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Radsport:Bora kam auch schon verschiedentlich konkret mit dem Dopingthema in Berührung

Der frühere Amateurfahrer Denk, 45, ist seit der ersten Stunde des Teams dabei, es ist sein Projekt, zu dem mittlerweile 27 Fahrer und 75 Personen fürs Drumherum gehören. Er kommt bisweilen etwas hemdsärmelig-rustikal daher, aber auch ambitioniert. Wenn er die Gründe für den Erfolg erläutern soll, verweist er gerne auf viele "Kleinigkeiten", die sein Team anders mache. Aber welcher Teamchef verweist nicht auf verbesserte Kleinigkeiten? Zu sehr ins Detail will Denk nicht gehen, aber er nennt als Beispiel aerodynamisch verbesserte Trikots oder Anleihen an der Trainingslehre im Wintersport. Und er verpflichte bewusst keine besonders erfolgreichen Ex-Radprofis fürs Umfeld. "Bei uns arbeiten die Leute weniger Tage, kommen aber hungriger zum Rennen", sagt Denk. In der aktuellen Zeit ein Rad-Team zu leiten, insbesondere ein so erfolgreiches, das führt aber automatisch auch dazu, dass sich die Verantwortlichen mit Fragen zu Doping auseinandersetzen müssen. Bora kam auch schon verschiedentlich konkret mit dem Thema in Berührung.

2013 musste Jens Heppner als Sportlicher Leiter gehen, weil er anders als andere Ex-Telekom-Fahrer Doping nie gestanden hatte, es dann aber einen positiven Nachtest aus der 98er-Tour gab. Auch arbeitete für Bora als Sportdirektor der Spanier Alex Sans Vega, der zuvor als Pfleger beim verseuchten CSC-Team tätig gewesen war, aber dort nie etwas von Manipulation mitbekommen haben will. Heute wiederum zählt dessen Landsmann Patxi Vila (Testosteron-Befund als Fahrer) zur Riege der direkten Begleiter. Und Ralf Matzka wurde in seiner Bora-Zeit 2016 positiv auf Tamoxifen getestet und erhielt eine Zweijahressperre, wenngleich er den Befund auf verunreinigtes Wasser zurückführt.

Zum richtigen Umgang mit früheren Doping-Sündern sagt Denk generell, er habe noch keine abschließende Meinung. Aber oft habe man "keine Wahl. So viele fachliche Experten gibt es jetzt auch nicht im Radsport." Und wer ihn etwa zum Erfurter Blutdoping-Netzwerk fragt, das auch von Radprofis genutzt wurde, bekommt diese Antwort: "Ich bin froh, dass wir nach aktuellem Kenntnisstand nicht verwickelt sind. Ganz ausschließen kann man das nie, weil wir im Radsport ein dezentrales System haben. Wir treffen uns nicht wie im Fußball jeden Tag um zehn Uhr zum Training, jeder trainiert zu Hause nach unseren Anweisungen. Was er am Nachmittag macht und am Abend, weiß ich nicht immer."

Sagan in Grün, Buchmann weit vorne im Klassement - es könnte die erfolgreichste Tour de France seit der Team-Gründung werden. Aber mittelfristig hat Denk noch etwas anderes vor. "Ich würde schon mal gerne Richtung der großen Leader-Trikots gehen", sagt er: "Rosa und Gelb würden mir schon auch gefallen", also Siege beim Giro oder der Tour. Aber weil es schwer ist, in allen drei Bereichen (Sprint, Klassiker, Rundfahrer) erfolgreich zu sein, müsste er wohl die Prioritäten verschieben. Zudem wecken erfolgreiche Rundfahrer beim Dopingthema noch einmal erhöhte Zweifel. Doch Denk will das Thema Rundfahrt-Sieg irgendwann angehen. "Und am schönsten wäre es, wenn das einer machen würde, der jetzt schon bei uns unter Vertrag steht", sagt er.