Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach (18 Uhr) Zurück in der Schaltzentrale

Feiert gegen Borussia Mönchengladbach vermutlich sein Startelf-Debüt in dieser Saison: Zlatko Junuzovic.

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Im Konzept von Bremens Trainer Alexander Nouri ist Zlatko Junuzovic eine der Kernfiguren . Am Sonntag soll der Österreicher in die Startelf zurückkehren und für mehr Pfiff im Spiel des SV Werder sorgen.

Von Jörg Marwedel, Bremen

Am Freitag wurde es offiziell: Zlatko Junuzovic, 30, hat seine Karriere als österreichischer Nationalspieler nach 55 Länderspielen beendet. Einerseits, um mehr Zeit "für meine kleine Familie" zu haben, wie er sagt. Andererseits, um sich künftig ganz "auf meine Klubkarriere" zu konzentrieren. Denn die Belastungen der vergangenen Jahre haben ihm doch die eine oder andere Blessur eingebracht. Das ist vermutlich sehr im Sinne von Werder Bremens Trainer Alexander Nouri. Denn "Zladdi", wie der Werder-Kapitän gerufen wird, feiert am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach vermutlich sein Startelf-Debüt in dieser Saison, nach monatelangen Beschwerden an der Achillessehne.

Neben dem verletzungsbedingten Ausfall von Max Kruse ist Junuzovic' Fehlen wohl der Hauptgrund für Werders erneuten Absturz in die gefährdete Zone. Trotz bislang mehrheitlich akzeptabler Auftritte ist noch kein einziger Sieg gelungen. Gerade mal drei Treffer und vier Punkte bedeuteten vor diesem Spieltag Tabellenplatz 17. Und weil es saisonübergreifend schon zehn sieglose Partien sind, wird längst über den Trainer debattiert. Es wird also auch für Nouri eminent wichtig sein, ob die Rückkehr seines "Verbindungs- und Umschaltspielers" dafür sorgt, dass die Bremer wieder eine bessere Balance zwischen Abwehr und Offensive hinbekommen.

Wie wichtig Junuzovic für das Werder-Spiel ist, war schon bei seinem kleinen Comeback beim 0:0 in Hamburg zu sehen. 63 Minuten lang konnten die Bremer von Glück sagen, dass sie nicht verdient in Rückstand geraten waren. Dann kam der Rekonvaleszent auf den Rasen und veränderte die Partie mit seiner Anwesenheit, ein paar Pfiffigkeiten und Tempowechseln so, dass Werder das Nordderby fast noch gewonnen hätte. Nun hoffen die Bremer, dass seine Rückkehr dem Team dauerhaft eine neue Stabilität beschert.

Mehr Stabilität oder mehr Risiko?

Doch für Nouri ist nicht nur Junuzovic' Kompetenz im Umschaltspiel wichtig. Der Kapitän spürt auch außerhalb des Platzes "eine extreme Verantwortung". Und er ist ein Profi, der die vom Coach inzwischen bevorzugte defensive Ausrichtung mit ungewöhnlicher Vehemenz verteidigt. Man habe auf diese Weise "eine Grundstabilität gefunden, die mehr wert ist als permanentes Spektakel vor beiden Toren", sagt Junuzovic. Diese neue Stärke solle man auf keinen Fall wieder aufgeben, fordert er. Immerhin hat dieser Kurs zu nur sieben Gegentoren in sieben Spielen geführt. Damit hat Werder derzeit eine der besten Abwehrreihen - was in der Bundesliga-Geschichte eher selten vorkam.

Umso gespannter darf man sein, ob Nouri gegen Gladbach den offensiv umtriebigen Florian Kainz anstelle von Junuzovic auf die Bank setzt, oder ob er einen von zwei Sechsern opfert, also vermutlich Philipp Bargfrede. Dann würde nur noch Thomas Delaney vor der Abwehr aufräumen. Das würde einerseits mehr Risiko bedeuten, könnte aber den Angriffsschwung verstärken. Denn die Kehrseite des neuen Abwehrbollwerks ist ja diese Statistik: Das Team hat in dieser Bundesliga-Saison erst 22 Schüsse auf das gegnerische Tor abgegeben, der drittschlechteste Wert der Liga.

Wie lange Junozovic, der bald sechs Jahre in Bremen ist, Werder noch erhalten bleibt, ist eine andere Frage. Schon zweimal hat der Österreicher mit türkischen Klubs sehr intensiv verhandelt. Zudem hat er immer mal wieder erwähnt, er wolle einmal in einer Mannschaft spielen, die nichts mit dem Abstiegskampf zu tun hat. Werders Geschäftsführer Frank Baumann will den 2018 auslaufenden Vertrag aber gern verlängern. "Die Grundvoraussetzungen stimmen schon mal", sagt Baumann. Der Kapitän ist in der ganzen Stadt anerkannt und fühle sich wohl in der Hansestadt. Als er am Freitag über das Bremer Oktoberfest "Freimarkt" befragt wurde, sagte er: "Den Freimarkt mag ich auch." Also muss Junuzovic nur noch gesund bleiben und Werder so schnell wie möglich aus der Abstiegszone führen. Dann wären (abgesehen vom Geld) fast alle Voraussetzungen für weitere Junuzovic-Jahre an der Weser erfüllt.