eine Schachtel Ohropax beim Pfeifkonzert zur Halbzeit und nach dem Schlusspfiff verhindert, dass er den Unmut der Werder-Fans hören musste. Kollege Streich wiederum betonte, man habe immerhin vier von sechs Spielen nicht verloren. Später, im Gespräch mit ein paar Reportern, sagte der Pädagoge hingegen einen Satz, der seinen Umgang mit dem Saison-Fehlstart beschrieb: "Wir müssen einfach ruhig weiterarbeiten. Nicht, dass die Spieler irgendwann denken, sie könnten keinen Fußball mehr spielen."

Ruhig weiterarbeiten, das könnte in Freiburg eher gelingen als in Bremen, obwohl es dort wiederum einfacher ist als etwa in Hamburg, München oder Berlin. Saisonübergreifend neun sieglose Spiele stehen inzwischen bei Werder zu Buche. Und die Beobachter bemängeln vor allem, dass aus der in der vergangenen Spielzeit noch so offensivstarken Elf eine recht harmlose Gruppe geworden sei. Hat das allein mit der Absenz des verletzten Max Kruse und dem weitergewanderten Serge Gnabry zu tun - oder vielleicht auch mit der neuerdings sehr verhaltenen Taktik Nouris?

Warum etwa bekommt nicht ein Stürmertalent wie Johannes Eggestein, immerhin umworben von englischen Klubs, als Einwechselspieler mal eine Chance? Andererseits durfte erstmals der von Standard Lüttich ausgeliehene Stürmer Ishak Belfodil - optisch eine Mischung aus den früheren Werder-Angreifern Hugo Almeida und Claudio Pizarro - in der Startelf stehen. Außer einem Abseitstor (68. Minute) zeigte er ein paar vielversprechende Ansätze, die er aber nicht fehlerlos zu Ende spielte.

Trainer Nouri ist immerhin sicher: "Das Derby wird ein tolles Spiel."

Weshalb die Bremer fünf Kilometer weniger liefen als die emsigen Freiburger, ist eine andere Frage. Und vor allem, warum es in dieser Saison bisher noch nie dazu reichte, mehr als eine passable Halbzeit abzuliefern. Wie beim 1:1 in Wolfsburg unter der Woche, als die erste Halbzeit den Ansprüchen der Bundesliga nicht genügte, so hat diesmal der zurückgekehrte Kapitän Niklas Moisander erste 45 Minuten gesehen, "die nicht zu akzeptieren" waren. Der Finne hatte, anders als offenbar Nouri, auch den Missmut auf der Tribüne gehört. Und er konnte diese Stimmung wie einige seiner Mitspieler "verstehen".

Hätten die Freiburger jetzt nicht als nächstes Hochkaräter wie Hoffenheim und den FC Bayern als Gegner, könnten sie ein bisschen zuversichtlicher sein. Nach den Vier-Tore-Niederlagen in Leipzig und Leverkusen hätte man "deutlich mehr Struktur" im Spiel gehabt, sagte Kapitän Julian Schuster und lobte besonders die jungen Philipp Lienhardt, Caglar Söyüncü und Pascal Stenzel, wobei Söyüncü allerdings Glück hatte, dass er nach einem Foul an Belfodil nicht mit einer gelb-roten Karte vom Platz musste. Man hätte sich, wie Streich meinte, beim 1:1 gegen Hannover "Rückenwind" geholt, weil man dort mit viel Aufwand immerhin einen Rückstand ausgeglichen habe. Aber die Partie habe eben auch so viel Kraft gekostet, dass man im Weserstadion in der Endphase nichts mehr zuzusetzen gehabt habe.

Der Positiv-Junkie Alexander Nouri ging nach der unansehnlichen Darbietung sehr schnell wieder in den Vorfreude-Modus. Am kommenden Samstag muss man zum Nordrivalen Hamburger SV, und Nouri ist sich sicher: "Das Derby wird ein tolles Spiel."