Turnen bei Olympia:Absturz zur Unzeit

Turnen: Weltmeisterschaft

Pauline Schäfer konnte am schlechten Abschneiden nichts ändern.

(Foto: Matthias Schrader/dpa)
  • Deutschlands Turnerinnen misslingt bei der Heim-WM einiges - bei Olympia 2020 soll nun vieles besser werden.
  • Insbesondere der Schwebebalkensturz von Pauline Schäfer schmerzt.

Von Volker Kreisl, Stuttgart

Der Tag fing schon schlecht an. Samstag, 9 Uhr war es, eine Unzeit um Sport zu treiben eigentlich, aber Großbritanniens und Italiens Turnerinnen waren topfit. Zwei Stunden dauerte deren Vorführung in der Qualifikation, dann waren die Final-Hoffnungen der Deutschen, die schon am Vortag dran waren, so gut wie geplatzt.

Denn Großbritannien und Italien, die galt es zu überbieten, am Ende misslang es um weniger als einen Zehntelpunkt. Und so ging es weiter. Keines der Konkurrenzteams erlaubte sich noch Fehler, auch die Holländerinnen zogen vorbei, und irgendwann musste das Team von Bundestrainerin Ulla Kochgar nicht mehr den Rest des Tages abwarten, an dessen Ende die US-Amerikanerinnen noch ihre Show aufführten, unter anderem mit zwei Salto-Schrauben-Kombinationen von Simone Biles an Boden und Sprung. Für die Deutschen war schon vorher klar, mit einem Happy-End würde es nichts mehr werden.

Weil sich zuvor auch schon Frankreich und Kanada davorgesetzt hatten, weil China und Russland sowieso nicht patzten, ist das deutsche Frauenteam nun zwar bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio dabei, muss aber im Mannschafts-Finale der besten Acht bei der WM im eigenen Land (Di., 14.30 Uhr/SWR und ARD) zuschauen.

"Wir haben einen Fehler zu viel gemacht", erklärte Koch, und da war es auch schon egal, wer jetzt an welchem Gerät daneben gelangt hatte oder über die verbotene Linie getreten war. Betroffen waren insbesondere die Geräte Boden und Balken. Wolfgang Willam, der Sportdirektor des Deutschen Turnerbundes (DTB) bedauerte, leider habe das Team "die eine oder andere Chance" liegenlassen, insbesondere der Schwebebalkensturz von Pauline Schäfer, der Weltmeisterin von 2017, war bitter, weil auch Emelie Petz zuvor die Balance verloren hatte. Der Streichwert an diesem Gerät war schon verbraucht, somit kam ein ganzer Punktabzug für einen Sturz in die Wertung.

Der WM-Dienstag wird also ein Trainings- und Tribünentag, so richtig grämen mochten sich die Deutschen dennoch nicht, denn das übergeordnete Ziel dieser WM hatten sie ja erreicht: Für die Olympischen Spiele sind sie qualifiziert, strategisch ist das wichtiger als das große Heimfest. Zudem hält die Woche auch noch weitere Einzel-Auftritte der Deutschen bereit. Elisabeth Seitz und die Kölnerin Sarah Voss schafften es ins Mehrkampffinale am Donnerstag. Und während es bei den DTB-Männern aufgrund mangelnder Ausgangswerte eher nicht zu einem Einzug in ein Einzelfinale kommen wird, haben die Frauen noch Auftritte für das Schlusswochenende.

Elisabeth Seitz gehört am Samstag sogar zu den Medaillenkandidatinnen am Stufenbarren, und auch Sarah Voss turnt am Sonntag noch im Balkenfinale. Der Tag fing für die Stimmungsplaner dieser WM also betrüblich an - fand dann aber doch noch ein versöhnliches Ende.

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