US Open:Ärger bei der Generalprobe

Djokovic sagt für US Open zu

Der Tennis-Weltranglisten-Erste Novak Djokovic spricht bei einer Pressekonferenz bei den US Open.

(Foto: dpa)

In New York beginnt das Wettkampftennis unter strengen Regeln, die US Open stehen an. Spieler wie Novak Djokovic beanspruchen Sonderbehandlungen - und kritisieren den Ausschluss zweier Spieler vom Cincinnati-Turnier.

Von Jürgen Schmieder

Es gibt eine Regel, die im Profisport wie im wirklichen Leben gilt: Wenn jemand einen Satz einleitet mit der Floskel "Ich will ja nicht (Adjektiv) klingen, aber ..." - dann ist die Chance groß, dass das, was danach gesagt wird, genau diesem Adjektiv entspricht; obwohl dies vermieden werden soll, ob es nun "arrogant", "vorlaut", "sexistisch" oder was auch immer ist. Wenn also Novak Djokovic bei einem Videogespräch mit der New York Times im Garten eines riesigen Hauses sitzt, das er für die Dauer der beiden Turniere in New York City gemietet hat, und sagt: "Ich habe das Hotel gesehen, in dem der Großteil der Spieler untergebracht ist. Ich will ja nicht arrogant klingen, aber ..." - nun ja, man kann sich denken, was folgt.

Der amerikanische Tennisverband hatte alle Spieler isoliert unterbringen wollen, in einer sogenannten Blase, um die Ansteckungsgefahr in der Corona-Pandemie möglichst gering zu halten. Zunächst war pro Akteur nur eine Begleitperson erlaubt. Novak Djokovic hat durchgesetzt, ein Haus zu mieten und drei Leute mitbringen zu dürfen; Kosten für Miete und Sicherheitspersonal trägt er selbst: "Das ist superwichtig. Ich habe diese Investition gemacht, weil ich mich dann besser fühle. Es ist schwer, wenn man in einem kleinen Hotelzimmer sitzt und das Fenster nicht öffnen kann. Ich kann mich so besser erholen." Er will ja nicht arrogant klingen, aber ...

Das Tennisturnier von Cincinnati ist auf die Anlage in Flushing Meadows im New Yorker Stadtbezirk Queens verlegt worden, dorthin, wo eine Woche später auch die US Open über die Bühne gehen sollen. Am Donnerstag haben die Qualifikationsspiele begonnen, die Hauptrunde startet an diesem Samstag. Damit ist die Blase, die möglichst bis zum Finale des Grand-Slam-Turniers am 13. September halten soll, offiziell eröffnet. Nur gibt es bereits Ärger, und das hat auch mit Djokovic zu tun: Die Profis Guido Pella aus Argentinien und Hugo Dellien aus Bolivien wurden disqualifiziert, weil deren Fitnesstrainer Juan Manuel Galván positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Sie sollen sich nun zehn anstatt der im Sicherheitsprotokoll verlangten 14 Tage in Quarantäne begeben, damit sie möglichst an den US Open teilnehmen können; beide sind fürs Hauptfeld qualifiziert.

Djokovic will sich seinen 18. Grand-Slam-Titel sichern

Die Richtlinien des US-Verbands sehen vor, dass Profis sich in Quarantäne begeben müssen, wenn sie im selben Zimmer wie die infizierte Kontaktperson geschlafen hatten. "Wir haben festgestellt, dass beide Spieler über einen längeren Zeitraum in engem Kontakt mit der Person gewesen sind", heißt es in einem Statement der Turnierdirektion: "Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt von New York haben wir beide Spieler von der Teilnehmerliste gestrichen."

Bei Djokovic stieß der Ausschluss auf Kritik - weil den Spielern die Maßnahmen anders erläutert worden seien: "Bei einem Zoom-Anruf vor einigen Wochen erhielten wir vom Chefarzt der USTA die Information, dass ein Spieler, wenn er nicht mit seinem Trainer, seinem Physiotherapeuten oder jemandem aus seiner Mannschaft, der infiziert ist, ein Zimmer teilt und seine eigenen Ergebnisse negativ sind, trotzdem am Turnier teilnehmen kann", sagte er dem TV-Sender ESPN. Auch der dreimalige Grand-Slam-Sieger Andy Murray beklagte, die Spieler seien "sich nicht im Klaren darüber (gewesen), wie die Regeln tatsächlich lauten".

Der Fall zeigt, wie kompliziert die Durchführung der beiden Turniere werden könnte. Vor allem aber zeigt das Engagement des Weltranglistenersten Djokovic, wie der in diesem Jahr noch unbesiegte Serbe vor Beginn der US Open tickt. Er scheint sich ja kaum was mehr zu wünschen, als von der Masse der Tennisfans so verehrt und geliebt zu werden wie die Kollegen Roger Federer und Rafael Nadal, die sich bislang auffällig still verhalten während der Pandemie. Djokovic wird wie die beiden wegen seiner Erfolge respektiert, mit einem Sieg in New York könnte er seinen 18. Grand-Slam-Titel sichern und Nadal (19) und Federer (20) gefährlich nahe rücken. Djokovic ist der große Favorit, auch wenn Herausforderer wie Dominic Thiem (Österreich), Daniil Medwedew (Russland) und Stefanos Tsitsipas (Griechenland) das ausgedünnte Teilnehmerfeld gerne nutzen würden, um die Dominanz der "großen Drei" bei Grand Slams zu beenden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB