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Tischtennis-WM:Wortlos zur WM-Medaille

Table Tennis World Championship - Day 4

Fang Bo (re.) und Petrissa Solja: Erfolgreiches Duo bei der Tischtennis-WM

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Die Pfälzerin Petrissa Solja und der Chinese Fang Bo gewinnen bei der Tischtennis-WM in Düsseldorf Bronze im Mixed-Wettbewerb.
  • Verständigen tun sich beide fast ausschließlich über ihren Sport.
  • Petrissa Solja ist die erste deutsche Tischtennisspielerin seit 46 Jahren, die bei einer Weltmeisterschaft eine Medaille gewinnt.

Nach dem Viertelfinalsieg haben sich Petrissa Solja und Fang Bo sogar kurz umarmt. Eine 23 Jahre alte Pfälzerin und ein 25 Jahre alter Chinese, das würde sich womöglich ganz gut eignen als Stoff für eine kleine Romanze am Rande einer großen Weltmeisterschaft - allerdings ist die einzige Sprache, die sie gemeinsam sprechen: Tischtennis. Fang Bo spricht kaum Englisch, Solja kein Chinesisch. Aber sie beweisen gerade, dass Erfolg auch ohne Worte funktioniert.

Petrissa Solja ist die erste deutsche Tischtennisspielerin seit 46 Jahren, die bei einer Weltmeisterschaft eine Medaille gewinnt. Mit ihrem Mixed-Partner Fang Bo stand sie an diesem Samstag bei der WM in Düsseldorf Halbfinale, die Partie ging allerdings gegen die Japaner Kasumi Ishikawa und Maharu Yoshimura verloren (13:11, 14:12, 5:11, 11:6, 5:11, 7:11, 5:11). Bronze hat das deutsch-chinesische Duo trotzdem sicher, da der dritte Platz nicht extra ausgespielt wird.

Hilde Bussmann und Trude Pritzi aus Österreich wurden 1939 Doppel-Weltmeisterinnen. Damals waren noch nicht einmal Soljas Eltern geboren, die entscheidenden Anteil an der großen Leistung ihrer Tochter haben. Vater Pavel kam des Tischtennis wegen als 20-Jähriger aus der Tschechoslowakei nach Deutschland und heiratete eine Bundesligaspielerin, mit der er drei Töchter hat: Susanne, Amelie und Petrissa. Alle drei wurden deutsche Schülermeisterin im Tischtennis, aber die Chance auf den WM-Titel hat die Jüngste exklusiv.

Lange hat der Deutsche Tischtennis-Bund mit Pavel Solja im Clinch gelegen. Der Vater wollte Petrissa nicht ins Leistungszentrum nach Düsseldorf geben, sondern lieber bei sich daheim im pfälzischen Ort Kandel trainieren. Die ältere Schwester Amelie wechselte im Rahmen der Auseinandersetzungen sogar die Nationalität, um für Österreich zu spielen. Petrissa hingegen kam dann doch nach Düsseldorf und entwickelte sich zu einer Weltklassespielerin. Mit ihrem Klub Eastside Berlin hat sie gerade zum zweiten Mal nacheinander das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League geholt. Sie gewann in Rio mit der deutschen Mannschaft Silber und steht in der Weltrangliste auf Platz 20.

Im Einzel sowie mit ihrer Doppelpartnerin Sabine Winter ist sie in dieser Woche bei der WM früh gescheitert, was sie halbwegs tapfer akzeptierte, "weil ich wusste, dass meine Medaillenchancen im Mixed am besten sind". Mixed-Bronze mit einem chinesischen WM-Zweiten im Einzel zu gewinnen, mag Skeptikern zwar erscheinen wie ein Tour-de-France-Sieg mit dem E-Bike, allerdings steuerte Solja tatsächlich die Hälfte aller Schläge bei: Denn im Tischtennisdoppel muss, anders als beim Tennis, wirklich abwechselnd geschlagen werden.

Fang Bo freute sich denn auch über den Halbfinal-Einzug, er lobte seine Partnerin und bedachte sie mit einer Umarmung. Schwierig ist das alles höchstens für Soljas Freund. Er soll bereits Skepsis geäußert haben, als sie sich vor Olympia 2016 für den Playboy auszog. Mittlerweile, sagt sie, sei er aber durchaus stolz, und dieses Gefühl könnte sich auch bei der WM einstellen. Denn Petrissa Soljas und Fang Bos große Liebe gehört eindeutig - und ausschließlich - dem Tischtennis.

Start ohne Vorbereitung: Timo Boll und Ma Long hatten kein gemeinsames Training absolviert, besiegten aber die Ungarn Tamas Lakatos und Krisztian Nagy 4:0.

(Foto: ROLF VENNENBERND/AFP)