Triathlon:Verfolgungsjagd auf der Stelle

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Triathlon: Ähnliches Konzept: Vergangenes Jahr war die Super League Triathlon in München - auch da war Anabel Knoll dabei.

Ähnliches Konzept: Vergangenes Jahr war die Super League Triathlon in München - auch da war Anabel Knoll dabei.

(Foto: Nils Koepke/Beautiful Sports/Imago)

Die Eventserie Arena Games Triathlon kommt im April nach München. Die Rennen finden ausschließlich in der Halle statt. Die Distanzen sind überschaubar, die Belastung trotzdem "knallhart".

Von Jonas Kraus

Viele Triathlons punkten mit ihrer spektakulären Landschaft. Beim Ironman auf Hawaii radeln die Sportler durch eine Lavawüste, bei der Challenge von Roth führt die Laufstrecke am Main-Donau-Kanal entlang, beim Escape von Alcatraz starten die Athleten gar von der berüchtigten Gefängnisinsel vor der Küste von San Francisco ins Wasser. Mit solchen Ausblicken kann der Triathlon, der am 9. April in München stattfindet, nicht mithalten. Geschwommen wird im Olympia-Schwimmbad, geradelt und gelaufen direkt neben dem Schwimmbecken. Auf Laufbändern und Rollentrainern.

Ungewohnt? "Ja, auf jeden Fall", sagt Justus Nieschlag. Der 30-jährige Hildesheimer wurde bei den Olympischen Spielen in Tokio Sechster im Staffel-Mixed-Wettbewerb und ist als einer der deutschen Teilnehmer gemeldet. Bei den Frauen plant die Ingolstädterin Anabel Knoll, 25, anzutreten, ebenfalls Olympia-Starterin von Tokio. Obwohl ein Triathlon komplett ohne landschaftliche Reize durchaus gewöhnungsbedürftig sei, sagt Nieschlag: "Mir macht das super viel Spaß." Das Event in München ist die erste Station einer dreiteiligen Rennserie mit anschließenden Stopps in London und Singapur. Am Ende wird der erste offizielle Indoor-Triathlon-Weltmeister gekürt.

Es ist also mal wieder ein neues Format. In diesem Fall ist es allerdings nicht aus dem Bemühen um mehr Attraktivität entstanden, sondern hat sich aus den Zwängen der Pandemie heraus entwickelt. Auf der ganzen Welt wurden Rennen abgesagt, gleichwertiger Ersatz war schwierig zu finden. Um dennoch Wettkämpfe absolvieren zu können, entwickelte die Super League Triathlon die Arena Games. Im Frühjahr 2021 fanden in Rotterdam und London zum ersten Mal zwei Triathlons in der Halle statt. Einmal gewann Nieschlag, einmal wurde er knapp Zweiter. "Mir liegt dieses Format", sagt Nieschlag. "Ich rechne mir schon was aus."

Radfahren und Laufen kann man virtuell verfolgen - Sport und Videospiel verschwimmen

Mit einem klassischen Triathlon haben die Arena Games nicht nur wegen ihres ungewöhnlichen Austragungsortes wenig gemein. Jede Veranstaltung besteht aus Vorrunden und einem Finale. In den Vorrunden werden je zwei Rennen mit den Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen absolviert. Im Finale treten dann die schnellsten zehn Athleten des Tages im Triple-Mix-Format gegeneinander an - drei aufeinanderfolgenden Kurztriathlons. Die Reihenfolge der Disziplinen wird für jede Runde neu festgelegt. "Da kommt es vor allem auf die Wechsel an", sagt Nieschlag. Vor allem der Übergang vom Laufen oder Radfahren ins Wasser sei nicht einfach.

Die Distanzen wirken dabei überschaubar. 200 Meter Schwimmen, vier Kilometer Radfahren und einen Kilometer laufen. "Aber das ist knallhart, man ist immer an der Maximalbelastung", versichert Nieschlag. Die Rennen bei Männern und Frauen dauern nur je eine Stunde, sollen kurzweilig und spektakulär sein. "Für die Fans ist das super", findet Nieschlag. "Ein normaler Triathlon über die olympische Distanz, das kann schon ganz schön zäh werden."

Die Fans können die Athleten dabei live in der Halle verfolgen - oder virtuell über die Plattform Zwift. Die Sportler schwimmen in echt gegeneinander, ehe sie aufs Laufband oder den Rollentrainer wechseln. Dort findet die Verfolgungsjagd dann virtuell statt. Hochleistungssport und Videospiele verschwimmen.

Im vergangenen September machte die Super League Triathlon schon einmal Halt in München. Mit einem ähnlichen Konzept. Die Rennen fanden aber nicht in der Halle, sondern draußen im Olympiapark statt. Das Spektakel kam damals gut an, mehr als 800 Zuschauer strömten an die Strecke und feuerten die Athleten an. Ohnehin ist München derzeit ein Triathlon-Mekka. Im August findet in der bayerischen Landeshauptstadt im Rahmen der European Championships die Sprint-Europameisterschaft der Altersklassen statt. Dann natürlich nicht in der Halle, sondern klassisch draußen. Und vor der sporthistorischen Kulisse des Münchner Olympiaparks.

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