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Tischtennis-WM:Findet Deutschland auch mal einen wie Harimoto?

Vor 19 Jahren verließ der ehemalige chinesische Junioren-Nationalspieler Zhang Yu China und wanderte nach Japan aus, um im "Sendai City Table Tennis Centre" junge Japaner zu trainieren. Er bereitete sie auf den Kampf gegen seine chinesischen Landsleute vor, aber es wurde dann keiner seiner Trainingsschützlinge, der es mit den Chinesen aufnimmt - sondern sein Sohn.

Immer, wenn Harimoto in der Düsseldorfer Messehalle seine Spiele gewonnen hatte, versammelten sich über dem Ausgang auf der Tribüne 20, 30 Kinder und Jugendliche zur Jagd nach Autogrammen. Der eigentlich introvertierte, schüchterne Junge avanciert gerade zum Posterboy des Tischtennis. Während des Spiels bejubelt er wirklich jeden einzelnen Punktgewinn sehr extrovertiert, fast ein bisschen nervig. Er schreit dann nicht nur ein Mal, um sich zu motivieren, sondern drei Mal mit geballter Faust: "Do - dojee - do!"

Ob Deutschland vielleicht auch mal so einen Harimoto findet, ist Richard Prause als Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bunds am Rande der WM gefragt worden. Aber er weiß, dass es in Deutschland nicht funktionieren würde, einen jungen Schüler so viel trainieren zu lassen. "Ich trainiere neun Stunden jeden Tag", hatte Harimoto in Düsseldorf stolz erklärt. "Ich weiß gar nicht, wann er dann noch zur Schule geht", sagt der deutsche Bundestrainer Jörg Roßkopf. "In Japan richtet sich die Schule nach ihm, nicht umgekehrt", sagt Prause und fügt zu den Sichtungs- und Trainingsmethoden in Japan an: "Die Japaner machen es den Chinesen gerade sehr erfolgreich nach."

Harimoto ist dabei noch ein besonderer Glücksfall. Ein kleiner Chinese im japanischen Gewand. Den Namen Harimoto wird man sich aber nicht nur im Männerbereich merken müssen. Tomokazus kleine Schwester Miwa ist neun Jahre alt. "Sie soll noch besser sein", sagt Roßkopf grinsend.

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