VfB Stuttgart:Tränen vor der TV-Kamera

Das - wie immer vermeidbare - Gegentor zum 1:1 hatte mal wieder völlig ausgereicht, um die Mannschaft aus der Spur zu bringen. Als Yunus Malli ausglich (37.), half es auch nicht mehr, dass das Publikum von Beginn an den Ur-Dortmunder Kevin Großkreutz feierte, der sich unter dem Woche mit der Bemerkung beliebt gemacht hatte, er würde dem Verein auch im Abstiegsfall treu bleiben. In Rekordzeit war Großkreutz von einem Muskelbündelriss geheilt, das Problem war nur, dass seine Wettbewerbsfähigkeit mit seiner Beliebtheit nicht zu vergleichen war. Vor dem 1:1 ließ er sich ebenso austanzen wie vor dem 1:2 durch Cordoba (53.), und am Ende hatte er keine Kraft mehr, um einigermaßen angemessenen Widerstand zu leisten. "Ich kann die Fans verstehen. Wir sind verantwortlich dafür. Ich bin sprachlos. Tut mir leid für die Fans", sagte Großkreutz bei Sky, er weinte vor der TV-Kamera.

Mit zunehmender Spieldauer spielte der VfB wieder wie am Montagabend in Bremen: Resigniert versuchte er eine Art Aufbauspiel zu imitieren, und als nach den folgerichtigen Ballverlusten die Konter rollten, imitierten die Stuttgarter nicht mal mehr ein Abwehrspiel. Jeder Angriff der Mainzer war nun gleichbedeutend mit einer riesigen Torchance. So durfte zumindest Torwart Mitch Langerak, den Kramny für den zuletzt unsicheren Przemyslaw Tyton ins Tor geschickt hatte, ein paar kleine Siege feiern.

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Er hielt einen Alleinlauf nach dem nächsten, und weil Australier optimistische Menschen sind, hörte er sich nachher sagen, "dass es immer 34 Spieltage gibt, nie 33". Vor ein paar Jahren habe sich Hoffenheim auch in letzter Sekunde mit einem völlig unerwarteten Sieg in Dortmund gerettet, erinnerte sich Langerak, "sowas kann immer passieren".

Vom grandiosen Rückrunden-Start ist nichts mehr übrig

In Stuttgart wirken sie aber alle müde vom jahrelangen Hoffen und Bangen, auch der einst mit markanten Worten angetretene Sportchef Robin Dutt hat den Niedergang nicht bremsen können. "Vorstand raus", brüllten die empörten Fans auf dem Rasen, die nächsten Tage und Wochen dürften turbulent werden in Stuttgart. Alle Beteiligten sind nach dem grandiosen Rückrunden-Start mächtig geschrumpft: Dutt und Klubchef Bernd Wahler, denen es nicht gelang, der an guten Tagen durchaus mitreißenden Mannschaft die Sinne für den Ernst des Abstiegskampfes zu schärfen; und natürlich auch der Trainer Jürgen Kramny, der dem Abwärtstrend ebenfalls machtlos gegenüberstand und gegen Mainz mit einer seltsamen Null-Stürmer-Taktik irritierte, die er erst änderte, als er längst zu spät war.

Noch lange nach Spielschluss standen hundert Fans draußen am Stadiontor fünf, Aug in Aug mit Sportchef Dutt und ein paar Spielern, angeführt von Kapitän Christian Gentner. "Warum sind nur so wenige Spieler da?", brüllten die Fans, "wo isch' der Rescht der Mannschaft?" Ein Spiel noch, am Samstag in Wolfsburg, dann dürfte das lange Undenkbare Wirklichkeit werden. Der VfB Stuttgart ist Zweitligist.

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