Weltumsegler Boris Herrmann:"Auf der Autobahn fühle ich mich unsicherer als auf hoher See"

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Weltumsegler Boris Herrmann: Der Weltumsegler Boris Herrmann

Der Weltumsegler Boris Herrmann

(Foto: imago sportfotodienst)

Boris Herrmann verbringt die Hälfte seines Lebens auf dem Meer. Der Hochseesegler erzählt, wie extrem es manchmal zu zweit an Bord ist und warum er keine Angst hat.

Interview von Tim Brack

Seinen Abenteuerdrang entdeckte Boris Herrmann, 34, mit sechs Jahren, als er erstmals ein Seegelboot steuerte. Nach seinem Wirtschaftsstudium stürzte er sich in das Hochseesegeln. Der Oldenburger umrundete die Welt und hält mehrere Rekorde im Hochsee-Regattasegeln. Am Samstag startet er beim "Welcome Race" der Kieler Woche. Klingt nicht aufregend für einen Hochseesegler, für Herrmann ist es aber etwas Besonderes: Er besucht das Segelsportereignis seit seiner Kindheit jedes Jahr.

SZ.de: Sie verbringen die Hälfte Ihres Lebens auf See. Was zieht Sie immer wieder auf das Wasser?

Boris Herrmann: Segeln ist so facettenreich - obwohl man tagelang in einem Boot verbringt. Ich habe nicht wie bei einem Autorennen eine Asphaltfläche vor mir, sondern das glitzernde Wasser, die sich ständig ändernden Farben der Wolken, den drehenden Wind. Im Südmeer zum Beispiel sehe ich langgezogene Wellen, die es in der Form in Ozeanen sonst nicht gibt. Da schweben riesige, wunderschöne Albatrosse hinter dem Boot her. Man erlebt spektakuläre Natureindrücke, die beeindruckend und immer unberechenbar sind. Es ist eine ästhetische Sportart.

Sie waren Tausende Kilometer auf dem Meer unterwegs, haben beim Barcelona World Race 2011 sogar einmal die ganze Welt umrundet.

Zwei Mann, 100 Tage, einmal um die Welt - das war die extremste Erfahrung. Die Länge, die Route und die Intensität des Wettkampfs stellen einen vor schwierige Aufgaben. Wir waren mit kalten und rauen Bedingungen konfrontiert, hatten nur wenig Essen dabei, um das Gewicht des Boots klein zu halten. Und dann nur Konservenessen. Komfort gibt es nicht.

Und man hockt ständig aufeinander ...

Es ist auch in menschlicher Hinsicht extrem. Mein Partner Ryan Breymaier und ich kannten uns beispielsweise vor der Weltumseglung nicht. Er kommt aus den USA und ist etwas älter. Aber wir mussten einfach miteinander klarkommen. Das ist natürlich mental eine riesige Herausforderung, zu zweit über diesen langen Zeitraum zu segeln.

Wie sieht der Alltag während der Zeit auf See aus?

Es ist harte körperliche Arbeit, aber auch viel Routine. Wenn ich wach bin, kontrolliere ich das Boot, Wetter, Geschwindigkeit und die Gegner. Wir schlafen abwechselnd in Schichten. Meistens haben wir Vier-Stunden-Rhythmen, das ist abhängig von der Mannschaftsgröße. Wenn der Wind dreht, ist es normal, dass dich einer aus dem Schlaf reißt, um ein Manöver durchzuführen. Wir sind sehr vom Wetter abhängig.

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