Wasserball:Duell in der Festung

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Würzburgs Robert Seifert möchte mit seiner Mannschaft einen der beiden Playoff-Plätze erklimmen.

(Foto: Julien Becker /HMB-Media/Imago)

Die Wasserball-Bundesliga ist bislang gut durch die Pandemie gekommen und Ende November mit modifiziertem Modus in die neue Saison gestartet. An diesem Samstag steht nun das Derby zwischen Würzburg und Weiden an, den einzigen bayerischen Klubs im Oberhaus.

Von Sebastian Winter

Wasserball ist schnell, kräftezehrend, spannend, die Spielerinnen und Spieler gelten als nicht gerade zimperlich. Es ist ein schöner Sport, der die seltene Eigenschaft hat, das Element Wasser und das Spiel mit einem Ball miteinander zu vereinen. Aber er belegt bis heute eher einen der hinteren Plätze im Ranking der populärsten Ballsportarten in Deutschland, in Bayern sowieso. Einen Frauen-Bundesligisten sucht man dort vergeblich, deutsche Meisterinnen gab es noch nie. Bei den Männern hingegen gibt es durchaus eine große Tradition, vor allem im Norden des Freistaats, auch wenn die Erfolge längst verblasst sind: 1953 wurde Bayern 07 Nürnberg deutscher Meister, in den Siebzigern schlug die Stunde des SV Würzburg 05: Fünfmal gewann der stolze Schwimmverein zwischen 1970 und 1978 den DM-Titel, zwischen 1976 und 1978 gar dreimal in Serie. Diesen Hintergrund muss kennen, wer nun mal wieder einen Blick auf die Tabelle wagt.

Die Würzburger sind Vierter der Gruppe B, nur ein Klub rangiert noch weiter hinten: Der SV Weiden von 1921. Die einzigen beiden bayerischen Erstligisten sind also die derzeitigen Schlusslichter, wobei das Tableau noch wenig Aussagekraft hat. Würzburg hat in der seit knapp drei Wochen laufenden Saison erst ein Spiel absolviert und verloren, die Weidener immerhin schon drei, wovon sie bei zweien denkbar knapp unterlagen. Für die Oberpfälzer dürfte es um nicht viel mehr als um den Klassenverbleib gehen, Würzburg möchte in die Playoffs, für die sich der Erst- und Zweitplatzierte ihrer Gruppe qualifizieren.

"Das ist unser Ziel", sagt jedenfalls Matthias Försch, der in den vergangenen Jahren zusammen mit Iñaki Urkiaga Trainer der 05er war und sie 2019 zum Erstliga-Wiederaufstieg führte. Beide gaben dieses Amt aus familiären und beruflichen Gründen nun vor Saisonbeginn ab, neuer Coach ist der frühere Weltklasse-Linkshänder Raúl de la Peña aus Mexiko. Försch, der immer noch nah dran ist an der Mannschaft, nennt das heimische Adami-Bad "eine Festung". Eine Festung, die an diesem Samstag Weiden im bayerischen Derby (16.30 Uhr) einzunehmen versucht.

Finanziell spielen weder Würzburg noch Weiden oberste Liga - ohnehin fehlt der Nachwuchs

Im Wasserball gibt seit Urzeiten der mit 37 Titeln gesegnete Rekordmeister Wasserfreunde Spandau 04 Berlin den Ton an, mittlerweile ist allerdings Waspo 98 Hannover dabei, den Hauptstädtern den Rang abzulaufen mit drei DM-Titeln in den vergangenen vier Jahren. Wenn man auf die Landkarte schaut, gibt es daneben noch große Zentren in Nordrhein-Westfalen, zwei Klubs in Hamburg, zwei in Baden-Württemberg - und eben Würzburg und Weiden, von denen vor allem Letztere auch geografisch ziemlich weit entfernt von allen anderen liegen. "Würzburg ist ein großer Traditionsverein, auch in der Jugend stark, wobei das in den letzten Jahren etwas abgeebbt ist", sagt der Bundesliga-Rundenleiter des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV), Holger Sonnenfeld. "Weiden hat grauenvolle Bedingungen, ein viel zu kleines Bad, und liegt am Ende der Welt. Und doch stellen sie Jahr für Jahr eine konkurrenzfähige Mannschaft auf. Das ist beneidenswert."

Pandemiebedingt gibt es in dieser Saison statt zwei gleich drei Gruppen. In Gruppe A spielen acht Mannschaften, darunter Spandau und Hannover, in Gruppe B fünf Teams, auch Würzburg und Weiden, in Gruppe C nochmals fünf Teams. Nach dem Vorrundenabschluss spielen die jeweiligen beiden besten Mannschaften aus Gruppe B und C eine Relegation zur "Königs"-Gruppe A, die restlichen sechs Teams treten in der Abstiegsrunde an. Ein Trio muss danach direkt absteigen, die viertletzte Mannschaft geht ins Relegationsturnier mit den bis zu vier Zweitliga-Meistern. Klingt kompliziert, ist es auch. Aber so wollte der DSV den Wunsch der Klubs nach zwei etwa gleichstarken Staffeln erfüllen, wo mehr Teams die Chance bekommen, in die beste Gruppe A aufzusteigen.

Schon vor der Modusänderung sind die Wasserballer vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen, erzählt Sonnenfeld. In beiden Corona-Spielzeiten wurde ein Meister gekürt, 2020 nach dem Lockdown eben erst im Sommer und mit am Ende weniger teilnehmenden Vereinen. "Die Klubs haben inzwischen fast 100 000 Euro alleine für PCR-Tests ausgegeben", sagt Sonnenfeld, "aber es gab sehr viel Disziplin, die Impfrate ist hoch." Und das, obwohl Wasserball bis in die höchste Liga hinein finanziell gesehen eher nicht als Profisport gelten kann. Klubs wie Spandau und Hannover hätten mittlere sechsstellige Etats, sagt Sonnenberg, andere Vereine könnten mit Budgets im unteren fünfstelligen Bereich kaum ihren Spielbetrieb finanzieren.

Weiden und Würzburg spielen auch in dieser Hinsicht eher nicht in der Liga Hannovers oder Berlins. Ohnehin fehlt ihnen der Nachwuchs, insbesondere Würzburg, das früher viele Talente hatte, inzwischen aber in der Jugend eine deutliche Delle verzeichnet. Ganz bayernweit ist das ein strukturelles Problem, eine Ausnahme bildet die SG Stadtwerke München, die ein aus ganz Bayern kommendes Juniorenteam in der Landeshauptstadt unterhält, das in der U18-Bundesliga spielt. Unter den 76 Bundeskaderathleten und -athletinnen findet sich allerdings niemand aus dem Freistaat. Das lässt sich inmitten der Pandemie aber nicht ändern, im Gegenteil. Die Klubs müssen hoffen, dass ihnen der Nachwuchs in den nächsten Monaten - womöglich wieder ohne Jugend-Spielbetrieb - bei der Stange bleibt. Zuschauen beim Erstliga-Derby und dort Anschauungsunterricht nehmen hilft vielleicht schon mal. Am Samstag gilt die 2-G-plus-Regel im Würzburger Adami-Bad. Und in einer Woche schon folgt das Rückspiel in Weiden, der gedrängte Corona-Spielplan will es so.

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