bedeckt München 14°

US Open:Tennisspielerin Siegemund im Mixed-Finale - "eine witzige Schdory"

Laura Siegemund

Starke Vorstellung: Laura Siegemund erreicht das Mixed-Finale in US Open

(Foto: dpa)

Die Stuttgarterin steht in New York erstmals in einem Grand-Slam-Finale - und kann es selber noch nicht ganz glauben. Im Gespräch erklärt sie ihren Erfolg im Mixed-Doppel.

Aufgezeichnet von Jürgen Schmieder, New York

Ein "Muggaseggele" - so bezeichnet Laura Siegemund das, was beim letzten Punkt der Mixed-Partie passiert ist. Sie hat den Ball auf die gegnerische Seite geprügelt und erst nach Betrachten des Videobeweises war klar: Der Ball hatte die Linie ganz leicht berührt, auf Schwäbisch ein Muggaseggele, der kleinstmögliche Abstand eben. Damit war die Partie gegen Yung-Jan Chan (Taiwan) und Nenad Zimonjic (Serbien) vorbei. Siegemund steht mit ihrem Partner Mate Pavic (Kroatien) im Finale der US Open - die Gegner sind die Amerikaner Coco Vanderweghe und Rajeev Ram. Nach der Halbfinal-Partie trifft sie sich mit einer Handvoll Journalisten im Pressezentrum und erklärt ihre "witzige Schdory", wie die Stuttgarterin sagt.

Frau Siegemund, auf Ihrer Visitenkarte könnte bald stehen: US-Open-Siegerin.

Laura Siegemund: Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Jetzt drehen alle am Rad: Mixed-Finale! Das ist eigentlich eine witzige Story. Ich habe das überhaupt noch nicht realisiert, weil ich mich noch immer im Tunnel befinde. Lassen Sie uns erst über Titel und Visitenkarte reden, wenn es so weit ist. Wir hatten bislang viele schwere Situationen zu bestehen, im Mixed kann das ohnehin sehr schnell gehen (Anm. d. Red.: Im Mixed wird bei Einstand beim nächsten Punkt über den Spielgewinn entschieden - das sogenannte No-ad; der dritte Satz wird als Match-Tie-Break gespielt). Ich weiß, dass ich eine gute Doppelspielerin bin und habe mir immer eingeredet, dass ich auch eine gute Mixed-Spielerin wäre. Wenn das im Fernsehen lief, dachte ich immer: Mensch, dass kann ich doch besser oder mindestens genau so gut! Ich bin froh über meine Chance und darüber, dass ich sie auch nutze. Ein Titel wäre natürlich gigantisch!

Wir wollen Sie jetzt nicht unter Druck setzen ...

Keine Sorge, das lasse ich nicht zu. Es ist schon eine starke Leistung, überhaupt so weit gekommen zu sein. Natürlich wäre der Titel schön, den hat man dann auch - wie Sie sagen - auf der Visitenkarte. Aber im Mixed hängt vieles von der Tagesform, den Umständen im Match und auch von ein bisschen Glück ab. Wie im Halbfinale: Wenn der Ball beim letzten Punkt nicht noch die Linie kratzt, verlieren wir das vielleicht noch. Das darf man bei aller Freude über die eigene Leistung nicht vergessen.

Sie haben im Einzel die dritte Runde erreicht, im Mixed stehen Sie im Finale. Ist das auch eine finanzielle Entscheidung, an allen Wettbewerben teilzunehmen?

Natürlich nimmt man das mit. Das ist mein Beruf - beim Nichtspielen verdienst du auch kein Geld! Man muss nur darauf achten, dass es mit anderen Zielen nicht in Konflikt steht. Ich hatte das Glück, dass wir im Mixed später anfangen durften. Wenn unsere erste Partie einen Tag früher angesetzt gewesen wäre, hätte ich vielleicht sagen müssen: Ich brauche jedes Tröpfchen Energie für mein Einzel.

Apropos Energie: Fühlen Sie sich wieder fit?

Es geht mir besser, auch wenn ich merke: Da lungert noch was in mir rum. Nach dem Turnier werde ich das richtig auskurieren, aber ich fühle mich fit genug, dass es im Mixed keine Rolle spielen wird. Also keine Sorge.

© SZ.de/schma/jobr
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema