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Deutsche U21 im Finale:Bedeutsamer Auftritt von Florian Wirtz

Mal eben die deutsche U21 ins Finale geschossen: Florian Wirtz.

(Foto: Zsolt Szigetvary/AP)

Deutschland erreicht das Finale der U21-EM, dabei schießt der 18-Jährige das schnellste Tor in der Geschichte des Turniers - und versöhnt sich mit einer Entscheidung von Joachim Löw.

Von Ulrich Hartmann

Im Oktober war Florian Wirtz mit 17 Jahren und 159 Tagen jüngster deutscher U21-Nationalspieler jemals geworden. Am Donnerstagabend schoss er nach 29 Sekunden das schnellste Tor in der Geschichte der U21-Europameisterschaft. Dass er mit einem zweiten Treffer nur sieben Minuten später die deutsche U21 früh auf den Weg zum 2:1-Sieg gegen die Niederlande und damit ins dritte EM-Finale in Serie schoss, machte seinen Auftritt im Halbfinale in Ungarn noch bedeutsamer.

Aber es waren nicht die Bestmarken und Einträge in die Geschichtsbücher, die ihn spät in der Nacht glücklich machten. "Es ist so ein schönes Gefühl, dass ich das den Jungs und dem Team schenken konnte", sagte der 18-Jährige von Bayer Leverkusen in der Online-Pressekonferenz kurz vor Mitternacht. Er hat sich mit seiner Nichtnominierung durch Joachim Löw längst versöhnt.

Die A-Nationalmannschaft war noch vor zwei Wochen nicht weit weg gewesen für Wirtz. Um genau zu sein: nur 99 Kilometer. So weit war es aus Natz-Schabs in Südtirol, wo sich die U21 auf die EM-K.o.-Phase vorbereitet hatte, nach Seefeld in Tirol, wo Löw das deutsche Team gerade auf die große EM vorbereitet. Lange war offen, ob Wirtz, eines der größten Mittelfeldtalente des europäischen Fußballs, nach Tirol zu Löw darf oder nach Südtirol zum U21-Trainer Stefan Kuntz. Am Ende wurde es Südtirol. "Natürlich hatte ich ein bisschen Hoffnung gehabt", sagt Wirtz über eine Berufung zu Löw: "Aber jetzt konzentriere ich mich auf die U21 und will hier den Titel gewinnen." Am Sonntag (21 Uhr, Pro7) spielt die U21 im Finale gegen Portugal.

Ein Spielertyp wie Wirtz hatte der U21 noch gefehlt

Wer nach dem deutschen Triumph im Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Dänemark wieder mit einer Partie zum stundenlangen Nägelkauen gerechnet hatte, der sah in den ersten acht Minuten einigermaßen erstaunt, wie Wirtz früh für klare Verhältnisse sorgte. Nach 29 Sekunden und in der 8. Minute brachte er sein Team mit 2:0 in Führung. Hätte er eine dritte Großchance genutzt und wäre Mergim Berishas Freistoß in der 20. Minute nicht an den Pfosten geknallt, dann wären die Niederländer zur Pause demoralisiert gewesen.

Zwar kamen sie in der 67. Minute durch Perr Schuurs zum Anschlusstreffer, doch viel mehr Chancen bekamen sie gar nicht. Berisha (RB Salzburg) traf in der 60. Minute noch zwei Mal den Pfosten, erst per Schuss und dann per Kopf. "Er kriegt den goldenen Torpfosten dieser EM", witzelte Kuntz nach dem Spiel: "Aber er macht sein Tor stattdessen im Finale, das hat er mir nach dem Spiel direkt gesagt."

Drei Treffer von Lukas Nmecha (RSC Anderlecht), zwei von Ridle Baku (VfL Wolfsburg), zwei von Wirtz und eines von Jonathan Burkardt (Mainz 05) haben die deutsche Mannschaft bis ins Endspiel gebracht. "Vor allem der Teamgeist ist aber überragend", sagt Kuntz über seinen Kader. Fügt man die individuelle Qualität, die taktische Disziplin und die kollektive Leidenschaft zusammen, dann steht dieser Kader den deutschen EM-Sieger-Teams von 2009 und 2017 in nichts nach.

So ein Spielertyp wie Wirtz hatte der U21 allerdings noch gefehlt, als sie bei der zweigeteilten EM Ende März in der Vorrunde mit einem Sieg gegen Ungarn und zwei Unentschieden gegen Rumänien und die Niederlande eher zäh die Qualifikation für die K.o.-Runde geschafft hatte. Wirtz weilte damals bei Löws A-Team, kam in drei Spielen allerdings zu keinem Einsatz. "Laufstark und technisch versiert", beschreibt er seine Stärken. "Ich kann mit Bällen in die Schnittstelle für Gefahr und Offensivpower sorgen." Gegen die Niederlande hat er aber vor allem eindrucksvoll seine Abschlussstärke demonstriert.

Für Wirtz waren es seine ersten beiden Treffer überhaupt im deutschen Nationaltrikot. Für Kuntz war es das 50. Länderspiel als U21-Bundestrainer. 2017 hatte er die U21 in Polen zum Titel geführt, 2019 in Italien immerhin ins Finale. Und nun wartet das Endspiel gegen Portugal. Die großen Favoriten Spanien und Frankreich sind raus. "Diese Mannschaft hat kein Limit", sagte nach dem Halbfinalsieg voller Adrenalin der Innenverteidiger Nico Schlotterbeck (Union Berlin). Das muss die deutsche U21 gegen Portugal jetzt aber noch ein letztes Mal beweisen.

© SZ/ebc/cch
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