bedeckt München 23°

TSV 1860 München:Spiel mit dem Feuer

3 . Liga Wehen Wiesbaden -TSV 1860 München

Den Ball und den Aufstieg im Blick: Sascha Mölders (vorne) und Merveille Biankadi (rechts) gegen Wiesbadens Marvin Ajani.

(Foto: Christina Pahnke/sampics)

Die Löwen betreiben in Wiesbaden enorm viel Aufwand - und müssen sich im Aufstiegskampf mit einem Punkt begnügen. Dabei sind sie offensiver ausgerichtet, als es Trainer Köllner lieb ist.

Von Christoph Leischwitz

Sie haben einfach keine Lust, sich zu ärgern. Die Spieler und der Trainer des TSV 1860 München könnten das gut tun nach der letzten Fahrt raus aus Bayern in dieser Drittliga-Saison. Ein Sieg beim SV Wehen Wiesbaden, und sie wären punktgleich gewesen mit dem Tabellenzweiten Hansa Rostock. Und dank des besseren Torverhältnisses, das nun zu einem wichtigen Faktor wird, wären sie dann auch Zweiter gewesen. Aber der Konjunktiv, er gehört nicht zum Sprachgebrauch von Michael Köllner, er sagte nach dem 1:1: "Das war für uns enorm wichtig. Dadurch konnten wir was Zählbares mitnehmen und sind zufrieden."

Die Löwen hatten mal wieder enorm viel Aufwand betrieben für diesen einen Punkt. Weil sie aber in Rückstand geraten waren und der Ausgleich auch etwas glücklich fiel, durch einen abgefälschten Schuss von Phillipp Steinhart in der 80. Spielminute - geistesgegenwärtig vorbereitet von Richard Neudecker -, überwog am Ende eben das Gefühl, dass sich dieser Aufwand irgendwo auch gelohnt hatte. Ein gutes Beispiel dafür war, wie die Sechziger in der 62. Spielminute einen Konter der Gastgeber entschärften: Daniel Wein, wenige Sekunden zuvor eingewechselt, sprintete quer über das Feld, um aus einer Drei-gegen-eins-Situation eine Drei-gegen-zwei-Situation zu machen - und das reichte, um den Torabschluss zu verhindern.

Um in Führung zu gehen, fehlt es ein wenig an Kaltschnäuzigkeit und Präzision

"Es war ein Spiel mit dem Feuer", sagte Köllner später, man sei in der zweiten Hälfte offensiver ausgerichtet gewesen, als es ihm eigentlich lieb ist. Im Prinzip sah auch das Zustandekommen des Wehener Führungstors ein bisschen so aus, als sei Sechzig schon in Rückstand: Ein schlampiger Pass von Stephan Salger in die gegnerische Hälfte hinein, mehrere Spieler verdichteten das Mittelfeld nicht, Johannes Wurtz konnte unbedrängt auf die Abwehrkette zulaufen - und vollendete nach einem Solo mit einem präzisen Flachschuss ins ferne Eck (29.). Doch der Ausgleich, er fiel ja noch, und er war erlösend genug. Nun haben die Löwen schon zehn Ligaspiele in Serie nicht verloren, diese Serie allein wertet der Trainer schon ein bisschen als Signal. Die konstante Leistung, sie ziehe sich "wie ein blauer Faden" durch die Saison, sagte er bei Magentasport.

Ein Sieg hingegen wäre realistisch gewesen, wenn man gegen die gut strukturierten, körperlich starken Wiesbadener in Führung gegangen wäre. Dazu fehlte es diesmal ein wenig an Kaltschnäuzigkeit und Präzision. So musste sich Erik Tallig den Ball in aussichtsreicher Position noch einmal vorlegen, statt direkt zu schießen (13.), auch in der 42. Minute legte er sich nach einem guten Konter noch einmal den Ball zu weit vor. Steinhart spielte dem einschussbereiten Sascha Mölders eine Hereingabe in den Rücken (22.). Nach dem Remis waren sich die Trainer einig, dass die Punkteteilung in Ordnung ging. Auffällig war das enorme Engagement der Wiesbadener, für die es eigentlich nur noch um eine Platzierung zwischen Platz fünf und neun geht.

Viele Fernduelle am kommenden Wochenende finden nicht zeitgleich statt

Wieder einmal haben sich die Löwen von mehreren Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen lassen. Es war ein Spiel, in dem man auch gut und gerne glauben könnte: Heute kriegen wie den Ball einfach nicht im Tor unter. Zum Beispiel dann, wenn Dennis Dressel schießt, Stefan Lex den Ball geschickt ablenkt, Torwart Tim Boss aber trotzdem noch die Finger dranbekommt und den Ball an den Pfosten lenkt (61.). Und von dort "trudelt der Ball wieder raus", ärgerte sich Köllner später.

Aber jegliche Analyse über die Giesinger Mentalitätsmonster erübrigt sich jetzt eigentlich. Weil das, was man im Alltags-Sprachgebrauch gerne die "reguläre Saison" nennt, schon jetzt vorbei ist. Am kommenden Sonntag steht ein Derby gegen den abstiegsbedrohten FC Bayern München II an, und ein Derby hat bekanntlich seinen eigenen Charakter. Und schon jetzt ist auch klar, dass die Partie am letzten Spieltag beim FC Ingolstadt Finalcharakter haben wird: Selbst wenn die Löwen gegen die jungen Bayern verlieren sollten, könnten sie mit einem Sieg bei den Schanzern Platz drei sichern.

Was wiederum zu zwei Relegationsspielen mit Finalcharakter führen würde. Übrigens finden viele Fernduelle am kommenden Wochenende, am vorletzten Spieltag - entgegen der Gewohnheit - nicht zeitgleich statt. So tritt auch Ingolstadt in Duisburg 24 Stunden vor dem Münchner Derby an. Den Sechzigern wird's ziemlich egal sein. Köllner sagte am Samstag ganz gelassen, er freue sich auf die nächsten beiden Partien. Und er wird insgeheim hoffen, dass danach noch weitere Spiele anstehen - der direkte Aufstieg ist eher nicht mehr einzuplanen.

© SZ/lein
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB