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US-Justizministerin Lynch:Die Frau, vor der Blatter zittert

Loretta Lynch

US-Justizministerin Loretta Lynch: Bringt Blatter zum Bibbern

(Foto: AP)
  • Citigroup, HSBC, Politiker beider Parteien, Terroristen - US-Justizministerin Loretta Lynch hat sich schon mit mächtigeren Gegnern als der Fifa angelegt
  • Das dürfte Fifa-Präsident Blatter mulmig machen.
  • Ihre lange Karriere legt nahe, dass ihr kein Opfer zu klein und kein Täter zu groß ist.

Wollte eine neue US- Justizministerin schnell weltweit berühmt werden, dann müsste sie etwas Kühnes wagen: Sie müsste zum Beispiel die Tür zum korrupten Betrieb namens Weltfußball eintreten. Loretta Lynch hat jetzt genau dies getan: Als oberste Strafverfolgerin der USA hat sie 14 Verdächtige anklagen lassen und den Weltfußballverband Fifa mit der Mafia verglichen. Russlands Präsident Wladimir Putin war so beeindruckt, dass er gleich grundsätzlich über die Weltlage referierte: Die USA versuchten wieder einmal, ihr Recht anderen Ländern aufzuzwingen.

Dabei sah es noch im April so aus, als würde es Lynch gar nicht erst ins Amt schaffen: Die republikanische Mehrheit im US-Senat weigerte sich, die Kandidatin von Präsident Barack Obama zu bestätigen. Die Rechten im Parlament wollten die Personalie Lynch als Pfand nutzen, um andere Interessen durchzusetzen. Immerhin hatte Obama peinlich darauf geachtet, der Opposition keine Angriffsfläche zu bieten: Er berief absichtlich keine politische Persönlichkeit, sondern eine, die sich als kompetente Strafverfolgerin einen Namen gemacht hatte.

Lynch hat die Fifa-Akte nicht bloß von ihrem Vorgänger Eric Holder geerbt. In ihrer Zeit als leitende Staatsanwältin in New York hat sie die Akte selbst mit angelegt. Vor vier Jahren ist die Bundespolizei FBI eher zufällig auf die Geschäfte der Fifa gestoßen, sie untersuchte eigentlich die organisierte Kriminalität in Russland. Doch die Ermittler merkten bald, dass sie auf etwas Großes gestoßen waren. Sie hätten "Schicht um Schicht" freigelegt, erzählt Lynch, und dabei erkannt, dass Korruption im Fußball ein systemisches Übel sei. "Wir wussten immer, dass dies ein sehr großer Fall sein würde."

Die Verdächtigen fühlten sich in den USA offenbar in Sicherheit. Der US-Fußball-Funktionär Chuck Blazer steuerte die äußerst dubiosen Geschäfte des amerikanisch-karibischen Verbands Concacaf in einem Büro, das sogar mitten in Manhattan lag - nun ist Blazer der wichtigste Kronzeuge. "Die Beschuldigten hielten die USA eindeutig für einen sicheren Rückzugsort", sagt Lynch. Es lag wohl an der irrigen Vorstellung, den USA sei die Kriminalität im Fußball so egal wie der Fußball selbst.

Mit Sicherheitskräften in New York angelegt

Lynch, 56, ist die erste schwarze Justizministerin der USA. Ihre lange Karriere legt nahe, dass ihr kein Opfer zu klein und kein Täter zu groß ist. In New York hat sie sich mit den Sicherheitskräften angelegt und die Polizisten verfolgt, die 1997 Abner Louima schwer misshandelt hatten, einen Mann aus Haiti, der zum Symbol wurde für die Brutalität der Polizei in Amerikas Großstädten. Sie hat gegen Politiker beider Parteien ermittelt, gegen Terroristen, gegen die Inhaber von Supermärkten, die illegale Einwanderer ausbeuteten wie Sklaven.

Lynchs bekannteste Fälle aber hatten mit Großbanken zu tun. Ihre Ermittlungen haben die Citigroup dazu gezwungen, als Teil eines Deals mit der Justiz sieben Milliarden Dollar zu zahlen. Umstritten ist ein ähnlicher Deal mit HSBC: Weil die Bank verdächtig war, Geldwäsche für Drogenkartelle ermöglicht zu haben, zahlte sie zwar fast zwei Milliarden Dollar an die US-Behörden, die Staatsanwaltschaft verzichtete im Gegenzug allerdings darauf, einzelne Mitarbeiter anzuklagen.

Lynch hat die Entscheidung verteidigt: Kaum je habe ein Finanzinstitut solch schwere Konsequenzen hinnehmen müssen, erklärte sie, etwa verbindliche Regeln gegen Geldwäsche. Die Strafverfolger sollen einst gefürchtet haben, dass Anklagen das globale Finanzsystem destabilisieren könnten. Im Weltfußball freilich drohen solch drastische Folgen nicht, und selbst wenn: Den mäßig am Fußball interessierten Amerikanern wäre es ziemlich egal.

© SZ vom 30.05.2015/ska
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