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US Open: Halbfinale:Serena Williams sorgt für Pöbel-Eklat

Sie zerstörte ihren Schläger und bedrohte die Linienrichterin: Serena Williams rastete im Halbfinale der US Open völlig aus - und verlor gegen die Belgierin Clijsters.

Sie zertrümmerte ihren Tennisschläger, schimpfte wie ein Rohrspatz und sorgte beim Matchball für einen Eklat: Serena Williams ist so unrühmlich wie noch nie im Halbfinale der US Open in New York ausgeschieden. Nach 88 Minuten, in denen sie von der schnellen und spielstarken "Comeback-Mami" Kim Clijsters unaufhörlich von einer Seite des Platzes auf die andere gescheucht wurde, flippte die Amerikanerin völlig aus.

"Serena hat wegen Unsportlichkeit einen Punktabzug bekommen - und das war der Matchball", erklärte Oberschiedsrichter Brian Earley emotionslos die entscheidende Szene, die am späten Samstagabend (Ortszeit) zur 4:6, 5:7-Niederlage der Titelverteidigerin führte.

"Ich brenne vor Ehrgeiz und gebe bei allem, was ich tue, immer 200 Prozent", rechtfertigte sich die 27-Jährige für ihre Verbalattacke auf eine unerschrockene Linienrichterin, die ihr beim Stand von 5:6 und 15:30 einen Fußfehler beim Aufschlag angekreidet und so den Matchball für Clijsters herbeigeführt hatte.

Rapport bei der Stuhlschiedsrichterin

Wirklich zu hören waren die Schimpftiraden nicht. Wohl aber konnten die die Millionen Fernsehzuschauer und die rund 20.000 Zuschauer im Arthur-Ashe-Stadion, die nach einem abermals verregneten Tag bis in die Nacht ausgeharrt hatten, die Szene genau sehen: Serena Williams redete unaufhörlich auf die Linienrichterin ein. Dazu schwang sie drohend ihren Schläger, was ihr einen Rapport bei der Stuhlschiedsrichterin einbrachte. "Sie hat behauptet, das jedenfalls habe ich gehört, dass ich gesagt hätte: Ich bring dich um", erzählte Williams später mit zorniger Stimme.

Die Sportlerin bestritt das jedoch vehement. Doch weil sie schon im ersten Satz eine Verwarnung für ein zertrümmertes Racket kassiert hatte, wurde sie mit Punktabzug bestraft, der zum Matchverlust führte. Eine Entschuldigung für ihr rüdes Verhalten lehnte sie ab.

"Ich kann definitiv keinen Fußfehler erkennen", kommentierte Altmeister John McEnroe die Szene. Zwar war "Big Mac" für derlei Eskapaden selbst bekannt, doch dem TV-Kommentator ging es "nur um die Gerechtigkeit". Denn ausgerechnet beim wichtigsten Ball des Matches bekam Serena Williams einen Fußfehler angekreidet - was erstens ganz selten geahndet wird und zweitens eine falsche Entscheidung war.

"Ein unglaubliches Match gespielt"

Beim finalen Disput am Netz war Serena Williams schließlich mit den Nerven am Ende. Sie warf ihr Racket auf den Stuhl und ging hinüber, um der konsternierten Belgierin zu gratulieren. Die dreimalige US-Open-Siegerin (sie gewann in den Jahren 1999, 2002 und 2008) erwies sich als faire Verliererin. "Kim hat ein unglaubliches Match gespielt", lobte sie ihre Gegnerin nach der zweiten Niederlage im neunten Vergleich. "Ich habe heute mehr Fehler gemacht als im ganzen Turnier."

"Damit habe ich wirklich nicht gerechnet", sagte die Überraschungs-Finalistin Clijsters. "Vor einem Jahr saß ich noch zu Hause." Die Super-Mama, die im Februar 2008 Tochter Jada Ellie zur Welt gebracht hat und erst vor gut einem Monat nach zweijähriger Pause auf die Tennis-Tour zurückgekehrt ist, erreichte als erste Mutter seit Wimbledonsiegerin Evonne Goolagong Cawley 1980 ein Grand-Slam-Finale.

Kein rein flämisches Finale

"Kim Possible" und "KimBack" haben die Amerikaner die sympathische Sportlerin aus Flandern nach ihrem furiosen Comeback getauft. Das Tüpfelchen auf dem i wäre ein rein flämisches Finale gewesen, doch das verhinderte die Dänin Caroline Wozniacki. Sie gewann 6:3, 6:3 gegen die 19 Jahre alte Turnier-Überraschung Yanina Wickmayer.

Clijsters hatte das abrupte Ende ihrer Partie mit einem enttäuschten Kopfschütteln quittiert. "Schade, dass ein Match, in dem ich so gut gespielt habe, so zu Ende geht", sagte die 26-Jährige, die im Achtelfinale bereits Venus Williams ausgeknockt hatte. Das und möglicherweise auch das Regenchaos mit endlosen Warteschleifen seit Freitag hatten der jüngeren der Williams-Schwestern wohl die Contenance geraubt.

Als der Regen auch am Samstag die schon einen Tag verspäteten Damen-Halbfinals "wegzuwaschen"" drohte, reagierte die Turnierleitung. "Wir machen den Spielplan so gut, wie wir können. Aber das Wetter ist nun mal unvorhersehbar", erklärte Turnierchef Jim Curley. Ein Dach wie in Wimbledon, Melbourne oder bald auch in Paris wird es vorerst nicht geben. Es würde 100 Millionen Dollar oder mehr kosten.

"Das Fernsehen trifft hier die Entscheidungen", beklagte sich Rafael Nadal, dessen Viertelfinale gegen den Chilenen Fernando Gonzalez am Donnerstagabend viel zu spät angesetzt wurde und erst nach gut 36 Stunden für den Spanier entschieden war. Das Finale wird nun wie im Vorjahr erst am Montag gespielt - zum 13. Mal in der 128-jährigen Geschichte der US Open.

© dpa/Andreas Bellinger/bön
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